Glossar für Anfangsbuchstabe W
W
- Warenterminbörse
Börsen, die Geschäfte mit Produkten vornehmen, wobei erst nach einer vereinbarten Frist bestimmte Mengen und Qualitäten eines Gutes zu einem vorher festgelegten Preis gekauft bzw. verkauft werden müssen. Mittels Warenterminbörsen können Landwirte auf ihre Ernte so genannte Terminkontrakte abschließen und hierdurch die Preise, die sie für ihre Ernte erzielen werden, frühzeitig absichern. Seit April 1998 existiert in Hannover eine Warenterminbörse (WTB) für Kontrakte bei Schweinen, Kartoffeln, Weizen und Raps/Rapsschrot. Warentermingeschäfte sind in anderen Ländern (USA, Frankreich, Niederlande) schon lange üblich und wurden auch schon vor ihrer Einführung in Deutschland für landwirtschaftliche Produkte getätigt, wenn Ölmühlen beispielsweise eine bestimmte Menge Sojabohnen zu einem bestimmten Termin und Preis orderten. Warentermingeschäfte mit landwirtschaftlichen Gütern wurden zunächst mit Produkten vorgenommen, die keiner EU-Agrarmarktordnung unterliegen, z.B. Schweinen. Ein solcher Terminmarkt kann die Planung von Landwirten erleichtern, wenn sie z.B. schon vor dem Anbau die erwartete Menge der Frucht zu einem bestimmten Preis verkaufen können. Wie alle Warenterminbörsen liegen für beide Vertragspartner Risiken vor. Unter Umständen könnte der Landwirt seine Produkte zu dem vereinbarten Termin zu einem höheren Preis verkaufen, aber auch umgekehrt ist es möglich, dass der Marktpreis zu diesem Zeitpunkt niedriger liegt. Der Abnehmer – häufiger Verarbeiter als der Handel – geht genauso ein Risiko ein. Gefahren bestehen, wenn durch Spekulationen die Preise „künstlich“ verändert werden. Ziel des Warentermingeschäfts ist eine sichere Planung durch frühzeitige Absicherung der Preise und Mengen.
- Wasserbedarf
Alle Pflanzen brauchen Wasser, weil nur im Wasser gelöste Nährstoffe aufgenommen werden können. Der Zeitpunkt des höchsten Wasserbedarfs ist bei den einzelnen Nutzpflanzen unterschiedlich. Am meisten Wasser benötigen Sonderkulturen, die oft bewässert oder künstlich beregnet werden müssen. Gartenbaubetriebe verfügen für Freiland- und Gewächshauskulturen über spezielle Bewässerungssysteme. Auch in der Landwirtschaft werden Beregnungsmaschinen, beispielsweise im Feldgemüse- oder Kartoffelanbau, eingesetzt.
- Weide
Landwirtschaftliches Grünland, auf dem das Vieh weidet (grast). Im Gegensatz zur Wiese wird die Weide nicht gemäht um Futter für die Konservierung wie Heu- oder Silage-Herstellung zu gewinnen. Der Aufwuchs wird direkt von den Tieren abgefressen.
- Weizen
Wichtigste Getreideart. Weizen wird in Deutschland hauptsächlich als Wintergetreide angebaut und als Futter- und Brotweizen verwendet. In Süddeutschland wächst auch Hartweizen, der speziell für die Nudelherstellung (u.a. Spaghetti) verwendet wird. Rund 3,2 Mio. Hektar (entspricht 27 % der Ackerfläche) werden in Deutschland mit Weizensorten bestellt. Der Selbstversorgungsgrad beträgt 139 % (2005/06).
