Kommentar: Sojaanbau ist noch kein Selbstläufer

04.08.2017

Mit der neuen Greening-Verordnung wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Bruch im heimischen Sojaanbau geben.

 

 

Wer bisher Soja oder andere Eiweißpflanzen für die Ökologische Vorrangfläche (ÖVF) angebaut hat, wird damit im nächsten Jahr aufhören, wenn der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf ÖVF verboten sein wird.

Die Brüsseler Entscheidung ist kontra heimische Eiweißfuttermittelversorgung und wird die ÖVF nicht ökologischer machen. Man hätte zumindest bis 2020 warten können, so hätte man die eine Neuregelung mit einer von wahrscheinlich vielen anderen auf den Weg bringen können. Damit hätte man in Brüssel ein wenig mehr politisches Geschick bewiesen und wahrscheinlich wäre  Soja bis dahin in Südbaden so stark verankert gewesen, dass Landwirte auch ohne den Greening-Bonus nicht mehr auf die Leguminose verzichten würden.

Obwohl in den vergangenen zwei Jahren vieles in Sachen Sojaanbau angeschoben wurde, ist er noch kein Selbstläufer. Aber das Potenzial dazu bleibt auch ohne Greening bestehen. Die europäischen Entscheidungsträger sind in der Pflicht, eben dieses Potenzial nicht weiter ungenutzt im Sande versickern zu lassen. Schon deshalb nicht, weil die ganze Sache von ihnen angestoßen wurde.

Die Reform der EU-Agrarpolitik würde eine passende Gelegenheit dafür bieten, ein  Greening 2.0 auf den Weg zu bringen, das den Eiweißpflanzenanbau wieder ins Spiel bringt,  ohne wieder den Verdacht des „ökologischen“ Etikettenschwindels hervorzurufen.

Unterdessen sollte man in Stuttgart darüber nachdenken, wie man den Sojatrend zum festen Bestandteil der Heimat macht. Wenn schon Europa seine Verlässlichkeit nicht unter Beweis stellen konnte, dann könnten doch  Hauk und Co in die Bresche springen. Nicht zuletzt, weil man mit regional produziertem Tofu bestimmt auch beim Koalitionspartner punkten kann.

 

Padraig Elsner, BLHV

 

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