Kommentar: Luchs und Wolf polarisieren

28.10.2016

Diese Erfahrung musste jüngst auch der BLHV machen. Kaum eine Pressemeldung in den letzten Jahren erregte ein so breites Medienecho wie die Position des Verbandsausschusses zu Luchs und Wolf.

Man fragt sich, weshalb beispielsweise die Meldung über eine schlechte Ernte von den Medien achselzuckend zur Kenntnis genommen und allenfalls als Randnotiz weiterverbreitet wird. Dem Verbraucher ist noch nicht wieder klar geworden, dass seine Versorgung mit Lebensmitteln davon abhängt, dass Bauern diese produzieren und ernten.

Das Bild der Landwirtschaft in den Medien wird geprägt von dem Motto, dass schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. Wobei nicht die aus Sicht der Bäuerinnen und Bauern schlechten Nachrichten gemeint sind. Zum Beispiel, dass viele von ihnen nur aufgrund einer gehörigen Portion Idealismus weitermachen und nicht, weil aus unternehmerischer Sicht ihre Tätigkeit derzeit Sinn macht.

Schlechte Nachrichten sind Skandale, in der Lebensmittelherstellung, vor allem in der Tierhaltung. Da kann man nur froh sein, dass in unserer schnelllebigen Zeit jeden Tag eilig eine neue Sau unter großem Getöse durchs Dorf getrieben wird.

Wie kann man da nur gegensteuern? Diese Entwicklung  zu beklagen, ändert nichts. Also zuvörderst gilt es, nicht darin nachzulassen, als Berufsstand, als Bäuerin, als Bauer tagtäglich für unsere Anliegen zu werben und dabei ehrlich mit unseren Gesprächspartnern umzugehen. Wenn ich Dinge, die, häufig ohne bösen Willen, tatsächlich schiefgelaufen sind, nicht beschönige, glaubt man mir eher, wenn ich von meinen guten Taten berichte.

Wer sich verteidigen muss, bei dem unterstellt man automatisch, dass er es nötig hat. Als weiteres, nicht nur als offizieller Vertreter des bäuerlichen Berufsstandes, sondern als Bäuerin, als Bauer in Diskussionsrunden, in Gremien hineingehen, die nicht der Landwirtschaft von vornherein wohlgesonnen sind. Nicht Opfer spielen, sondern Täter. Und in diesen Gremien zuhören, die Argumente der anderen ernst nehmen, mit den eigenen Argumenten abwägen und freundlich, aber bestimmt zu meiner Position stehen, für diese werben.

Es dann aushalten, dass ich nicht sogleich Anerkennung oder gar Beifall ernte, sondern Kritik und Ablehnung. Davon nicht entmutigen lassen, denn ich trete schließlich für eine gute Sache ein. Das Bohren dicker Bretter braucht so seine Zeit. Und so schaffen wir es dann unter anderem auch, dass die Gesellschaft nicht mehr meint, unsere vom Menschen vielfältig geformte und überformte Natur sei nur dann wieder "heil", wenn Wolf oder Luchs sie wieder bevölkern.

Michael Nödl, BLHV

 

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