Ein weites Themenfeld beackert

09.03.2018

2017 war für die meisten Betriebe in Südbaden ein Jahr, in dem sie sich wirtschaftlich etwas erholen konnten. Der BLHV als ihre Standesorganisation war 2017 wieder reichhaltig und anspruchsvoll gefordert. Hauptgeschäftsführer Benjamin Fiebig erinnert nachfolgend an  Marksteine 2017 für den Verband.

Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 haben sich die Unternehmensergebnisse unserer Betriebe teilweise etwas erholt. Dies galt insbesondere für Milchvieh- und Veredelungsbetriebe, während Ackerbaubetriebe eher stagnierten. Das Gewinnniveau vorangegangener Wirtschaftsjahre wurde deutlich verfehlt. Der Ausblick auf das aktuelle Wirtschaftsjahr 2017/18 lässt noch auf wirtschaftliche Erholung hoffen, obschon die Rahmenbedingungen schwierig bleiben.

Verbandsarbeit 2017

In der Diskussion mit den verantwortlichen Politikern in Bund und Land sowie der Europäischen Union hat sich der BLHV vielfältig für die Korrektur und Verbesserung der Rahmenbedingungen eingesetzt.

 

EDV-Probleme des Landes

Die EDV-Probleme des Landes Baden-Württemberg bei der Antragstellung und Auszahlung der Direktzahlungen, die weit in das Frühjahr 2017 hineinreichten, trafen insbesondere die Betriebe, die sich aufgrund der schlechten Marktlage ohnehin in existenzieller Bedrängnis befunden haben. Betroffene nutzten deshalb die BLHV-Landesversammlung am 3. März in Bonndorf,  um ihren Nöten Luft zu machen. Wie von Minister Hauk zugesagt, verlief das gesamte Verfahren deutlich besser und scheint aktuell auf gutem Weg zu sein.

 

Verheerende Frostschäden

Um den 20. April richteten niedrige Temperaturen verheerende Frostschäden vor allem im Obst- und Weinbau an. Der BLHV hat vom Staat Hilfen zur Milderung von Existenznotständen gefordert. Das Land hat schließlich ein Programm „Frosthilfe 2017“ aufgelegt; die Gelder konnten bis Ende Oktober beantragt werden. Das Land beziffert den Netto-Schaden auf 120 Millionen Euro und stellt knapp 50 Millionen Euro für die Frosthilfe zur Verfügung. Klimatische Veränderungen rücken das Thema Risikomanagement in den Fokus.

 

Mitgliederbefragung

Die im Frühjahr 2017 vom BLHV gestartete Mitgliederbefragung ist  gut angenommen worden. Rund 2500 ausgefüllte Fragebögen sind bei der BLHV-Hauptgeschäftsstelle in Freiburg eingegangen. Mit der Mitgliederbefragung sollten die Mitgliederdaten aktualisiert werden. Im Fokus stand zugleich die Bewertung der Dienstleistungen und der politischen Arbeit des Verbandes. Die Auswertung zeigt, dass sich ein Großteil der Mitglieder vom Verband politisch gut vertreten fühlt. Insbesondere das Dienstleistungsangebot wird hoch geschätzt. Überwiegend bekamen die verschiedenen Beratungsangebote des Verbandes gute bis sehr gute Noten. Viele Mitglieder forderten in ihren Fragebögen, dass der Bürokratieabbau noch intensiver vom Verband verfolgt werden müsse und dass er stärker gegen den Verbrauch von landwirtschaftlicher Nutzfläche vorgehen sollte. Gelobt wurde insbesondere die Arbeit der Kreisvorsitzenden und der Vorstandsmitglieder, die sich an vorderster Front für die Belange der Landwirtschaft einsetzten. Nahezu alle Befragten gaben an, dass mit der politischen Arbeit des BLHV grundsätzlich auch ihre Interessen vertreten werden.

