Kommentar: Es droht etwas zu zerbrechen

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Kommentar: Es droht etwas zu zerbrechen

| Politik

Die „Urgewalt“, mit der die sogenannte „Traktorwalze“ am vergangenen Dienstag 17 deutsche Städte traf, wird wohl kein Städter oder Landwirt so schnell vergessen.

Den Städtern muss es wie eine friedliche Invasion vorgekommen sein, zunächst beeindruckend, aber dann nervend, weil der Verkehr zum Erliegen kam. Zumindest hatte man, während man im Stau stand, Zeit, den Nachrichtenberichten über die Demo zu lauschen. Deren Zusammenfassung fast immer so klang: Das Fass ist voll, Landwirte wollen keine neuen Auflagen mehr, sonst ist die Existenz der Familienbetriebe gefährdet. Aber wieviel der Städter von dem versteht, ist fraglich. Noch fraglicher ist, wieviel Verständnis er für die Landwirte hat. Die Staus wird man den Landwirten schnell verzeihen, die wiegen im Ganzen nicht schwer. Aber die Botschaften der Demos kommen auch so an: Die Landwirte wehren sich gegen den Grundwasser- und Artenschutz, obwohl es bei beidem endlich Verbesserungen geben muss. Wer die Bauerndemos so versteht, der findet kein Verständnis für die Bauern.Tatsächlich hätten die Landwirte auch für mehr Umweltschutz demonstrieren können, ohne ihre eigenen Anliegen zu verraten. Denn Agrarpaket und Co. bringen schlussendlich keinen Mehrwert für die Umwelt, wenn durch sie die Familienbetriebe aussterben. Dennoch hätte man so nicht auf die Straße gehen können, dafür sitzt der Frust zu tief. Der insbesondere so tief sitzt, weil Landwirte seit Jahren als die Buhmänner der Nation herhalten müssen. So verschärft sich eine Krise, deren Lauf schon vor Jahren begann und am 22. Oktober 2019 ihren ersten Höhepunkt fand. Die Politik muss sich jetzt ranhalten, um noch einen einigermaßen akzeptablen Ausweg zu finden. Denn dieser Dienstag hat gezeigt, dass es Umweltschutz gegen die Landwirte nicht geben wird.

Padraig Elsner