Getreide und Raps liefern zum Teil ordentliche Ergebnisse, die anhaltende Trockenheit entwickelt sich jedoch für Grünland, Mais und Teile des Obstbaus zu einer ernsthaften Krise. Während die Niederschläge im Winter und Frühjahr bei den früh geernteten Kulturen noch für stabile Erträge sorgten, führen Hitze und Wassermangel inzwischen zu erheblichen Ertragseinbußen, Futterknappheit und zunehmenden Liquiditätsproblemen auf vielen Betrieben. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) zieht deshalb eine differenzierte Bilanz der Ernte 2026.
Getreide: Befriedigender Ertrag
Die Getreide- und Rapsernte ist in Südbaden seit Ende Juli und damit sehr frühzeitig abgeschlossen. Das Getreide konnte die ergiebigen Niederschläge im Winter und Frühjahr für die Ertragsbildung gut nutzen. Beim Einsetzen der ersten Hitzeperiode war die Ertragsbildung in den Niederungen weitgehend abgeschlossen und die hohen Temperaturen haben eine zügige Abreife bewirkt. Die Gerste liegt mit Erträgen zwischen 5 und 8 Tonnen je Hektar in etwa im langjährigen Mittel. Die Hektolitergewichte sind in Ordnung. Beim Weizen melden viele Betriebe Erträge zwischen 7,5 und 8 Tonnen pro Hektar. Spätere Gebiete eher 6,5 bis 7t/ha. Hier war die Ertragsbildung noch nicht abgeschlossen, als die erste Hitzeperiode eingesetzt hat. Die Hektolitergewichte sind meist ordentlich, aber die Proteinwerte teilweise niedrig.
„Die Niederschläge im Frühjahr haben die Grundlage für eine insgesamt solide Getreideernte geschaffen. Die frühe Hitze hat jedoch gezeigt, wie schnell Ertragspotenziale verloren gehen können“, so Bolkart.
Raps mit uneinheitlicher Bilanz
Beim Raps liegen die Erträge zwischen 3 und 4 t/ha. Trotz größerer Anbaufläche im Jahr 2026 wurde weniger geerntet, Hitze und Trockenheit haben ihren Tribut gefordert. Je nach Region blieben die Hektarerträge 10 bis 20% unter den Erwartungen. Insbesondere in den Höhenlagen konnten die gewohnt hohen Hektarerträge nicht erzielt werden. Mit Blick auf die Qualität sind meist sehr trockene Partien, mit guten Ölgehalten zwischen 43 und 46 % zu verzeichnen.
Mais und Soja: große Ertragseinbußen sind vorgezeichnet
Besonders angespannt ist die Lage beim Mais. Die Maisbestände haben sich in Abhängigkeit vom Saatzeitpunkt und der Bodenqualität sehr heterogen entwickelt. Bestände auf Böden mit gutem Wasserhaltevermögen konnten sich trotz der Trockenheit ordentlich entwickeln. Die anhaltende Trockenheit hat jedoch mehrheitlich zu Kümmerwuchs, fehlender Kolbenausbildung und schlechter Befruchtung geführt. Die Trocken-
heit trifft nicht nur die Körnermaisanbauer, sondern auch die Saatmaisvermehrer, die trotz mehrmaliger Beregnung große Ertragseinbußen, vereinzelt auch Totalschäden, erwarten. Viele Maispflanzen sind längst abgestorben. Es werden bereits seit Wochen schlecht entwickelte Körnermaisbestände als Silomais geerntet, wobei auch bei dieser Nutzung eine geringe Futterqualität, beziehungsweise ein geringer Energiegehalt gegeben ist. Die reguläre Körnermaisernte wird voraussichtlich in KW 35 beginnen. Heftige Ertragseinbußen sind vorgezeichnet.
„Die Situation beim Mais ist vielerorts dramatisch. Nicht wenige Betriebe befürchten, ihre Lieferverträge nicht vollständig erfüllen zu können. Teilweise ist sogar fraglich, ob die Erträge die Druschkosten decken werden“, erklärt der BLHV.
Auch bei Soja werden bei anhaltender Trockenheit spürbare Ertragseinbußen erwartet.
Grünland: Futterversorgung unter Druck
Bei der Silagekonservierung brachte der erste Schnitt normale Erträge bei guten Qualitäten, allerdings waren bereits beim zweiten Schnitt erhebliche regionale Unterschiede zu verzeichnen. Der Ertrag beim Heu war meist auch in Ordnung. Nach dem zweiten Schnitt beziehungsweise der Heuernte gab es aufgrund der langanhaltenden Trockenheit praktisch kein Wachstum mehr und es bleibt weiter trocken, was die Lage verschärfen wird. Bereits seit Wochen ist kein Weidegang mehr möglich.Die ohnehin viel zu geringen Wintervorräte werden daher bereits jetzt verfüttert.
