Kommentar: Spicken erlaubt

02.02.2018

Kaum jemand, der seine schulische Laufbahn gemeistert hat, schaffte dies zu 100 Prozent,  ohne das Wissen anderer zu kopieren. Die auf dem morgendlichen Schulweg abgeschriebenen Hausaufgaben oder das Vergleichen der Ergebnisse in der Matheklausur – Spicken hat sich meistens gelohnt.

So sehr, dass man sich dafür gerne neben den sonst so unbeliebten Klassenstreber gesetzt hat.  Die größten „Wissensdiebe“, die ich aus meiner Schulzeit kenne, sind heute so klug und erfolgreich wie die vermeintlich Bestohlenen. Untereinander sind  sie gute Freunde geblieben, wahrscheinlich, weil ihnen der Erfolg im Klassenverband wichtiger war als der individuelle Erfolg. In Schulklassen gibt und gab  es immer diejenigen, die besonders gefördert wurden. Sei es, weil sie von ihren Eltern zur Nachhilfe verdonnert wurden oder weil sie einen besonders guten Draht zur Lehrkraft hatten. Wer sich benachteiligt fühlte, konnte sich entweder selbst auf den Hosenboden setzen oder aus Protest jegliche Aktivität verweigern. Am einfachsten war es aber, wenn man sich neben denjenigen setzte, der ein größeres Stück vom Kuchen bekommen hatte. Landwirtinnen und Landwirte, die in einer der neuen „Biomusteregionen“ zuhause sind, sollten ebenso vorgehen. Jetzt schon kommt Unmut auf, weil einer mehr gefördert wird als der andere. Faktisch ist das nicht von der Hand zu weisen;  aber mehr für den  einen bedeutet dieses Mal nicht weniger für den anderen. Unterm Strich geht es nämlich um einen geförderten Regionalmanager, der Erzeuger, Verarbeiter und Vermarkter der Ökobranche miteinander vernetzen soll. Wenn so innovative Wertschöpfungsketten entstehen und wenn für die anderen das „Spicken“ erlaubt ist, dann wird davon nicht nur die Ökobranche profitieren.

 

Padraig Elsner

 

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