Kommentar: „Ein Tresor voll Heu“

weiter

Kommentar: „Ein Tresor voll Heu“

| Politik

In den vergangenen Wochen berichteten die Medien über eine Art „Goldgräberstimmung“ in der Landwirtschaft. Hintergrund ist die Mangelware Heu, die nach der Trockenheit nun Gold wert ist.

Um meinen Blutdruck zu schonen, habe ich keinen der Artikel in Gänze gelesen, aber schon die Titel regten meine Fantasie an. Ich stellte mir Banken vor, die Heuballen anstelle von Goldbarren hinter meterdicken Stahltüren horten, oder exzentrische Milliardäre, die ihr Abbild nicht in Edelmetall gießen, sondern Heubüsten binden lassen. Leider landet die Fantasie früher oder später auf dem harten Boden der Realität. Denn kaum ein Landwirt hat sich mit der Trockenheit eine goldene Nase verdient, für die meisten war sie ein finanzielles Desaster und viele Rinder führte sie auf schnellerem Weg zum Schlachthof, als es eigentlich geplant war. Insbesondere Letzteres hätte mehr Menschen zum Grübeln bringen sollen. Denn der Sommer 2018 hat uns allen vor Augen geführt, was passiert, wenn Futter knapp wird und es keinen internationalen Markt gibt, auf dem wir Ersatz nachbestellen können. Darum können wir doch von Glück sprechen, dass nur das Heu knapp war. Aber zum Glück sorgen wir in Europa schon seit Jahrzehnten vor und fördern eine Landwirtschaft, die uns auch in Krisenzeiten mit Lebensmitteln versorgen kann. Diese „Hungervorsorge“ kostet jeden EU-Bürger nur 114 Euro im Jahr und weil aus Hunger schnell ein Krieg entstehen kann, sichern wir mit 114 Euro auch unseren Frieden. Das ist unsere Agrarpolitik, die keine eierlegende Wollmilchsau sein kann und nachgebessert werden sollte, aber im Grundsatz bestehen bleiben muss. Aber wer die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) pauschal als „gigantisches Artenvernichtungsprogramm“ abserviert, hat leider nur Insekten im Kopf und liefert keinen nützlichen Beitrag zur Reform.