Wen der Frost verschonte, der ist zufrieden

04.08.2017

Einen Zwischenstand zur Ernte in allen Kulturen gab der BLHV vergangene Woche bei einer Pressekonferenz im Haus der Bauern in Freiburg. Dabei zeigte sich, bedingt durch diverse Wetterextreme, ein ganz unterschiedliches Bild.

 

Während die laufende Getreideernte bisher insgesamt ordentlich, aber ohne Spitzenerträge ausfällt, sieht es bei den Sonderkulturen bedingt durch die Spätfröste bescheidener aus, berichteten BLHV-Präsident Werner Räpple und Vizepräsident Karl Silberer.

Wintergerste und Winterweizen dreschen bisher besser als im Vorjahr,  die Durchschnittserträge erreichen bisher bei der Gerste  7 bis 8 t/ha  und beim Weizen 8 t/ha. Wegen der Hitze seien die Körner oft etwas kleiner, aber man sei mit einem blauen Auge  davongekommen, sagte Silberer. Auch bei  Raps könne man mit   den Erträgen zwischen 3,5 und 5 t/ha zufrieden sein. Sollte der Regen weiter anhalten, werden nun aber Qualitätseinbußen befürchtet. „Die Waldbauern dagegen freuen sich über den Regen“, erinnerte Räpple. Gleiches gelte für Regionen, wo die Grundwasservorräte knapp seien. Für den Körnermais sei der Regen gerade noch rechtzeitig gekommen, hier seien die Ertragsaussichten gut. Auch der Saatmais stehe ordentlich da. Bei Kartoffeln sorgte der Frost da  für erhebliche Einbußen, wo nicht Vlies oder Folie zum Einsatz kamen. Leider verzögerte sich der Vermarktungsstart im Lebensmittel-Einzelhandel, weil noch relativ lange günstige Importware angeboten wurde. 

Im Grünland waren die Erträge beim ersten Schnitt zufriedenstellend, aber trockenheitsbedingt enttäuschte vielerorts der zweite Schnitt. Räpple erinnerte an die zunehmenden Schwierigkeiten mit nicht erwünschten Pflanzen in Extensiv-Grünland. Insbesondere der Klappertopf breite sich im Moment aus. „Das ist ein Problem, das wir angehen müssen“, betonte er. Die Milchauszahlungspreise hätten sich auf derzeit rund 38 Cent/kg erholt. Das Niveau reiche allerdings noch nicht aus, um die Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. Räpple erinnerte daran, dass  die hochpreisige Butter nur einen Teil der Verwertung ausmacht. Bei den Sonderkulturen gebe es  große Unterschiede bei  der Betroffenheit vom Frost. Spargel war fast nicht betroffen. Die Erträge waren gut, wobei die Preise schneller sanken als üblich. Bei Erdbeeren sorgten Frost, aber auch Unwetter und der heiße Juni für Ertragseinbußen, so dass ein Drittel im Vergleich zum langjährigen Mittel fehlt. Günstige Importware sorgte dennoch Mitte Mai für Marktdruck. Bei Kern- und Steinobst seien die Frostschäden massiv, landesweit seien 2.500 von 11.000 Hektar Kernobst und 75 %  der rund 4.000 Hektar Steinobstbestände stark geschädigt.  Betriebe, die geschützten Anbau mit Frostberegnung, Überdachung oder Abdeckung praktizieren, seien aber weniger betroffen.  Auch in Hanglagen und höheren Lagen  seien die Schäden oft weniger gravierend. Vor allem die Frostberegnung habe sich bewährt, sagte Räpple. Beim Wein sei die Lage weniger schlimm, als unmittelbar nach den Frösten befürchtet wurde.

 

Ohne Zuschuss nicht zu stemmen

Die Frostschäden haben Räpple zufogle Diskussionen mit der Politik und Versicherungen ausgelöst. Für eine kombinierte Frost- und Hagelversicherung seien Hektarprämien von um 500 Euro im Gespräch, das sei ohne staatliche Zuschüsse nicht zu stemmen.

Noch nicht abschließend geklärt ist, wie stark durch den Frost betroffene Betriebe durch das Land entschädigt werden. „Das könnte in Anlehnung an das Vorgehen im Jahr 2011 geschehen“, berichtete BLHV-Hauptgeschäftsführer Benjamin Fiebig. Meistenteils werden Landesmittel für die Entschädigung fließen.

 

bos

 

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