Grünland gibt es nicht ohne Bauern
In jüngsten Pressemitteilungen, die aber von den Medien nicht wirklich aufgegriffen wurden, geißelte der NABU die Kritik des BLHV am Grünlandumbruchverbot und ebenso die Forderung nach einer Lockerung des strengen Fruchtfolgegebots in den Landkreisen Ortenau und Emmendingen. Was sich in Unterzeilen einer Meldung des NABU zur Grünlandförderung kooperativ liest, wird in weiten Teilen der Erklärung des Verbandes nicht gespiegelt. Vielmehr wird darauf verwiesen, dass jeder Unternehmer innerhalb gewisser Auflagen wirtschafte. Das gelte auch für Landwirte. Der NABU will auch nicht gelten lassen, dass das Grünlandumbruchverbot Auswirkungen haben kann auf eine mögliche künftige Ausweisung neuer FFH-Gebiete. Hier fehle dem NABU die leidvolle berufsständische Erfahrung der Folgen extensiver Flächennutzung, so der BLHV. Das Grünlandumbruchverbot ist aus Sicht des NABU ein erster wichtiger Schritt für den Schutz des für Mensch, Klima und Natur wichtigen Grünlands. Der NABU fordert von der Landesregierung in einem zweiten Schritt, Grünlandbewirtschafter etwa über eine Weideprämie und eine angemessene Investitionsförderung besser zu unterstützen.
Klischees bedient
Schmetterlinge und Störche, so der NABU, gebe es nicht ohne Wiesen und Weiden. Grünland gebe es nicht ohne Bauern. Und Grünlandbauern gebe es nicht ohne die Unterstützung der Politik. Der NABU-Landeschef bot dem BLHV seine Unterstützung im Kampf für eine bessere Förderung der Grünlandbewirtschaftung an.
Extrem daneben liegt der NABU, aus Sicht des BLHV, mit seiner Meldung „Bauernverband setzt auf Gift statt Fruchtfolge“. Verschwiegen wird in dieser Anschuldigung die grundsätzliche berufsständische Bereitschaft zur Fruchtwechselregelung bei der Bekämpfung des Maiswurzelbohrers. Der flächenhafte Anbau von Wintergetreide in den beiden Befallsgebieten Ortenaukreis und Emmendingen stehe dafür ja gerade als Beweis. Nicht in bäuerlicher Hand liegen allerdings die extreme Frostschäden in diesen Fruchtfolgekulturen. Wenn einzelne Betriebe erhebliche Winterweizenflächen aufgeben und umbrechen mussten, so der BLHV, sei es auch mit Hinweis auf Regelungen im benachbarten Elsass nötig, eine Verschiebung des Getreideanbaus um ein Jahr vorzunehmen. Völlig daneben liege die Anschuldigung, der BLHV setze auf Gift statt auf Fruchtfolge. Wer so versuche, den Berufsstand in die Negativschlagzeilen zu führen, verspiele die Ernsthaftigkeit seines Gesprächsangebotes an den Berufsstand.
Der BLHV verzichtete mit Blick auf die Nichtbeachtung der NABU-Vorwürfe durch die Medien auf eine öffentliche Klarstellung, mit der dann oft nur Vorurteile genährt statt ausgeräumt werden können.
Unausgewogen
Wie belastbar die Aussage des NABU zur Unterstützung der Landwirtschaft ist, wird aus einer „Zumeldung“ des Verbandes zu einer MLR-Verlautbarung offenkundig. Darin wird die Idee eines Biosphärengebietes im Südschwarzwald in höchsten Tönen gelobt. Das Grünland des Südschwarzwaldes wird sowohl als „großartige Kulisse für Wanderer und Radfahrer“ als auch als „wertvoller Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel“ gepriesen − „und natürlich für Kühe und Rinder, die auf und von den blumenbunten Wiesen und Weiden leben“.
Der BLHV sieht sich in dieser Betrachtung in seiner Kritik bestärkt, dass das von der Landesregierung herausgehobene „magische Dreieck“ von Tourismus, Naturschutz und Landwirtschaft nicht ausgewogen ist, sondern Pflichten für die Bauern und wirtschaftliche Chancen für andere generiert. In dieser Einschätzung sieht sich der BLHV bestärkt durch Presseerklärungen des Landesnaturschutzverbandes (LNV). Darin wird der Eindruck erweckt, als spiegele sich in der kritischen Haltung des BLHV zum Biosphärengebiet nicht die Meinung der betroffenen Landwirte.
Der Verband wird sich durch die polarisierenden Verlautbarungen nicht von seiner Haltung abbringen lassen, die existenziellen Interessen seiner Mitglieder gegenüber den Freizeitinteressen von Kulturlandschaftsnutzern offensiv zu vertreten. Der Verband bleibt ebenso gesprächsbereit gegenüber dem Landesnaturschutzverband als Dachorganisation der vielfältigen Naturschutzverbände.

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