 

Bundesweite Sozialwahlen

Im Frühjahr 2017 wurden erstmals bundesweite Sozialwahlen in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung durchgeführt.  Alle in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung versicherten  Betriebsinhaber wurden von der SVLFG angeschrieben und konnten per Briefwahl einer der elf Bewerberlisten ihre Stimme geben. Bundesweit haben 217000 Wahlberechtigte einen Wahlausweis angefordert. Insgesamt wurden dann bundesweit 146000 Stimmen per Briefwahl abgegeben. Der BLHV hatte für die Wahl zusammen mit dem Bauernverband in Württemberg und Nordbaden (LBV) eine gemeinsame Liste für Baden-Württemberg aufgestellt und beworben. Diese „Liste 4 − Bäuerinnen und Bauern in Baden-Württemberg“ erhielt 14999 (= 12,7 Prozent) der Stimmen und durfte somit drei Vertreter nach Kassel entsenden. Damit wurde der 1. Vizepräsident des BLHV, Franz Käppeler aus Stockach, zum Mitglied der neuen Vertreterversammlung gewählt und Rosa Karcher, Präsidentin des Landfrauenverbandes Südbaden, gewann das Amt eines stellvertretenden Mitglieds.

 

Aktionstag „Grillen“

Am 26. April 2017 nahm der BLHV am bundesweiten Aktionstag „Grillen“ teil. Selbst kritische Fragen zur Tierhaltung konnten beim Genuss einer „langen Roten“ im Verbraucherdialog diskutiert werden. Ziel der Aktion war es, Verbraucher als Verbündete gegenüber dem Druck des Handels zu gewinnen. Der BLHV verabschiedete im Nachgang ein Positionspapier zur Tierhaltung, dessen Kernaussagen in der Broschüre Berufsständische Arbeit 2017/ 18 zu finden sind.

 

Anbindehaltung

Um sich gegen Alleingänge des Handels zu positionieren, hat sich der BLHV 2017 intensiv mit der Anbindehaltung auseinandergesetzt und zusammen mit dem LBV und dem Bayerischen Bauernverband (BBV) eine süddeutsche Erklärung verfasst, hinter die sich auch die Ministerien gestellt haben.

 

Maiswurzelbohrer

Der Maiswurzelbohrer meldete sich 2017 massiv zurück. Auf Gemarkungen, in denen die Maiswurzelbohrer-Fangzahlen erheblich angestiegen sind, entschied sich das Land, die Fruchtfolge per Allgemeinverfügung vorzugeben. Der BLHV hatte sich dafür eingesetzt, das Basisjahr von 2017 auf 2018 zu verschieben. Zudem hält er eine Fruchtfolgeregelung für fachlich vertretbar, die in vier Jahren dreimal Mais zulässt. Die vom Land vorgenommene Risikoabwägung vermochte dem allerdings nicht zu folgen.

 

FFH

Weitere Dauerbrennpunkte fanden sich beim Thema FFH. Weitere Kartierungen (Auswärtsflächen) sowie die angekündigte Sammelverordnung lösten großen Unmut und erheblichen Diskussionsbedarf aus. Auf Betreiben des BLHV und des Regierungspräsidiums Freiburg konnten inzwischen „Dialog-Cluster Landwirtschaft und Umwelt“ eingerichtet werden, die sich im Vorfeld regionaler Themen annehmen, um diese lösungsorientiert aufzuarbeiten, bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden.

 

Radiokampagne

Mit der Radiokampagne „Heimische Landwirtschaft“ wurden 2017 erneut Werbespots für die Landwirtschaft in unserer Region gestartet. Ziel der Kampagne ist, bei Verbrauchern  um mehr Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte und für heimische Lebensmittel zu werben. Die Aufgaben der Landwirtschaft sollen auf diese Art transparent und verständlich dargestellt und die Leistungen der Landwirte für die Gesellschaft sichtbar gemacht werden.

 

Bildung: neuer Zuschnitt

Das Bildungsreferat im BLHV hat seit Mitte des Jahres einen neuen Zuschnitt bekommen und bündelt nun die Angebote von den Junglandwirten und Jungwinzern über aktive Landwirte bis hin zu den Landsenioren.

 

Jungunternehmertag

Um den BLHV für die junge Generation attraktiver zu machen, wurde 2017 der Jungunternehmertag ins Leben gerufen, der sich großer Beliebtheit erfreute und bereits 2018 wiederholt wurde.

