BLHV: Bauerneinkommen trotz Verbesserungen Schlusslicht
Die Bauerneinkommen in Baden-Württemberg bilden mit durchschnittlich 22.126 € je Familienarbeitskraft (FAK) oder 1.844 €/Monat erneut das Schlusslicht im Ländervergleich. Im Bundesdurchschnitt erzielten die Landwirte im Wirtschaftsjahr 2010/11 Ergebnisse von 30.200 €/(FAK) oder 2.517 €/Monat. Aus diesem Einkommen müssen Beiträge zur Unfall-, Renten- und Krankenversicherung in Höhe von monatlich 500 € sowie betriebserhaltende Nettoinvestitionen getätigt werden. Die Einkommen baden-württembergischer Landwirte lagen um 42 Prozent hinter dem Vergleichslohn von 3.200 € pro Monat. Darauf verwies der Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV), Werner Räpple, am 16. Dezember vor der Presse in Staufen.
Für das laufende Wirtschaftsjahr, so Räpple, erwarte der BLHV einen neuerlichen Einkommensrückgang durch eine etwas geringere Ernte, einen leichten Preisrückgang und weiter gestiegene Kosten.
Nach massivem Einbruch im vergangenen Jahr konnten die Ackerbauern nach Angaben des BLHV-Präsidenten 2010/11 wieder zulegen. Deren Einkommen erreichten wieder das Niveau von 2008/09. Entscheidend dafür war ein Wiederanstieg der Marktpreise für Getreide von einem historischen Tief von knapp über 12 €/dt auf 19,8 €/dt in der Folge einer weltweit geringeren Ertragslage. Räpple verwies darauf, dass die Einkommensergebnisse der Ackerbauern in Höhe von durchschnittlich 25.427 €/FAK (Vj. 17.078 €) oder 2.119 €/FAK und Monat Direktzahlungen der EU in Höhe von rund 300 €/ha beinhalten. Auf die rund 35.600 € Unternehmensgewinn in den Ackerbaubetrieben entfielen mehr als 19.000 € EU Betriebsprämie. Das waren mehr als die Hälfte des Unternehmensgewinns. Im Vorjahr trugen die EU-Prämien zu 67 Prozent der Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe in Baden-Württemberg bei.
Laut Buchführungsergebnissen stiegen die Einkommen der Milchviehhalter von 16.304 €/FAK auf 26.849 €/FAK. Nach dem Absturz der Milchpreise in den vergangenen beiden Wirtschaftsjahren haben sich die Erzeugerpreise im abgelaufenen Wirtschaftsjahr wieder erholt. Für das noch laufende Wirtschaftsjahr rechnet der BLHV-Präsident trotz eines anhaltend guten Exportgeschäfts mit Milcherzeugnissen bei steigenden Futterkosten mit einem leichten Rückgang der Einkommen der heimischen Milcherzeuger. Mitentscheidend dafür ist der Wegfall der politischen Stützungsmaßnahmen wie des Grünlandmilchprogramms. Für viele Milchviehbetriebe in Grünlandregionen seien Zusatzeinkommen aus der Forstwirtschaft, dem Agrartourismus, der Brennerei oder der Bioenergieerzeugung unverzichtbar.
Nach Darstellung des BLHV-Präsidenten konnten die Obstbauern ihre Einkommen im Wirtschaftsjahr 2010/11 auf 25.513 €/FAK verbessern. Im Vorjahr lagen deren Einkommen bei 20.055 €/FAK. Angesichts einer schwachen Ertragslage im Weinbau sanken die Einkommen der Winzer von 19.129 €/FAK im Vorjahr auf 7.403 €/FAK im Wirtschaftsjahr 2010/11. Die in zahlreichen südbadischen Betrieben übliche Kombination von Wein- und Obstbau habe sich im Einkommen stabilisierend ausgewirkt, so Räpple.
Einkommensminderungen von 10.639 €/FAK auf 10.230 €/FAK erzielten nach Angaben des BLHV-Präsidenten Futterbaubetriebe mit Fleischrinderhaltung. Gemischtbetriebe mit Ackerbau und Tierhaltung sowie häufig auch mit Sonderkulturen konnten ihre Einkommen von 15.728 €/FAK auf 21.026 €/FAK oder 1.752 €/Monat verbessern.
Veredelungsbetriebe mit Schweinehaltung, so Räpple, erfuhren nun schon im dritten Jahr in Folge eine Einkommensminderung. Im Durchschnitt lagen die Ergebnisse bei 19.872 €/FAK (Vj. 25.468 €). Für Ferkelzuchtbetriebe verschlimmerte sich die Lage dramatisch. Sie schrieben bei Ferkelpreisen von 30 € rote Zahlen. Die Einkommensentwicklung bei den Veredelungsbetrieben hat sich im laufenden Wirtschaftsjahr nur leicht verbessert. Besondere Sorge bereitet nach wie vor die wirtschaftliche Lage der Ferkelerzeuger.
Der BLHV-Präsident verwies darauf, dass dem Situationsbericht die Buchführungsergebnisse von 2.840 nach repräsentativen Gesichtspunkten ausgewählten Haupterwerbsbetrieben in Baden-Württemberg zugrunde liegen. Als Haupterwerbsbetriebe gelten Unternehmen mit einem landwirtschaftlichen Erwerbsanteil von mehr als 50 Prozent. Nach der amtlichen Statistik, so Räpple, bewirtschaften derzeit rund 45.000 Betriebe in Baden-Württemberg mehr als 5 ha landwirtschaftliche Fläche. Die durchschnittliche Betriebsgröße liege bei 32 ha gegenüber 56 ha im Bundesdurchschnitt. 38 Prozent der Betriebe werden im Haupterwerb bewirtschaftet. Der Rückgang der Zahl der Betriebe liege unvermindert bei rund 3,5 Prozent.
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