Landwirtschaft nicht spalten

17.02.2017

Die Interessen der Landwirte im BLHV sind regional unterschiedlich. Das zeigte sich erneut bei der Regionalkonferenz des BLHV in Ringsheim am Freitag, 10. Februar. Diskutiert wurde unter anderem über Hofnachfolge, Mindestlohn und die Spaltung zwischen Bio und konventioneller Erzeugung.

Mit insgesamt rund 40 Teilnehmern herrschte an den vier Thementischen zwar kein Gedränge. Umso lebhafter waren jedoch die Diskussionen, die sich daran entwickelten. Für Schwung hatte eingangs der Emmendinger Kreisvorsitzende Stefan Engler gesorgt, der seine Begrüßungsworte mit dem Unmut über die ausbleibenden Betriebsprämien gewürzt hatte. "Es muss etwas geschehen!", betonte er - auch in Bezug auf das neue zusätzliche Formular zur Agrardiesel-Beihilfe. Sodann folgte der Einstieg  in die Themen  "Politische Interessenvertretung", "Kommunikation, Verbandsstrukturen, Dienstleistungen", "Wir und Gesellschaft" und "Naturschutz, Ausgleichsflächen, Flächenverbrauch".

 

Großes Unverständnis herrschte allgemein über die zunehmende Bürokratie. Das Mehr an Arbeitszeit belaste vor allem kleine Betriebe. Man fragte sich, warum festgelegte Flächenmaße stetig nachjustiert werden müssten, und forderte Bagatellgrenzen. Der Verband sei gefordert, bäuerliche  Interessen in die Politik zu bringen, fasste BLHV-Justiziar Michael Nödl die Ergebnisse am Tisch um Präsident Werner Räpple zusammen. Um argumentieren zu können, brauche man jedoch konkrete Beispiele: "Nennen Sie Ross und Reiter!"

Weiter ging es um Fragen rund um die Hofnachfolge und die Verlängerung der 70-Tage-Regel beim Mindestlohn. Abschließend ein ernüchterndes Fazit zu Präventionsvorschlägen anlässlich der skeptisch gesehenen tierischen Zuwanderer: "Wenn der Wolf kommt, geht im Schwarzwald die Tierhaltung."

 

Doppelt im Nachteil

Dass Naturschutz viele Probleme verursacht, stellte BLHV-Referent Hubert God am Beispiel des Integrierten Rheinprogramms und mit Blick auf Straßen- und Siedlungsbau dar.  Wie in anderen Regionalkonferenzen forderten in Ringsheim die Versammelten um Vizepräsident Bernhard Bolkart einen Schutzstatus für Ackerflächen. "Der Bauer wird beim Naturschutz zweimal gezwickt: Er verliert zunächst Land und muss auch noch für Ausgleichsflächen sorgen", so God. Zu beklagen sei zudem eine schlechte Dialogbereitschaft des Staates. Produktionsintegrierte Maßnahmen halte man für geeignet und befürworte die sogenannten Ökopunkte. Sorge bereite jedoch  die Futterqualität, da Wiesen zunehmend mit Giftpflanzen wie dem Jakobskreuzkraut durchsetzt seien.  

 

Die Ergebnisse des Thementisches "Kommunikation, Verbandsstrukturen, Dienstleistungen" unter der Leitung von Vizepräsident Karl Silberer stellte Denise Hesse von der Bezirksgeschäftsstelle Herbolzheim vor. Demnach solle in der BBZ mehr über Erfolge und Leistungen berichtet werden. BLHV-Mitglieder wünschten sich zudem einen besseren Informationsfluss durch Vernetzung, zum Beispiel mittels interner Rundmails. Von den Ortsverbänden erwarte man mehr Nachwuchswerbung und vom Verband eine zügigere Bearbeitung von Steuer- und Versicherungsangelegenheiten.

 

Am Tisch "Wir und Gesellschaft", den Vizepräsident Franz Käppeler leitete,  sei die Diskussion sehr persönlich verlaufen, erklärte Petra Breitenfeldt, BLHV-Geschäftsführerin in Herbolzheim. "Die Presse ist scheinbar gegen die Landwirtschaft", kommentierte sie die oftmals einseitige Berichterstattung. Gegen inkompetente Äußerungen, vor allem im Internet, fühle man sich hilflos. Die konventionelle Landwirtschaft habe gegenüber biologisch wirtschaftenden Betrieben ein negatives Image. Dem gelte es entgegenzuwirken. Nicht zuletzt sollten die unterschiedlichen Probleme vom Wolf in den Höhenlagen über den Pflanzenschutz im Rheintal bis hin zur Kirschessigfliege in Obst- und Weinbau realistisch dargestellt werden.

 

Man setzt auf Dialog

"Die gemeinsamen Interessen in ihrer Unterschiedlichkeit sind spannend und bereichernd", resümierte BLHV-Präsident Werner Räpple. Was die Bauern mehr belaste als ihre Arbeit, seien Bürokratie, Gängelung und der Druck der Gesellschaft. Umso mehr setze man auf den Dialog mit Medien und Verbrauchern. Räpple rief zur Beteiligung an der Mitgliederbefragung  auf: "Die Erhebung dient dazu, aktuelle saisonale, rechtliche und marktwirtschaftliche Infos gezielt an unsere Mitglieder zu streuen."

 

Die nächste Regionalkonferenz findet  am Samstag, 18. Februar, um 10.30 Uhr im Gasthof Kreuz in Bonndorf statt.

 

pl

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