 

Nachwuchswerbung

BLHV, Bund Badischer Landjugend und das Regierungspräsidium Freiburg haben zudem eine Neukonzeption der Nachwuchswerbung für den Berufsstand beschlossen. Da die Resonanz auf das Angebot bei Bildungsmessen oft gering war und auch nur wenige Messen bedient werden konnten, sollen nun Ausbildungsbotschafter und -botschafterinnen für alle Schultypen gesucht und geschult werden, die in Schulklassen über Landwirtschaft, Wein- und Obstbau informieren.

 

YouTube-Kanal

Erste „Feldversuche“ werden bei YouTube mit „Mein BLHV-TV“ gemacht. Mit kurzen Videos berichten Referenten künftig über Bildungstermine, Neuigkeiten aus der Bildungs- und Agrarpolitik sowie über Presseanfragen und Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes. Das neue Format soll die Berichterstattung in der Badischen Bauern Zeitung ergänzen und insbesondere junge BLHV-Mitglieder ansprechen.

 

Erntegespräch

Das Erntegespräch mit Pressevertretern im Haus der Bauern fand auch 2017 eine gelungene Fortsetzung. Es bot Gelegenheit für die Aufarbeitung der schwierigen Marktsituation in den Medien, insbesondere aber auch für die Verteidigung des Pflanzenschutzes.

 

Bundestagswahl

Für die Sondierungsgespräche nach der Bundestagswahl und die sich vor bekanntem Hintergrund erst 2018 anschließenden Koalitionsverhandlungen positionierte sich der BLHV mehrfach und hob insbesondere die auf südbadische Verhältnisse bezogenen Themen heraus.

 

Regionalkonferenzen

Weitere Wegmarken waren die sieben Regionalkonferenzen, die erst vor kurzem abgeschlossen wurden.

 

Erntedankgottesdienst

Der Erntedankgottesdienst konnte am 8. Oktober 2017 zusammen mit der Erzdiözese Freiburg auf dem Dielenhof der Familie Brendle in Engen gefeiert werden.

 

Weihnachtspressefahrt

Die traditionelle Weihnachtspressefahrt mit ForstBW schloss die verbandlichen Aktivitäten mit dem Schwerpunkt Anbindehaltung ab. Hierbei kam insbesondere gut an, dass sich der BLHV offensiv des in gesellschaftspolitischer Hinsicht kritischen Themas annahm.

 

 

Verwaltung

Die Zahl der Mitglieder lag zum 31. Dezember 2017 bei 16161. Zugänge 389; Abgänge 712. Sie ist damit gegenüber dem Vorjahr um 1,96 Prozent  gesunken. Die Entwicklung der verschiedenen Sparten des Verbandes und seiner Töchter verlief positiv. Für alle Beteiligten war allerdings der Serverbrand vom 21. März 2017 eine einschneidende Erfahrung, die eine grundlegende Neuausrichtung der IT-Struktur des Verbandes erforderlich macht, die wir baldmöglichst abschließen wollen. Zum 31. Dezember 2017 waren für den BLHV in der Zentrale und seinen sieben Bezirken rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Auch wenn Aufgaben und Kosten wachsen, Einsparungen nur schwer möglich sind, erwartet der BLHV, das Geschäftsjahr 2017 mit einem positiven Ergebnis abschließen zu können.

 

Allen Mitgliedern des Verbands, den Vertretern auf Orts- und Kreisebene, dem gesamten Vorstand auf Verbandsebene sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern  möchte ich persönlich wie für den BLHV für ihren täglichen Einsatz herzlich danken. Ebenso den Verantwortlichen in der Politik, in den Verwaltungen und in der Gesellschaft, die sich für die Belange der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt haben. Den Kirchen, den Aktiven in der verbandlichen Öffentlichkeitsarbeit, den Familien, die ihre Höfe für Kindergärten, Schulen und für Journalisten öffneten, den Landfrauen und der Landjugend für das überragende Engagement für die Verankerung der Landwirtschaft als Schlüsselbranche in der Gesellschaft.

 

Benjamin Fiebig,

Hauptgeschäftsführer BLHV

 

 

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