Freiburg, Vogtsburg und das SC-Stadion

28.07.2017

Für den Naturschutzausgleich des neuen Stadions des SC Freiburg kommt erstmalig ein besonders flächenschonendes Verfahren zum Einsatz. Es heißt „Vogtsburger Modell“, weil es sich um Böschungspflege in Vogtsburg handelt. BLHV-Präsident Werner Räpple sieht darin ein „Leuchtturmprojekt“.

 

Der Vogtsburger Bürgermeister Benjamin Bohn entwickelte das  „Vogtsburger Modell“ gemeinsam mit Vertretern des Freiburger Amts für Liegenschaften und Wohnungswesen und des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) Breisgau-Hochschwarzwald.

 

Idee des BLHV

Dieses „Vogtsburger Modell“ basiert auf einer Idee des BLHV, dass landwirtschaftliche Pflegemaßnahmen bauliche Eingriffe  kompensieren könnten. Deshalb wird nun die Böschungspflege am Kaiserstuhl als Naturschutzausgleich für das neue Stadion zum Einsatz kommen.

Die Stadt Vogtsburg im Kaiserstuhl stellt der Stadt Freiburg rund 33 Hektar Böschungsfläche in Weinbergen zur Verfügung. Freiburg garantiert eine ökologische Aufwertung und Pflege der Flächen für die nächsten 30 Jahre. So wird ein naturschutzfachlicher Mehrwert geschaffen, der die baulichen Eingriffe des Stadionneubaus teilweise kompensiert, ohne landwirtschaftliche Nutzfläche in Anspruch zu nehmen. Die Böschungen liegen am Badenberg auf den Gemarkungen Bischoffingen, Oberbergen und Oberrotweil sowie am Scheibenbuck bei Schelingen. Ein Betrieb des LEV wird die Herstellung, Aufwertung und Pflege begleiten und ihre Entwicklung überwachen. Für die ersten 30 Jahre sind Kosten von circa 2,1 Millionen Euro veranschlagt, Vogtsburg erhält eine Entschädigung für die Bereitstellung der Böschungsflächen. Durch die Aufwertung der Böschungen in Vogtsburg kann die Stadt Freiburg 1,972 Millionen Ökopunkte (ÖP) generieren. Diese Stadt-Land-Partnerschaft haben Vertreter und Vertreterinnen beider Städte, des BLHV und des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald bei einem Pressetermin in Vogtsburg vorgestellt. Dabei hob Otto Neideck, Erster Bürgermeister der Stadt Freiburg, hervor, dass es sich hier „um eine erstmalige und bisher einzigartige Zusammenarbeit in unserer Region handelt“. Da die Stadt weiterwachse, solle man diesen Weg weitergehen, betonte Neideck. Der Vogtsburger Bürgermeister Benjamin Bohn sagte: „Beide Seiten profitieren. Dies kann gerne der Anfang einer Partnerschaft mit weiteren Kooperationen dieser Art werden.“ Gegenüber den zahlreich erschienenen Pressevertretern betonte Landrätin Dorothea Störr-Ritter: „Dass diese für alle Seiten nur gewinnbringende Partnerschaft entstehen konnte, ist vor allem dem Einsatz des Landschaftserhaltungsverbandes zu verdanken. Darauf bin ich stolz.“ BLHV-Präsident Werner Räpple stellte die Bedeutung der Landwirtschaft als Basis für die Lebensmittelerzeugung in den Mittelpunkt. Die Regale in den Supermärkten seien zwar stets gut gefüllt, aber man dürfe trotzdem nicht vergessen, dass Lebensmittel auf den Äckern und Wiesen der Landwirte entstehen.

 

Nicht immer Äcker opfern

„Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind die Basis unserer heimischen Lebensmittelproduktion und dienen dem wirtschaftlichen Erfolg unserer bäuerlichen Familienbetriebe, darum kann man nicht immer Äcker in Naturschutzflächen umwandeln“, erklärte Räpple. Durch die Pflege der Weinbergböschungen werden  vorhandene Biotope naturschutzfachlich aufgewertet, anstatt neue Biotope auf wertvollen Ackerflächen einzurichten. „Wir fordern schon seit Jahren, dass der Naturschutzausgleich stärker durch Wiederherstellung und Folgepflege artenreicher Biotope oder durch produktionsintegrierte Maßnahmen hergestellt werden sollte.“ Für Präsident Räpple steht fest: „Das ‚Vogtsburger Modell‘ ist ein echtes Leuchtturmprojekt, das allen Kommunen des Landes als Beispiel dienen sollte“. Nach Auskunft des Landschaftserhaltungsverbandes Breisgau-Hochschwarzwald (LEV) ist die Artenvielfalt auf den Rebböschungen im Kaiserstuhl geringer als auf gleich exponierten Hanglagen im Bereich Alt-Vogtsburg. Das hatte jüngst auch eine Masterarbeit an der Universität Freiburg gezeigt. Dies liege an fehlenden Arten und fehlender Aufwertungspflege.

 

Artenvielfalt erhöhen

Bei einer  Rundfahrt veranschaulichte Reinhold Treiber, Geschäftsführer des LEV, die dringende Notwendigkeit einer intensiveren Pflege der betroffenen Böschungen. So gibt es auf vielen Flächen große Bestände der nordamerikanischen Riesen-Goldrute, ein Neophyt, der durch Mahd und Samenübertrag gut ersetzt werden kann. Ziel ist die Entwicklung großflächiger artenreicher Magerrasen durch Mahd, Samenübertrag und teils  Beweidung mit Schafen. So können sich dort künftig Arten wie Kugelblume, Wiesen-Salbei, Kartäusernelke, Sonnenröschen, Goldhaar-Aster und Kleiner Wiesenknopf ansiedeln, die als typisch für die Mager- und Trockenrasen gelten und auf den Rebböschungen an vielen Stellen noch fehlen.

El

 

Schlagwörter zu diesem Artikel

Kommentare zu „Freiburg, Vogtsburg und das SC-Stadion“

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Um Kommentare zu verfassen müssen Sie sich zunächst anmelden oder kostenlos ein Benutzerkonto registrieren.

Geben Sie Ihren BLHV-Benutzernamen ein.
Geben Sie hier das zugehörige Passwort an.