Land hält Messstellen nicht für durch Flughafen Lahr beeinflusst

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Land hält Messstellen nicht für durch Flughafen Lahr beeinflusst

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Bei der bevorstehenden Abgrenzung von Nitratgebieten sieht das Land keine belastbaren Hinweise auf aktuelle Nitratbelastungen durch Flugplätze. Dies bekräftigt Umweltminister Franz Untersteller auf eine Landtagsanfrage des Abgeordneten Karl Rombach (CDU).

Auf die Frage, inwieweit in der Vergangenheit Harnstoff zur Enteisung von Flugzeugen und Landebahnen auf den Flugplätzen Baden-Württembergs eingesetzt wurde, konnte der Minister keine Auflistung der eingesetzten Menge Harnstoff pro Flughafen vorlegen, da die Daten bei den derzeitigen Flughafenbetreibern nicht vorlägen.

Harnstoffeinsatz in Lahr und Söllingen belegt
Für die Flugplätze in Südbaden führt er aus, dass vom Flughafen Lahr der Einsatz von Harnstoff zur Enteisung belegt sei. Es lägen dem Land aus der Zeit der Nutzung durch die kanadischen Streitkräfte bis 1994 und der anschließenden zivilen Mitnutzung des Flugplatzes  jedoch keine genaueren Informationen vor. Auf der Airbase Söllingen, die bis zum Jahr 1993 von den  kanadischen Streitkräften betrieben wurde, sei ebenfalls Harnstoff für die Enteisung der Flugbetriebsflächen verwendet worden. Für die kleineren Flughäfen im Land lägen keine Informationen vor. Der Fliegerhorst Bremgarten wird nicht erwähnt. Auf die Frage, seit wann das Niederschlagswasser von Landebahnen einschließlich Schmelzwasser von der Schneeräumung jeweils gefasst und Kläranlagen zugeführt wird, nennt die Landesregierung für Lahr keine Jahreszahl. Das Niederschlagswasser der Landebahn des Flughafens Lahr werde gefasst und über perforierte Rohre ins Oberflächengewässer geleitet. Daneben werde von Flugzeugen abtropfendes Enteisungsmittel mittels Kehrmaschinen direkt aufgenommen.

Erhöhte Werte nur in Lahr 
Auf dem Flughafen Baden-Airpark (ehemals Airbase Söllingen) werde seit dem Jahr 2009 das mit Enteisungsmittel belastete Oberflächenwasser der eigenen Kläranlage zugeleitet. Auch im Sommer werde das Niederschlagswasser gedrosselt der Kläranlage zugeleitet. Wenn die parallel zur Start- und Landebahn verlegten Kanäle gefüllt sind, werde der darüber hinaus anfallende Regenabfluss in Versickerungsmulden geleitet, die ebenfalls parallel zur Landebahn angeordnet sind. Die für die Landwirtschaft wichtige Frage, welchen Zusammenhang die Landesregierung zwischen aktueller Nitratbelastung im Grundwasserabstrombereich von Flughäfen und dem historischen Einsatz von Harnstoffen zur Enteisung von Flugzeugen und Landebahnen sieht, beantwortet der Minister mit dem Hinweis, dass mit Ausnahme des Flughafens Lahr in Baden-Württemberg im Grundwasserabstrombereich von Flughäfen keine erhöhten Nitratgehalte vorliegen. Für eine relevante systematische Beeinflussung der Nitratgehalte im Grundwasserabstrom von Flughäfen durch den historischen Einsatz von Harnstoffen zur Enteisung von Flugzeugen und Landebahnen lägen daher keine hinreichenden Belege vor. Umfangreich fällt die Antwort aus zur Frage, wie sich die Landesregierung die hohen Nitratwerte an den beiden landwirtschaftlichen EU-Messstellen im Grundwasserabstrombereich des Flughafens Lahr erklärt. Die beiden landwirtschaftlichen EU-Messstellen lägen im Grundwasserkörper 16.5 Ortenau-Ried. Dieses Gebiet sei in der aktuellen Bewertung nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie einer von landesweit elf Grundwasserkörpern, die in der Nitratbelastung in einem schlechten Zustand sind. Auf 94 Prozent der Landesfläche werde dagegen der Zustand aktuell als gut eingestuft. Die beiden EU-Messstellen „Meißenheim-Kürzell“ mit einem Nitratgehalt von circa 63 mg/l NO3 und „Neuried-Dundenheim“ mit circa 90 mg/l NO3 im Jahr 2018 lägen etwa drei Kilometer beziehungsweise acht Kilometer nördlich des Flughafens in der vorherrschenden Grundwasserabstromrichtung. Im fraglichen Gebiet auf den Gemeindeflächen von Neuried und den östlichen Flächen von Meißenheim würden bereits über Jahrzehnte Nitratgehalte über 50 mg/l, vereinzelt auch über 100 mg/l gemessen. Der hohe Anteil an Ackerflächen in Verbindung mit ungünstigen Standorteigenschaften – insbesondere der geringen Grundwasserneubildung – ließen in der Rheinebene hohe Nitratgehalte im Grundwasser erwarten. An beiden Messstellen lägen auch keine reduzierenden sauerstoffarmen Grundwasserverhältnisse vor, die zu einem Nitratabbau führen würden. Aktualisierten Modellierungsergebnissen zufolge lagen die Nitratkonzentrationen im Sickerwasser für das Jahr 1980 unter den landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen in dem betroffenen Gebiet bei deutlich über 100 mg/l. Für das zuletzt betrachtete Jahr 2009 sind diese deutlich zurückgegangen, liegen aber immer noch über 50 mg/l.