- Welternährung
Der Begriff Welternährung wird erst seit dem 20. Jh. gebraucht. Noch immer leiden weltweit mehr als 800 Millionen Menschen – von über 6,3 Milliarden auf der Erde – an Hunger. Jeden Tag sterben 24.000 Menschen an dessen Folgen. Bis zum Beginn der Kolonialisierung gab es –in mehr oder weniger abgeschlossenen, voneinander getrennt existierenden Regionen durch Unwetter, Schädlings- oder Seuchenbefall oft Hungersnöte. Heute könnte die gesamte Menschheit – rein theoretisch – ausreichend ernährt werden. Dass dies nicht geschieht, hängt von Geld-, Transport- und damit von Verteilungsproblemen, Kriegen und politischen Entscheidungen ab. Der Produktionsfaktor Boden ist in vielen Regionen der Welt nur in unzureichender Qualität und/oder in unzureichendem Umfang vorhanden. Oft herrscht auch Mangel an Wasser. In vielen Ländern ist die Ausrüstung mit Kapital, d.h. sowohl mit Maschinen und Saatgut als auch mit Vieh höchst unzureichend. Weil es in der Welt praktisch keine funktionierenden Märkte für Agrarprodukte gibt, können Entwicklungsländer ihre Produkte häufig nicht zu angemessenen Preisen absetzen (WTO). Auf der anderen Seite werden Futtermittel aus Entwicklungsländern für die Veredlungswirtschaft in Europa importiert. Eine nachhaltige Sicherung der Welternährung wäre nur möglich, wenn Handelshemmnisse beseitigt, gleiche Marktbedingungen geschaffen, die Produktion in den Entwicklungsländern gefördert und das Bevölkerungswachstum sich verlangsamen würden.
- Welthandelsorganisation
Ab 1995 wurde das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) in ein Forum für ständige Verhandlungen über alle handelspolitisch relevanten Fragen (WTO) umgewandelt. Die WTO hat ihren Sitz in Genf und soll für die Durchführung und Weiterentwicklung des Vertragswerkes sorgen. Dazu gehört unter anderem Überprüfung der Handelspolitik, Streitschlichtungsverfahren, Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen, insbesondere mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Auch handelsrelevante Fragen im Zusammenhang mit Umweltproblemen werden in Genf behandelt. Nicht zuletzt greift die WTO in den Weltmarkt für Agrarprodukte ein. Eine neue Handelsrunde begann 2001 in Doha. Sie soll die Ergebnisse der Uruguay-Runde von 1993 weiterentwickeln. Im Dezember 2005 ist die Handelskonferenz in Hongkong nach harten Verhandlungen mit einem Kompromiss zu ende gegangen. Die EU wird bis 2013 nur noch Agrar-Exportsubventionen in Höhe von drei Milliarden Euro leisten. Zunächst war in den Verhandlungen das Jahr 2010 gewünscht worden, was die EU ablehnte, weil die jetzige europäische Agrarreform bis 2013 läuft. Die EU war erst zu einem Kompromiss bereit, nachdem die USA zugesichert hatte, Exportkredite für Farmer zu begrenzen und die Nahrungsmittelhilfe an arme Länder zu beschränken. Bei den Industriezöllen gab es dagegen keine Zugeständnisse. Mit der GAP kommt die EU den Bestrebungen in der WTO sehr entgegen, den Entwicklungsländern den Zugang zu den europäischen Märkten für Agrarprodukte zu erleichtern. Durch die Entkoppelung werden Handels verzerrende Stützungen der Agrarpreise abgebaut. Seit 2000 haben außerdem die AKP-Staaten für praktisch alle Produkte freien Zugang zum Markt der EU. Auch für die Gruppe der 49 ärmsten Länder der Erde gewährt die EU seit 2001 wichtige Handelsvorteile.
