BLHV fordert Verlässlichkeit

13.04.2017

Rita Schwarzelühr-Sutter, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, besuchte auf Einladung des BLHV in Oberweschnegg den Betrieb von Oswald Tröndle. Sie diskutierte dort mit BLHV-Vertretern über die vom Ministerium geforderten Agrarreformen und Gesetzgebungsvorhaben in der Tierhaltung.

 

Oswald Tröndle, Vorstandsmitglied im BLHV, baute im Jahr 2010 einen neuen Milchviehstall mit 150 Plätzen. Für den Liter bekommt er zurzeit 32 Cent netto, dafür leistet Familie Tröndle jährlich bis zu 6500 Arbeitsstunden.

Franz Käppeler, 1. Vizepräsident des BLHV, erklärte der Bundestagsabgeordneten, dass die Milchquote aus Baden-Württemberg in den Norden abgezogen wurde, wo es größere Tierhaltungsbetriebe gibt. Er forderte für die Schwarzwaldbauern mit den erschwerten topografischen und klimatischen Bedingungen andere Förderungen. „Es können nicht alle über den gleichen Kamm geschoren werden“, gestand Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD)  ein.

Oswald Tröndle erwähnte, dass zugekauftes Futter aus Brasilien in Norddeutschland günstiger zu kaufen sei als im Schwarzwald. Die Staatssekretärin gab zu bedenken, dass sich vieles selber regulieren würde, wenn das Futter auf der eigenen Fläche angebaut werden müsste. Wenn Energiepflanzen rentabler seien, dann würden diese angebaut und günstiges Futter eingekauft.

Michael Nödl, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BLHV, zeigte sich besorgt, dass wachsende Betriebe durch ausgedachte Verschärfungen im Baurecht blockiert würden, er vermisse die Akzeptanz für die Tierhaltung bei den Bürgern und in den Kommunen. „Die Kommunen geraten unter Druck, weil wir in Größenordnungen kommen, die einfach nicht mehr verträglich sind, und die Förderung auf diese Größenordnung abzielt“, entgegnete der Höchenschwander Bürgermeister Stefan Dorfmeister.

Rita Schwarzelühr-Sutter positionierte sich für die Grünflächenförderung. Die Bauernvertreter forderten, dass diese an die Tierhaltung, sprich an einen Mindesttierbesatz gekoppelt werden müsse.

Die Staatssekretärin nahm dies auf und betonte, dass die EU-Fördermittel keine Durchlaufposten werden dürften, die beim Verpächter landeten oder nur bei den größten Betrieben ankämen. „Das ist für mich sowieso keine bäuerliche Landwirtschaft mehr“, so die Staatssekretärin.

 

Vernünftiges Kartellrecht

Von den bäuerlichen Vertretern wurde zudem ein vernünftiges Kartellrecht gefordert. „Es kann nicht sein, dass die fünf großen Lebensmittel-Einzelhandelsplayer am Montag zusammen den Milchpreise von 66 auf 49 Cent reduzieren“, schimpfte Käppeler.

 

Reizthema Ausgleichsflächen

Die Ausgleichsflächen wurden ebenfalls angesprochen. Käppeler schlug vor, statt hochwertiges Agrarland aufzuforsten, den Ausgleich im Wald durch Aufwertung anderen Waldes als Ausgleichsfläche durchzuführen. Oswald Tröndle wies darauf hin, dass dadurch nicht die Wirtschaftlichkeit des Waldbaus gefährdet werden dürfe. Rita Schwarzelühr-Sutter bemerkte, dass bei Ausgleichsflächen und Ökopunkten Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutz sehr unterschiedliche Interessen hätten.

Die Bauernvertreter forderten zudem, dass der Ausgleich für die Bewirtschaftung der Wasserschutzgebiete erhalten bleiben müsse. Rita Schwarzelühr-Sutter konnte auf jeden Fall viele neue Erkenntnisse vom Höchenschwander Berg mitnehmen.

 

Thomas Güntert

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