Der Flächenverbrauch treibt alle um  

04.08.2017

Bundestags-Kandidaten im Wahlkreis Bodensee diskutierten vergangene Woche in Markdorf mit Landwirten und stellten ihre agrarpolitischen Positionen dar.

 

Auf Einladung des BLHV waren die Politiker auf den Stüblehof der Familie Mock  gekommen. Claudia Haydt (Die Linke) plädierte für mehr Regionalität in der Landwirtschaft und sieht den Export landwirtschaftlicher Produkte als nicht unproblematisch, da billige Exporte die Landwirtschaft in der Dritten Welt kaputt machten. „Landwirtschaft und Linke sind dicht beieinander – beide sind rebellisch“, so Haydt. 

Die Bereiche internationale Konkurrenz, Arbeitszeitregelung, Umgang mit Flächen und digitale Wende sowie der Strukturwandel auf den Höfen seien Schwerpunkte der sozialdemokratischen Politik, betonte  Leon Hahn (SPD) und fuhr fort:  „Wir wollen die Umstellung auf biologische Landwirtschaft unterstützen,  aber respektieren durchaus die konventionelle Landwirtschaft.“  Die FDP will die Preisbildung landwirtschaftlicher Produkte im Handel kartellrechtlich prüfen lassen und bei den Pflanzenschutzmitteln wolle man sich auf wissenschaftliche Analysen verlassen. „Die landwirtschaftlichen Betriebe können mit Geld besser wirtschaften als der Staat“, betonte Christian Steffen-Stiehl (FDP) und plädierte für eine Besteuerung mit  Augenmaß.  Lothar Riebsamen (CDU) sagte, dass durch den Brexit rund  zehn  Milliarden Euro fehlen werden.  Die Erste Säule  müsse so bleiben, wie sie ist. Die Zweite Säule dürfe  nicht zu Lasten der Ersten Säule gestärkt werden. Markus Böhlen (Grüne) machte sich mit seinem Eingangsstatement nicht gerade beliebt bei den Landwirten: „Heute ist ein Feiertag, denn die Ferien haben begonnen.“ Er plädierte dafür, die Zweite Säule zu stärken.  Gefördert werden sollten kleinbäuerliche Strukturen und der Ausstieg aus der Massentierhaltung.

Nachdem die  Statements der Politiker abgeschlossen waren, ergab sich unter Moderation des BLHV-Kreisvorsitzenden Georg Rauch eine leidenschaftliche Diskussion um Themen, die die Bauern vor Ort bewegen. Das Wasserwirtschaftsgesetz sehe ab 2018 Fünf-Meter-Randstreifen an Gewässern vor. Das sei eine Enteignung von Bauern, er erwarte  dafür  eine Entschädigung, erklärte ein Landwirt. Ein Landwirt kritisierte, dass durch den naturschutzrechtlichen Ausgleich für Baugebiete  jeden Tag landwirtschaftliche Flächen verloren gingen. „Es sollten mehr brachliegende Industrieflächen für den Ausgleich eingesetzt werden oder eine finanzielle Kompensation stattfinden“, meinte  Christian Steffen-Stiehl. Ähnlich sieht es Lothar Riebsamen, nach dessen Ansicht der Flächenausgleich so nicht mehr weitergehen kann: „Es muss anders, fantasievoller gemacht werden – vielleicht doch über einen finanziellen Ausgleich.“ Markus Böhlen   sieht im Modell des Regionalverbands mit Ökopunkten einen guten Ansatz.

 

Wolf-Dieter Guip

 

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