Neues Verfahren beschäftigt Öko-Ausschuss

17.07.2017

Dass die Fachausschusssitzung Ökolandbau im BLHV im Sommer 2017 im Zeichen der Pflanzenzüchtung stehen sollte, entschied man schon im vorigen Jahr. Die  Methode CRISPR/Cas9 drängte sich jetzt aktuell auf die Tagesordnung.

Norbert Steidle aus Lellwangen verwies 2016  auf die Besonderheiten in der Öko-Züchtung und lud zur jüngsten Sitzung auf seinen Betrieb mit Besichtigung des Keyserlingk-Instituts ein. Je näher der Termin rückte, desto mehr wurde über  die  Züchtungsmethode CRISPR/Cas9 diskutiert, und so bekam das lang anvisierte Thema eine neue brisante Bedeutung.

Punktuell und zielgenau

Mit dem sogenannten Genome Editing kann die DNA von Pflanzen punktuell und zielgenau verändert werden. So können zum Beispiel Resistenzen angezüchtet werden, die mit klassischen Züchtungsmethoden gar nicht möglich wären oder die über Jahrzehnte hinweg eingekreuzt werden müssten. Da dabei keine fremde DNA eingefügt wird und sich das Ergebnis einer CRISPR/Cas9- Züchtung nicht von einer klassischen Züchtung unterscheiden lässt, wird das Verfahren bislang nicht als Gentechnik eingestuft. Im kommenden Jahr wird aber der Europäische Gerichtshof eine Grundsatzentscheidung darüber treffen, ob solche Züchtungsverfahren als Gentechnik zu werten sind.

Über Chancen und Risiken diskutiert

Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) sieht in diesen Verfahren ein enormes Potenzial für die Pflanzenzüchtung und rät zu einem pragmatischen Umgang. Der BLHV-Fachausschuss für Ökolandbau diskutierte nun über die Chancen und Risiken für den ökologischen Pflanzenbau. Ein überzeugendes Potenzial für den Ökolandbau konnte der Fachausschuss dabei nicht ausmachen. Das liege vielmehr in der großen genetischen Vielfalt, die zum Beispiel in alten Getreidesorten zur Verfügung stehe, so Fachausschutzvorsitzender Friedbert Schill.  Schill zufolge profitiert der Ökolandbau vor allem von Sorten, die eine Vielzahl positiver Eigenschaften besitzen, und diese wiederum könne man mit klassischen Züchtungsmethoden besser erreichen. Diese Einschätzung wurde durch die Besichtigung des Keyserlingk-Instituts unter der Führung von Udo Hennenkämper bestätigt. Hier hat man sich auf das Potenzial alter Weizenlandsorten spezialisiert und versucht, mit deren positiven Eigenschaften ertragreiche und robuste Sorten zu züchten. Auch die Risiken der neuen Züchtungsmethode wurden diskutiert. So befürchtet der Fachausschuss, dass verstärkt Patente auf Sorten erhoben werden, die mit CRISPR/Cas9 gezüchtet wurden. Solche Biopatente würden gegen die Grundprinzipien des Ökolandbaus verstoßen und sollten abgelehnt werden, empfiehlt der Fachausschuss. Derzeit gibt es noch keine Regelung, ob die neuen Züchtungsmethoden das Patent auf eine Züchtung rechtfertigen.

BU: Neue Methoden in der Pflanzenzüchtung beschäftigten den BLHV-Fachausschuss für Ökolandbau in der jüngsten Sitzung stark.

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