Kommentar: Nicht auf den Mund gefallen

17.07.2017

Zugegeben: Wir, die Organisatoren von „Frag Deinen Landwirt“, waren am Tag vor der Veranstaltung ein wenig nervös. Setzen wir Junglandwirte mitten in den Sturm der Entrüstung radikal-ökologischer Wutbürger? Bleiben die, die in den sozialen Netzwerken pöbeln wie alkoholisierte Trolle, lieber zuhause und schauen sich die Wiederholung von „Bauer sucht Frau“ an oder „posten“ sie ihre Meinungen auch in der realen Welt?

Als man dann gemeinsam von der Dachterrasse des Hauses der Bauern den Sonnenuntergang betrachtete, waren alle erleichtert.  Nicht nur, weil der Abendwind für ein wenig Abkühlung sorgte. Auch, weil die Facebook-Trolle tatsächlich zuhause geblieben waren und insbesondere, weil es einfach ein toller Abend war.

Es war nicht verkehrt, dass die Landwirte mit den Füßen auf Holz von Schwarzwaldbauern standen –  das Haus der Bauern besteht zu 90 Prozent daraus. Man spürt  dann den Heimvorteil, die eigene Stärke als Erzeuger von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen und vor allem das Hausrecht.

Natürlich gab es pauschale, ungerechtfertigte Anschuldigungen. Aber unsere Landwirte sind nicht, wie es einige private Fernsehsender gerne darstellen, auf den Mund gefallen. Sie verstehen ihr Handwerk und können ihr Handeln sachlich erklären.

Zudem brachten die Fragenden ein grundlegendes Verständnis mit. So ist den meisten schon bewusst, dass Landwirte ihre Produktion auch nach den Anforderungen von Märkten und Handelsriesen richten müssen. Schnell wurde aus pauschalen Missverständnissen individuelle Aufklärung.

Aber die Leistung der Junglandwirte sollte nicht in der Summe der beantworteten Fragen gemessen werden. Sie haben den Mut aufgebracht, sich den Fragen zu stellen, und haben sich dazu entschieden, den ersten Schritt in Richtung Dialog mit der Öffentlichkeit zu wagen.

Vielleicht ist noch gar nicht allen bewusst, dass die Landjugend dabei einen  Dominostein  angestoßen hat. Daraus könnte sich eine Bewegung entwickeln, die das Image der Landwirtschaft tatsächlich in ein neues Licht rücken könnte, wenn andere Landwirte ihrem Beispiel folgen.

Nebenher hat die Landjugend  eine Plattform errichtet, auf der sie gemeinsam mit dem BLHV auftreten kann. Das wird der Nachwuchsarbeit des Verbandes nicht schaden.

Padraig Elsner, BLHV

Schlagwörter zu diesem Artikel

Kommentare zu „Kommentar: Nicht auf den Mund gefallen“

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Um Kommentare zu verfassen müssen Sie sich zunächst anmelden oder kostenlos ein Benutzerkonto registrieren.

Geben Sie Ihren BLHV-Benutzernamen ein.
Geben Sie hier das zugehörige Passwort an.