Wie können Bauern auf den Druck reagieren?

09.02.2018

Bei der diesjährigen Versammlung des BLHV-Kreisverbands Freiburg am 17. Februar in Oberbergen geht es um den Stand der Bauern in der modernen Gesellschaft. Wie können berufsständische Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen der Bauern selbst die Gräben in der Kommunikation zwischen Verbrauchern und der Landwirtschaft schließen? 

Die Verbandsmitglieder des BLHV erwartet neben Rückblick und Neuigkeiten aus der Verbandsarbeit ein Impulsvortrag mit Diskussion und am Nachmittag ein spannend besetztes Podium. Wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit und Verbraucherdialog zunehmend für die Landwirte geworden ist, zeigte sich nicht zuletzt bei den Regionalkonferenzen des Verbandes im vergangenen Winterhalbjahr. Die Landwirtschaft sieht sich von der Gesellschaft an den Pranger gestellt.  „Landwirtschaft unter Druck – Vom umstrittenen Stand der Bauern in einer modernen Gesellschaft“, so lautet der Titel des Vortrags von Dr. Peter Moser aus der Schweiz. Der Leiter des Archivs für Agrargeschichte in Bern weiß als Bauernsohn, wovon er spricht. Er wirft einen Blick auf den Wandel in der Landwirtschaft und ihre Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Dialog. An zentraler Position steht dabei der Handel mit Agrarprodukten, der seit über einem Jahrhundert ein wichtiger Motor für den wirtschaftlichen Aufschwung darstellt. Immer billigere Lebensmittel von überallher auf dem Globus haben zu einer gravierenden Entfremdung vom ursprünglichen Produkt geführt. Bei fertig verarbeiteten Lebensmitteln hat der Verbraucher längst das Gespür für Qualität verloren und auch der Landwirt weiß oft nicht mehr, was wann genau mit seinen Ausgangsprodukten geschieht.  

Doch anstatt diese Irritation ernst zu nehmen, ihren Ursachen nachzugehen und Wissen zu generieren, das ein politisches Handeln erleichtern würde, betreibt die moderne Gesellschaft lieber Sprachkosmetik. Aus der Verarbeitung wurde eine „Veredelung“ gemacht und der Handel wurde zuerst als „frei“ und nun auch noch als „fair“ und „nachhaltig“ deklariert. Auch die Sicht auf die Landschaft, die bei Landwirten und Verbrauchern oft ganz anders ist, spielt im Verbraucherdialog eine wichtige Rolle.

In einem konstruktiven Umgang mit Ignoranz, Vorurteilen auf beiden Seiten und Wunschvorstellungen wird der Referent Überlegungen darlegen, wie auf das negative Image der Landwirtschaft reagiert werden kann und den Verbrauchern ein aufgeklärtes Bild der Landwirtschaft und der Landschaft vermittelt werden kann. Für den Kreisvorsitzenden Friedbert Schill ist es ein Anliegen, bei der Kreisversammlung die Rolle der Bauern in einer modernen Gesellschaft zu diskutieren. Er will sich nicht damit abfinden, wie die Schmuddelkinder der Nation dazustehen. Wie und wann kam es zu dem Bruch zwischen den Bauern, den Begründern und Bewahrern der (Kultur-)Landschaft und dem Rest der Gesellschaft? „Die Wirtschaft brummt und Bedenken des Bauernverbandes wegen eines viel zu hohen Flächenverbrauchs zu Ungunsten einer regionalen Grundversorgung werden einfach weggewischt“, so Schill bei der Vorbereitung zu dieser Versammlung. Wie Landwirte in ihrer Rolle als Erzeuger von Lebensmitteln und Bewirtschafter der Landschaft wahrgenommen werden, will er mit dem Referenten und den Verbandsmitgliedern diskutieren. Sehr viel werde bereits durch Imageaktionen wie den Tag des offenen Hofes, die Direktvermarktung ab Hof und auf Wochenmärkten getan. Dort stehen die Bauern und Landfrauen im ständigen Kontakt mit ihren Kunden und klären auf. Und doch scheinen all diese  Aktivitäten in der öffentlichen Wahrnehmung leider oft vergebliche Liebesmüh. Wo liegen die Fehler in der  Kommunikation? Haben oder bedienen wir uns der richtigen Sprache?  Führt uns die anhaltende Modernisierung (Digitalisierung) der Landwirtschaft nicht geradewegs in die nächste Falle? Spannende Fragen für einen informativen und anregenden Tag.

 

 

 

Veranstaltungsbeginn ist um 9.30 Uhr

Die Versammlung findet am Samstag, dem 17. Februar, im Genussatelier der Winzergenossenschaft Oberbergen statt. Beginn ist um 9.30 Uhr mit der Begrüßung durch den Kreisvorsitzenden Friedbert Schill. Es folgt der Kurzbericht über die Verbandsarbeit durch die Bezirksgeschäftsführerin Silke Grünewald. BLHV-Präsident Werner Räpple wird im Anschluss den langjährigen Bezirksgeschäftsführer Elmar Kasper für seine Verdienste um den Verband ehren. Um 11 Uhr hält Dr. Peter Moser sein Impulsreferat „Bauern am Pranger? Überlegungen zu einem konstruktiven Umgang mit Ignoranz, Vorurteilen und Wunschvorstellungen“. Nach der Mittagspause diskutieren um 13 Uhr bei einer Podiumsdiskussion  der Referent Dr. Peter Moser, BLHV-Präsident Werner Räpple, Dieter Hieber von „Hieber’s Frische Center“ und ein Journalist. Die Veranstaltung klingt mit Kaffee und Kuchen von den Landfrauen Oberbergen aus.

 

ses

 

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