Landwirtschaft nicht bienenfeindlich
Dabei zeigt eine nüchterne Betrachtung der Flächenverteilung im Schwarzwald-Baar-Kreis: Gerade noch knapp 42 % der Kreisfläche werden landwirtschaftlich genutzt, davon rund 63 % als Dauergrünland. Auf der genutzten Ackerfläche werden auf lediglilch 11 % Silomais angebaut. Das entspricht nicht einmal fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Bezogen auf die gesamte Kreisfläche entspricht dies einem Anteil von nicht einmal 2 %.Die Flächen für Natur- und Landschaftsschutzgebiete übersteigen den Maisanbau um ein Fünffaches. Im Vergleich hierzu nehmen Siedlungs- und Verkehrsflächen, Flächen für Gebäude, Wohnen und Gewerbe zusammen über 20 Prozent der Kreisfläche ein. Flächen, die unwiderruflich für die Landwirtschaft, aber auch für die Bienen verloren sind. In diesem Zusammenhang die Landwirtschaft und den Maisanbau ausschliesslich für die Schwächung der Honigbienenvölker verantwortlich zu machen, stößt bei den Landwirten auf berechtigte Kritik.
Daß hierfür auch Faktoren wie Klimaerwärmung, imkerliche Betriebweisen, Zucht und Krankheiten der Biene in Frage kommen, wird nicht berücksichtigt. Nach wie vor sind die Hauptgründe für die periodisch auftretenden erhöhten Winterverluste bei Bienenvölkern in Deutschland starker Befall mit Varroa-Milben, Infektionen mit Viren, Alter der Königin sowie Schwächung der Völker im Herbst. Eine Langzeitstudie des Deutschen Bienen-Monitoring (DeBiMo) konnte dagegen keine signifikante Beeinträchtigungen durch Befall mit dem Parasiten Nosema, durch Pflanzenschutzmittelrückstände oder durch andere Ursachen ermitteln.
Auch die Landwirte haben Interesse an intakten und vitalen Bienenvölkern. Die Landwirtschaft nutzt und bewahrt dabei den Naturhaushalt gleichermaßen. Sowohl die Bauern als auch die Imker arbeiten in und mit der Natur. Beide sind dabei aufeinander angewiesen. Landwirtschaftliche Kulturen sind wichtige Nahrungsgrundlage der Bienen.Ihrerseits leisten die Bienen einen Beitrag zur Steigerung der Erträge.
Auf mittlerweile rund 100 ha werden von den Landwirten im Schwarzwald-Baar Kreis sogenannte Bienenweiden angebaut. Mit ausgewählten Blühmischungen, insbesondere aus Phacelia, Buchweizen, Ringelblume, Kornblume, Malve, Sonneblume und Klatschmohn schaffen Landwirte Nahrungsgrundlage für Bienen und viele andere Insekten und verzichten damit auch auf den momentan wirtschaftlich wesentlich interessanteren Anbau von Getreide oder Raps. Die Bauern sorgen damit für eine ertragreiche Honigtracht der Bienen aber auch für bunte Farbtupfer in einer vielfältigen Kulturlandschaft. Auch mit dem Anlegen von Blühstreifen nehmen die Landwirte bewusst Mehraufwendungen in Kauf. Die Bewirtschaftung von mittlerweile über1500 ha Gründlandflächen im Schwarzwald-Baar Kreis nach den Vorgaben der Landschaftspflegerichtlinie, die späte Mähzeitpunkte vorgibt und lediglich minimale Düngegaben zulässt,bedeutet für viele Landwirte auch wirtschaftlichen Ertragsverzicht zu Gunsten einer artenreichen Kulturlandschaft.
Intakte Natur- und Lebensräume liegen den Landwirten mindestens genauso am Herzen wie der übrigen Bevölkerung. Die Landwirte schaffen mit ihrer täglichen Arbeit eine vielfältige Kultur- und Erholungslandschaft und bewahren damit auch die Existensgrundlage für den Erhalt ihrer landwirtschaftlichen Betriebe.


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