Land soll Düngeregeln praktikabler machen

07.04.2017

Der BLHV-Umweltausschuss hat sich mit dem endgültigen Entwurf der Düngeverordnung befasst. Nach Inkraftsetzung ist das Land am Zug, dass sie praktikabel umgesetzt wird.

 

 

Unter der Leitung von BLHV-Vizepräsident Bernhard Bolkart war sich der Umweltausschuss des BLHV in seiner jüngsten Sitzung darin einig, dass die neuen Vorschriften beispielsweise bei den Aufzeichnungen und bei der Begrenzung der Überschüsse von Stickstoff und Phosphat weit anspruchsvoller sind als bisher.

Düngebehörden erhalten Möglichkeiten für den Durchgriff und den Einblick in düngerelevante Daten der Flächenanträge und der Tierhaltung. Der Ausschussvorsitzende Bernhard Bolkart rät den Landwirten, dem gesellschaftlichen Wunsch nach Nitrat-Reduzierung insbesondere in Gebieten mit Nitratbelastung nachzukommen.

 

Alle Spielräume nutzen

Andererseits lässt sich in Baden-Württemberg seit 20 Jahren ein erfreulicher Rückgang des durchschnittlichen Nitratgehaltes im Grundwasser feststellen. Für umso berechtigter hält Bolkart die Erwartungen des Umweltausschusses, dass das Land alle vorhandenen Spielräume nutze, um die Umsetzung der Düngeverordnung praxisgerecht zu gestalten.

Die Düngeverordnung wird den Bundesländern erstmals ermöglichen, die Dünge-Regeln nach Nitratbelastung zu differenzieren. Der BLHV hat sich von Beginn an dafür eingesetzt, dass in Regionen mit sehr niedrigen Nitratgehalten, wie im Schwarzwald, auf unnötige Bürokratie  verzichtet wird. Auf Initiative des BLHV kann das Land Baden-Württemberg die meisten Betriebe bis 30 Hektar in nitratarmen Gebieten aus den Aufzeichnungspflichten entlassen.

Der BLHV erwirkte deutliche Erleichterungen bei der Ausbringung von Gülle. Die unverzügliche Einarbeitung von Gülle und Harnstoffdünger mit Ureasehemmer muss nicht wie ursprünglich beabsichtigt spätestens nach einer Stunde, sondern nach vier Stunden erfolgt sein, sofern das Wetter es zulässt. Das Land kann Alternativen für streifenweise oder direkte Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern zulassen, die ab 2020 auf bestellten Äckern und ab 2026 auf Grünland vorgeschrieben ist. Der Umweltausschuss sieht im Möscha-Verteiler eine praxisgerechte Alternative zur schweren und teuren Schleppschlauchtechnik.

Das Land kann auch Ausnahmen in der Düngeverordnung nutzen, um naturräumlichen oder agrarstrukturellen Gegebenheiten sowie Gründen der Zumutbarkeit und Sicherheit Rechnung zu tragen. Für Betriebe mit Steillagen, kleinen Betriebs-, Schlag- und Wegestrukturen muss davon Gebrauch gemacht werden, befand der Fachausschuss.

 

Festmist-Frist verkürzt

Auch bei der Festmist-Ausbringung konnten die Vorgaben praxistauglicher gestaltet werden. Die neue Sperrfrist für die Festmist-Ausbringung wurde von ursprünglich geplanten zweieinhalb Monaten schließlich auf einen Monat

verkürzt. Das Land erhält die Möglichkeit, den Sperrzeitraum für flüssige Wirtschaftsdünger um bis zu vier Wochen zu verschieben.  Nach Empfehlung des BLHV-Umweltausschusses soll das Land von dieser Möglichkeit flexibel Gebrauch machen, um Betrieben in Höhenlage die Herbstweide zu ermöglichen.

Innerhalb der Sperrfristen kann das Land eine Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern bis 30 kg N/ha zulassen, wenn der Trockensubstanz-Gehalt weniger als zwei Prozent beträgt. Geringe Mengen an Jauche oder stark verdünnter Gülle könnten also zugelassen werden.

Schließlich wurde in der Düngeverordnung die Mindest-Lagerdauer von Festmist von zunächst geplanten vier Monaten auf zwei Monate zurückgenommen.

 

Mit Augenmaß umsetzen

Bestandteil des Düngepaketes ist auch eine neue bundesweite Anlagenverordnung, die unterschiedliche Regelungen der Bundesländer ablösen soll. Ein wichtiger berufsständischer Erfolg für die Praxis ist dabei, dass für bestehende Lagerstätten von Gülle, Jauche, Gärsaft und Festmist in der Regel keine wiederkehrenden Dichtigkeitsprüfungen durch Sachverständigen-Gutachten verlangt werden sollen.

Unklarheiten bestehen aktuell noch, wie Phosphat-Belastungsgebiete in Baden-Württemberg ausgewiesen werden und welche Auflagen dort gelten werden. Unklar ist auch, wie die Stoffstrombilanz aussehen soll, die im Düngegesetz für Betriebe ab 30 Hektar und ab 2023 für Betriebe ab 20 Hektar  eingeführt wird. Der Umweltausschuss fordert eine Umsetzung mit Augenmaß.

 

Gd

 

Schlagwörter zu diesem Artikel

Kommentare zu „Land soll Düngeregeln praktikabler machen“

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Um Kommentare zu verfassen müssen Sie sich zunächst anmelden oder kostenlos ein Benutzerkonto registrieren.

Geben Sie Ihren BLHV-Benutzernamen ein.
Geben Sie hier das zugehörige Passwort an.