„Veränderungsbereitschaft konkretisieren“  

07.07.2017

Der Deutsche Bauerntag 2017  in Berlin stand unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten“. Damit meint Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), nicht nur die Gemeinschaft der Bauern, sondern auch Politik und Gesellschaft, wie er in seiner Grundsatzrede betonte.

 

Rukwied bekannte sich  am Mittwoch voriger Woche bei der Mitgliederversammlung des DBV in seiner Grundsatzrede zu einem Dialog mit Gesellschaft und Politik. „Wir müssen Veränderungsbereitschaft signalisieren und konkretisieren“, betonte er gegenüber den über 600 Delegierten. Allerdings könne es nur um Veränderungen „mit Maß und Ziel“ gehen. Sonst seien der Exodus der Betriebe und die Verlagerung der Produktion ins Ausland die Konsequenzen. Die Bauern hätten allen Grund, selbstbewusst in einen Dialog auf Augenhöhe zu treten, so der DBV-Präsident.

 

Merkel ermuntert zu  Selbstbewusstsein

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nach ihm auf dem Bauerntag sprach, griff diese Thematik ebenfalls auf. Sie   unterstrich die Notwendigkeit eines breiten Dialogs darüber, „wie die Landwirtschaft von morgen  aussehen soll“. Allerdings verwahrte sie sich gegen einseitige Schuldzuweisungen an die Adresse der Bäuerinnen und Bauern. Sie lobte in diesem Sinne das Motto des Deutschen Bauerntages 2017 „Gemeinsam Zukunft gestalten“. Das Bekenntnis der Bundeskanzlerin zu einer modernen Landwirtschaft, die selbstbewusst auf erreichte Fortschritte verweisen kann, ließ Beifall im Saal aufbranden. Ebenso ihre Feststellung, dass Landwirte dringend von Bürokratie entlastet werden müssten. DBV-Präsident Joachim Rukwied nannte beispielhaft das Thema Gülleausbringung, um den Delegierten zu verdeutlichen, was er darunter versteht, gegenüber Politik und Gesellschaft „Veränderungsbereitschaft zu signalisieren und zu konkretisieren“. So habe er einerseits dafür gekämpft, dass künftig Gülle nicht inerhalb einer Stunde, sondern innerhalb von  vier Stunden eingearbeitet werden müsse. Rukwied: „Eine Stunde ist nicht machbar, da würden wir den Boden massakrieren.“

 

Der Gesellschaft Angebote machen

„Aber“,  so Rukwied, „wir müssen der Gesellschaft anbieten, innerhalb der nächsten Jahre auf Ausbringung der Gülle in den Boden umzustellen.“ Für diese Umstellung brauche die Landwirtschaft allerdings Fördermittel und ausreichende Übergangsfristen, auch das machte Rukwied bei der Mitgliederversammlung des DBV klar. Auf europäischer Ebene spielt für Rukwied ein stabiles Agrarbudget mit einer gesicherten, direkt einkommenswirksamen Ersten Säule eine zentrale Rolle. Der DBV-Präsident warb in Berlin dafür, die stärkere Förderung der ersten Hektare noch auszuweiten, das heißt die Hektargrenze für die Besserstellung entsprechend der durchschnittlichen Entwicklung der Betriebsgrößen nach oben zu  verschieben.

 

Gegen Kappung und Degression

Rukwied will nach eigenen Angaben so verhindern, dass bei den Direktzahlungen Kappung und Degression angewendet werden. Gegnern einer erweiterten Besserstellung der ersten Hektare – zu finden vor allem in den ostdeutschen Bundesländern –  müsse klar sein, um was es gehe. 

Mit dem Eintreten Rukwieds für eine noch erweiterte Besserstellung der ersten Hektare darf sich der BLHV nachträglich bestätigt fühlen. 2013, im Vorfeld der jüngsten EU-Agrarreform, war der BLHV der einzige Landesbauernverband in Deutschland, der vehement für eine Besserstellung der ersten Hektare eintrat, die dann EU-weit tatsächlich beschlossen wurde.  Auf der damaligen Landesversammlung des BLHV wollte Gastredner Joachim Rukwied die Versammelten noch davon überzeugen, dass eine derartige Forderung nicht zielführend sei.

 

enz

 

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