Die Stimmung hat sich aufgehellt

22.12.2017

Von einer besseren Einkommenssituation der Bauern als im Vorjahr konnte BLHV-Präsident Werner Räpple den zahlreichen Journalisten bei der gemeinsamen Weihnachtspressefahrt von BLHV und ForstBW berichten.

Vor den Bilanzzahlen zum vergangenen Wirtschaftsjahr ging es dem BLHV jedoch darum, gemeinsam mit den erneut zahlreich erschienenen Journalisten Fachfragen zu erörtern, die in Berufsstand und Öffentlichkeit Thema sind. So führte der landwirtschaftliche, vom BLHV organisierte, Teil der Pressefahrt  zunächst auf den Thaddäushof nach Kirchzarten. Rainer Bank bewirtschaftet dort einen Bioland-Betrieb mit Milchvieh und Direktvermarktung. Seine rund 30 Kühe befinden sich zwischen Mitte März und Mitte November auf der Weide in unmittelbarer Umgebung des Hofes. Im Winter stehen sie im Anbindestall. Der BLHV konnte dadurch die Gelegenheit nutzen, das mittlerweile  in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch behandelte Thema „Anbindehaltung“ ins rechte Licht zu rücken. Räpple informierte darüber, dass in Baden-Württemberg noch rund 40 Prozent der Milchbetriebe Anbindehaltung betreiben. Abteilungspräsident Dieter Blaeß vom Regierungspräsidium Freiburg ergänzte dies mit konkreten Zahlen: Demnach betreiben im Regierungsbezirk Freiburg noch 500 Betriebe Anbindehaltung. „Wir wollen keine Strukturbrüche“, machte BLHV-Präsident Werner Räpple klar, dass es lange Übergangsfristen und Fördermaßnahmen brauche, bis die Anbindehaltung auslaufen könne. Man könne auch  Betrieben ohne Nachfolge nicht zumuten, viel Geld in einen Laufstall zu investieren, ergänzte er. Der Präsident machte zu dem Thema  auf die gemeinsame Erklärung von BLHV, Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) und Milchwirtschaftlichem Verein Baden-Württemberg  aufmerksam (die BBZ berichtete).

Bekenntnis zur Anbindehaltung

Landwirt Rainer Bank machte den Journalisten klar, dass er hinter der Anbindehaltung seiner Milchkühe im Winter steht. So könne er sich intensiver um jedes Tier kümmern und es gebe keine Verletzungen durch Kämpfe unter den Tieren im Stall. „Nachdem ich abends meinen Kontrollgang im Stall gemacht habe, treffe ich am nächsten Morgen alles noch genauso an“, betonte er. Werner Räpples Fazit: „Man hat gesehen, dass es den Kühen nicht schlecht geht.“ Der Thaddäushof betreibt einen Hofladen und vor diesem steht ein Milchautomat, an dem sich Verbraucher  rund um die Uhr Rohmilch abzapfen können (1 Euro/Liter). Rainer Bank setzt damit nach eigenen Angaben im Durchschnitt rund 150 Liter pro Woche ab. Der gebrauchte Automat aus der Schweiz habe 1800 Euro gekostet.

 

Bessere Zahlen

Bei der anschließenden Pressekonferenz im Kirchzartener Landgasthof Bären stellte BLHV-Präsident Werner Räpple   die jüngste Einkommensentwicklung für die heimischen Bauern vor. „Die Betriebsergebnisse haben sich verbessert – das ist erfreulich“, betonte er. Getragen wurde der Aufwärtstrend vom Tierbereich – im Ackerbau gingen die Einkommen erneut zurück. Laut den von Räpple vorgestellten Zahlen sind im bundesweiten Durchschnitt die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe um 34 Prozent auf 56.833 Euro je Betrieb gestiegen. Baden-Württemberg liege, trotz vergleichbaren Zuwachses, mit 49.860 Euro weit unter dem Durchschnitt. Räpple  machte darauf aufmerksam, dass von diesem Ergebnis der Lohn für die Familienarbeitskräfte, die Sozialabgaben und das Wachstum finanziert werden müssten. „Ich bin froh über das Ergebnis, aber in der Summe ist es nicht die Welt“, relativierte der Präsident gegenüber den Journalisten die erreichten Steigerungsraten. Im Einzelnen konnten laut BLHV die Veredelungsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2016/17 ihr Unternehmensergebnis im Schnitt auf 77.874 Euro steigern. Milchviehbetriebe legten um 30 Prozent auf 55.563 Euro zu. Ackerbauern hingegen mussten ein Minus von neun Prozent hinnehmen und erreichten 33.000 Euro. Gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2012/13 beträgt das Minus bei den Ackerbauern sogar 40 Prozent. Eine positive Entwicklung nahmen 2016/17 auch der Obstbau und der Weinbau. Laut Auswertungen der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der Ländlichen Räume (LEL) erzielte ein Obstbaubetrieb im Schnitt 60000 Euro und ein Weinbaubetrieb 48.000 Euro Gewinn. Räpple machte allerdings darauf aufmerksam, dass die Frostausfälle aus dem Frühjahr 2017 erst im folgenden Wirtschaftsjahr in der Bilanz zum Tragen kommen. Biobetriebe erreichten im vorigen Wirtschaftsjahr im Bundesdurchschnitt 79.000 Euro. Hier blieb das Einkommen weitgehend unverändert. Weitere Themen, die auf der Pressekonferenz zur Sprache kamen, waren die Zukunft der europäischen Agrarpolitik und die südbadische Positionierung hierzu, die Erwartungen das BLHV an eine neue Bundesregierung und das öffentliche Streitthema um Biodiversität und Glyphosat. Räpple machte auf schon erbrachte Umweltleistungen der Bauern aufmerksam und unterstrich die grundsätzliche Bereitschaft, daran weiterzuarbeiten. Bei Glyphosat betonte er, dass Landwirte sich auf Zulassungen nach wissenschaftlichen Kriterien verlassen wollen. „Es kann nicht sein, dass parteipolitisch entschieden wird, ob ein Wirkstoff gut oder schlecht ist“, betonte Räpple.

 

enz

 

Schlagwörter zu diesem Artikel

Kommentare zu „Die Stimmung hat sich aufgehellt“

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Um Kommentare zu verfassen müssen Sie sich zunächst anmelden oder kostenlos ein Benutzerkonto registrieren.

Geben Sie Ihren BLHV-Benutzernamen ein.
Geben Sie hier das zugehörige Passwort an.