Keine signifikanten Belastungen 
Verschiedene Grundwasseruntersuchungskampagnen auf dem Flughafengelände Lahr in der Vergangenheit hätten keine signifikante Belastung mit Nitrat im näheren Umfeld der Start- und Landebahn ergeben. So hätten beispielsweise Mitte der 1980er-Jahre die Nitratgehalte auf dem Flughafengelände an sechs Messstellen unter 0,5 mg/l gelegen, die unmittelbar nördlich des Flughafens an elf Messstellen gemessenen Nitratwerte zwischen 0,1 und 20 mg/l. Die Harnstoffwerte an allen Messstellen hätten zwischen 0,1 und 14 mg/l gelegen. Das Flughafengelände und dessen Umfeld bis zu drei Kilometer nördlich lägen in einem Bereich mit reduzierenden sauerstoffarmen Grundwasserverhältnissen, unter denen Nitrat von Bakterien veratmet und abgebaut werde. Sofern Nitrat durch die Enteisungsmaßnahmen ins Grundwasser gelangt sei, könne davon ausgegangen werden, dass dieses durch natürliche Vorgänge im Abstrom weitgehend abgebaut worden sei. Einige Messstellen mit Werten über 50 mg/l Nitrat lägen außerhalb des Grundwasserabstroms des Flughafens, sodass kein Zusammenhang mit Nitratauswaschungen aus dem Flugplatz bestehen könne.

Keine belastbaren Hinweise 
Unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte erscheine eine maßgebliche Beeinflussung der derzeitigen Nitratgehalte der EU-Messstellen durch Austräge aus dem Flughafen als nicht plausibel. Vielmehr könnten die Nitratgehalte im Grundwasser durch die N-Bilanzüberschüsse aus der landwirtschaftlichen Nutzung hinreichend plausibel erklärt werden. Für die Flughäfen in Baden-Württemberg gebe es keine belastbaren Hinweise für eine maßgebliche Beeinflussung der aktuellen Nitratbelastung des Grundwassers durch den überwiegend seit Jahrzehnten nicht mehr praktizierten Harnstoffeinsatz für Enteisungsmaßnahmen. Eine systematische Erfassung der Verursacherbeiträge hält das Umweltministerium  angesichts der nur unvollständig recherchierbaren Einsatzmengen für wenig erfolgsversprechend und in ihrer Notwendigkeit nicht ausreichend begründet. Da es für Baden-Württemberg keine belastbaren Hinweise für aktuelle Nitratbelastungen des Grundwassers durch Flugplätze gebe, sei dies auch kein Aspekt für die Abgrenzung von Nitratgebieten nach der geplanten Verwaltungsvorschrift des Bundes. Auf eine bundesweite Abfrage hätten sich acht Bundesländer geäußert. Alle teilen die Einschätzung von Baden-Württemberg, so das Umweltministerium.

 

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Rombach: Gutachten nötig 
Der  Landtagsabgordnete Karl Rombach (CDU) zum Thema Flugzeugenteisung mit Harnstoff: „In der Vergangenheit wurde in vielen Fällen große Mengen Harnstoff zur Enteisung von Flugzeugen und Landebahnen verwendet. Welchen Einfluss das auf gegenwärtige Nitratbelastungen im Grundwasser hat, muss weiter aufgeklärt werden. In konkreten Fällen wie zum Beispiel beim früheren Militärflughafen Lahr halte ich ein Grundwassergutachten für notwendig."

Woher kommt das Nitrat im Bereich von Flughäfen? Das Stuttgarter Umweltministerium sieht keine belastbaren Hinweise auf Harnstoff von Enteisungsanlagen.

Den Harnstoffeinsatz zur Flugzeugenteisung auf dem ehemaligen Militärstützpunkt Lahr stellt das Umweltministerium nicht in Abrede.