Kommentar: „Krieg der Insekten“

27.10.2017

Es ist schon paradox: Eine Tierklasse, die schon sehr lange vor uns den Planeten besiedelte und der nachgesagt wird, dass sie sogar einen atomaren Weltkrieg überleben würde, steht kurz vor dem Aussterben.

 

Diese Horrorbotschaft war in den vergangenen Wochen in den deutschen Tageszeitungen zu lesen. Unterlegt mit einer Studie, die nachgewiesen haben soll, dass innerhalb von 27 Jahren 75 Prozent der Fluginsekten in Naturschutzgebieten verschwunden sind.

Tatsächlich waren die meisten Zeitungen und Sender bereit, die Endzeitmeldung mit Experteninterviews zu unterfüttern. Darin wurde vage deutlich, dass die Studie nicht so eindeutige Ergebnisse liefert, wie die Titel-Schlagzeile vermuten lässt. Deutlicher wurde zum Beispiel ein unabhängiger Wissenschaftsblog (www.sciencefiles.org), der in statistischer Beweisführung darlegt, dass die Studie den Rückgang um 75 Prozent nicht belegen kann. Auch kann die Studie nicht auf ganz Deutschland übertragen werden, sondern gilt genau genommen nur für die Orte, an denen regelmäßig untersucht wurde – dem Blog nach sind das 23. Schon gar nicht kann eine Aussage darüber getroffen werden, wer oder was für das Insektensterben verantwortlich gemacht werden kann. Der an dieser Stelle übliche Vorwurf der Skandalisierung trifft leider wieder wie die Faust aufs Auge. Die Akteure hinter der Studie und ihre Antreiber müssen sich der Frage stellen, was denn wäre, wenn sie tatsächlich recht haben? Wäre es dann der richtige Weg, mit halbgaren Untersuchungen die Öffentlichkeit zu verunsichern und die bröckelnde Glaubwürdigkeit der Medien weiter zu untergraben? Natürlich nicht und deshalb müssen im „Krieg der Insekten“ endlich Fakten geschaffen werden.

 

Padraig Elsner

 

 

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