Ernten sichern unseren Wohlstand

Erntedank-Gottesdienst im Freiburger Münster bringt Verbundenheit von Stadt und Land zum Ausdruck

Ähre als Symbol: Damit erinnerte der BLHV an den diesjährigen „Erntedank“.
15.10.2011

Mit einem von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch am 9. Oktober im Freiburger Münster gestalteten Erntedank-Gottesdienst bringe der BLHV die enge Verbundenheit von Stadt und Land zum Ausdruck. Das erklärte BLHV-Präsident Werner Räpple am 6. Oktober vor Vertretern der Presse in Freiburg.

Ernte, so Räpple, sei die Voraussetzung für menschlichen Wohlstand. Ernte sei allerdings keine Selbstverständlichkeit für einen Berufsstand, der in und mit der Natur arbeite. Wissen und Können, Fleiß und Technik allein genügten nicht, eine sichere Ernte einzufahren. Erntedank drücke Freude und Dankbarkeit dafür aus, dass in der Summe eine gute Ernte 2011 eingefahren wurde. Erntedank sei für den bäuerlichen Berufsstand ebenso Anlass, auf unverzichtbare gemeinsame Werte, Wurzeln und gesellschaftliche Ziele zu verweisen. Zu der Erntedankfeier des BLHV seien deshalb neben bäuerlichen Familien auch die Bevölkerung der Stadt Freiburg und des Umlandes eingeladen.

Werteverständnis

Bäuerliche Landwirtschaft, so Räpple mit Hinweis auf das am 30. September verabschiedete Leitbild des Verbandes, bedeute Arbeiten in der Natur, mit Pflanzen und Tieren. Bäuerliches Leben werde getragen von der Verantwortung für die Schöpfung und für den Erhalt der Lebensgrundlagen. Bodenständigkeit, Selbstbestimmung und Schutz des Eigentums basierten auf einem gemeinsamen christlich geprägten Werteverständnis. Badische Land- und Forstwirte, so der Bauernpräsident, erzeugen hochwertige Nahrungsmittel sowie erneuerbare Rohstoffe und Energie. Sie prägen und erhalten durch aktive Bewirtschaftung ihrer Felder, Wiesen und Wälder eine vielfältige Kultur- und Erholungslandschaft. Bäuerinnen und Bauern verschaffen sich damit einen Platz in der Mitte der Gesellschaft. Sie erfahren Wertschätzung durch eine breite Zustimmung in der Bevölkerung und durch deren bewusstes Kaufverhalten.
Der tägliche Münstermarkt in Freiburg und die vielen in den vergangenen Jahrzehnten neu entstandenen Bauernmärkte überall im Land spiegelten den Wunsch vieler Verbraucher nach Lebensmitteln aus der Heimatregion. Geschätzt werde die Sorgfalt bäuerlicher Familien im Anbau, eine verantwortungsvolle Tierhaltung, regionale Herkunft, Qualität und Frische. Das ermutige eine wachsende Zahl bäuerlicher Erzeuger, die wirtschaftliche Existenz ihrer Betriebe an einer besonderen Qualität und am Wunsch einer bewussten Verbraucherschaft zu orientieren. Nachdenklichkeit zu erzeugen für die Wertigkeit von Lebensmitteln als „Mittel zum Leben“ sei berufsständische Absicht. Freiburg erfreue sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit. Eine vielfältige Kulturlandschaft vor den Toren der Stadt sei prägend. Diese Landschaft sei das Produkt einer aktiven Bewirtschaftung der Weinberge, der fruchtbaren Ackerböden des Rheintales, des Grünlandes in den Schwarzwaldtälern und der vielen Mischwälder in den Bergregionen.
Erntedank, so Präsident Räpple in Übereinstimmung mit Landvolkpfarrer Dr. Thomas Dietrich, sei keine bäuerliche Folkloreveranstaltung. Ernte und ein täglich neu gedeckter Tisch seien auch nicht überall auf der Welt eine Selbstverständlichkeit. Landwirtschaft habe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das werde in der Bevölkerung oft zu wenig wahrgenommen. Landwirte wüssten allzu gut, dass Erntesegen nicht allein dem Wissen, Fleiß und Können bäuerlicher Familien entspringe, sondern ein Geschenk darstelle, betonte Dr. Dietrich. Erntedank erinnere Menschen aus Stadt und Land an die Abhängigkeit vom Schöpfer.

Hagelereignisse

Auch in diesem Jahr, so Räpple, hätten Landwirte, Obstbauern und Winzer in der Ortenau, am Bodensee, im südlichen Markgräflerland und am Oberrhein leidvoll zusehen müssen, wie durch Naturereignisse in nur wenigen Minuten aussichtsreiche Ernten vernichtet wurden. Erntedank erinnere an einen ungewöhnlichen Witterungsverlauf. Ein später Frühling, eine lange Trockenperiode im Frühsommer und eine verregnete Erntezeit ließen Bauernfamilien hoffen und bangen. Moderner Technik sei es zu verdanken, dass trotz dieser außergewöhnlichen Witterung eine insgesamt zufriedenstellende Ernte in Baden eingefahren wurde und die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln sichergestellt sei. Erntedank 2011, so der BLHVPräsident, erinnere an Ehec-Krankheitserreger in Keimlingen in Norddeutschland. Vorsorge habe dazu geführt, dass Gemüsebauern auch in Baden massive wirtschaftliche Schäden erlitten.
Erntedank, so Räpple, ermahne Landwirte und Städter gleichermaßen zu Dankbarkeit für das Wunder der Schöpfung. Das Vertrauen darauf, dass aus dem Samenkorn reiche Frucht heranwächst, veranlasse Bäuerinnen und Bauern zu Saat und Pflege. Ein reich gedeckter Tisch sichere Ernährung und Wohlstand. Darin sehe der bäuerliche Berufsstand seine vorrangige Aufgabe. Erntedank mahne aber ebenso zu Gerechtigkeit. Bei wechselhaften Märkten seien steigende Erwartungen an eine intakte und gepflegte Kulturlandschaft nur dann zu gewährleisten, wenn Gesellschaft und Staat Zusatzleistungen der Bauern dauerhaft und angemessen vergüten. Dazu bedürfe es der Wertschätzung durch die Bevölkerung, um die der Berufsstand zusammen mit der Katholischen Landvolkbewegung werbe.
 

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