Synonyme: World Trade Organization, WTO
- Weltmarkt und Weltmarktpreis
Weltmarkt und Weltmarktpreise bestimmen heute die Wirtschaft (Globalisierung). Eine Besonderheit dabei ist der Weltmarkt für Agrarprodukte. Während für viele Industrieprodukte ein Handel zwischen den einzelnen Erdteilen stattfindet, der zum Teil einen erheblichen Umfang hat, ist die Menge der auf dem Weltagrarmarkt gehandelten landwirtschaftlichen Produkte relativ klein. Schon eine Versorgung mittelgroßer Staaten mit Nahrungsmitteln aus dem Weltmarkt würde Mengen- und vor allem Preisprobleme mit sich bringen. Bis auf Spezialprodukte wie Kaffee, Tee, Südfrüchte oder Bananen beschränkt sich der Welthandel auf den Handel mit wenigen Produktgruppen. Die Preise werden dabei – je nach Interesse – nach oben oder nach unten manipuliert, um gegebenenfalls Überschussmengen abzustoßen und so Lagerkosten zu sparen oder aus einer relativen Monopolstellung Gewinn zu erzielen. In der Europäischen Union (EU) wird daher auch ein hoher Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln zu angemessenen, stabilen Preisen angestrebt. Das führte unter anderem dazu, dass überschüssige Mengen aus der europäischen Landwirtschaft aufgekauft und dann zum Teil zu Preisen unter den Aufkauf- oder Herstellungskosten auf den Weltmarkt geschleust wurden. Die GAP der EU wird durch Abbau der Marktstützungen und hohe Direktzahlungen den Weltmarkt etwas transparenter machen.
Synonyme: Weltmarkt, Weltmarktpreis
- Wiederkäuer
Rinder, Schafe, Ziegen, Hirsche, Antilopen, Giraffen und Gazellen gehören zur Gruppe der Wiederkäuer. Das für die pflanzliche Ernährung angepasste Verdauungssystem hat neben dem normalen Magen (Labmagen) noch mehrere Vormägen (Pansen-, Netz- und Blättermagen). Wiederkäuer fressen im Wesentlichen Gras, das wenig Nährstoffe und viel unverdauliche Zellulose enthält. Die so aufgenommene Nahrung wird im Pansen, der bis zu 180 l Inhalt haben kann, von Mikroorganismen chemisch aufgeschlossen und wandert dann in den Netzmagen. Von dort kommen die vorverdauten Pflanzenteile nochmals portionsweise ins Maul, werden dort gründlich gekaut und heruntergeschluckt. Anschließend zersetzen die Mikroorganismen den Nahrungsbrei weiter, setzen Nährstoffe frei und ermöglichen deren Aufnahme in einem besonders langen Darm. So können Wiederkäuer minderwertiges Futter verwerten und in der Natur ihre Nahrung in kurzer Zeit abrupfen, um sie dann geschützt und in Ruhe aufzubereiten und zu verdauen.
- Wiese
Grünland mit Gräsern und Wildpflanzen, das regelmäßig zur Gewinnung von Heu und Silage gemäht wird. Auf intensiv genutzten, reichlich gedüngten Wiesen ist die Zahl der Grasarten geringer und der Insektenbesatz niedriger. Solche Wiesen können aber mehrmals im Jahr gemäht werden. Wiesen gehören zur Kulturlandschaft. Sie erfordern ein regelmäßiges Mähen, weil sonst nach kurzer Zeit Büsche und Bäume sprießen würden (Landschaftspflege).
- Wintergetreide
Wintergetreide wird im Herbst gesät. Die nur ein paar Zentimeter hohen Pflanzen überwintern und haben so im Frühjahr gegenüber dem Sommergetreide einen Wachstumsvorteil. Wintergetreide ist der Gefahr ausgesetzt, bei bestimmten Wetterlagen (Frost bei hoher oder zu geringer Feuchtigkeit ohne Schneeschutz) auszuwintern, d.h. abzusterben.
- Wirtschaftsdünger
Organische Dünger, die im landwirtschaftlichen Betrieb anfallen. Dazu gehören Stallmist, Gülle, Jauche, Stroh und Pflanzenrückstände. Wirtschaftsdünger verbessert den Humusgehalt im Boden und ist der vorherrschende Dünger im ökologischen Landbau. Entsprechend der Nährstoffbilanz werden Defizite an Nährstoffen durch eine bedarfsgerechte Mineraldüngung (Mineraldünger) ausgeglichen.