„Für viele rinderhaltende Betriebe wird die Futterversorgung zunehmend zu einer Existenzfrage. Es muss in den kommenden Wochen ausreichend regnen, damit im Herbst überhaupt noch nennenswerte Aufwüchse erzielt werden können“, so Bolkart.
Frühkartoffeln
Die Erträge und Qualitäten sind gut bis sehr gut, es gab keine Probleme mit Pilzbefall, keine gravierenden Probleme mit Drahtwurm oder Ähnlichem.
Obst und Gemüse: Gute Ansätze, deutliche Dürrespuren
Im Obstbau zeigt sich die Spannweite der diesjährigen Saison besonders deutlich: Während Erdbeeren, Spargel und Mirabellen zufriedenstellende Ergebnisse lieferten, verursachten Hitze und Trockenheit bei Kirschen, Beerenobst sowie bei Äpfeln und Birnen erhebliche Schäden. Der Spargel brachte eine etwas größere Menge als 2025, es war eine gute Saison. Bei den Erdbeeren waren gute Erträge bei stabiler Qualität zu verzeichnen. Auch bei den Kirschen war eigentlich eine gute Qualität und große Menge gegeben, aber leider sind viele Früchte bei der Hitze verbrannt.
Die Beerenfrüchte haben stärker unter der Hitze und Trockenheit gelitten, Ernteerträge und Qualitäten waren daher uneinheitlich. Bei den Zwetschgen muss die Ertragserwartung trockenheitsbedingt nach unten korrigiert werden. Die Mirabellen bringen aber eine gute durchschnittliche Ernte. Äpfel und Birnen weisen zwar einen guten Fruchtansatz auf, vielerorts fehlt jedoch die notwendige Fruchtgröße. Aufgrund von Trockenheit und Sonnenbrandschäden rechnen die Betriebe derzeit mit Ertragseinbußen von 20 bis 30 Prozent.
Betriebe brauchen jetzt Liquidität und langfristige Vorsorge
„Die diesjährige Ernte zeigt auf dramatische Weise, wie stark die Landwirtschaft von der Witterung abhängt“, betont BLHV-Präsident Bernhard Bolkart. Auf vielen Höfen brechen die Erlöse ein, während die Kosten weiterlaufen. Daraus entstehen Liquiditätsprobleme. Zwar investiert die Landwirtschaft seit Jahren in klimaangepasste Bewirtschaftungsverfahren, Bodenschutz, Humusaufbau und wassersparende Techniken. Doch auch diese Maßnahmen stoßen bei langanhaltenden Extremwetterlagen an ihre Grenzen.
„Die Betriebe brauchen jetzt schnelle und unbürokratische Unterstützung, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden und die nächste Ernte finanzieren zu können“, so Bolkart.
Vor diesem Hintergrund fordert der BLHV kurzfristig:
- Liquiditätshilfen für besonders betroffene Betriebe
- Aufstockung der Düngemittelhilfe auf 180 Mio. Euro
- die Stundung von Steuervorauszahlungen sowie
- Entlastungen bei den Dieselkosten
Gleichzeitig dürfe man die langfristigen Folgen zunehmender Wetterextreme nicht aus dem Blick verlieren. „Trockenperioden wie in diesem Jahr werden keine Ausnahme bleiben. Unsere Betriebe brauchen deshalb endlich wirksame Instrumente zur betrieblichen Risikovorsorge. Die steuerfreie Risikorücklage muss kommen. Gleichzeitig müssen Investitionen in Klimaanpassung und Resilienz stärker unterstützt werden. Wer die regionale Lebensmittelproduktion erhalten will, muss den Betrieben helfen, sich besser auf Wetterextreme einzustellen und in guten Jahren für schlechte Jahre vorzusorgen“, so Bolkart.
Herzliche Grüße aus Freiburg
Ihr Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband e.V.
Getreide und Raps liefern zum Teil ordentliche Ergebnisse, die anhaltende Trockenheit entwickelt sich jedoch für Grünland, Mais und Teile des Obstbaus zu einer ernsthaften Krise. Während die Niederschläge im Winter und Frühjahr bei den früh geernteten Kulturen noch für stabile Erträge sorgten, führen Hitze und Wassermangel inzwischen zu erheblichen Ertragseinbußen, Futterknappheit und zunehmenden Liquiditätsproblemen auf vielen Betrieben. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) zieht deshalb eine differenzierte Bilanz der Ernte 2026.
Getreide: Befriedigender Ertrag
Die Getreide- und Rapsernte ist in Südbaden seit Ende Juli und damit sehr frühzeitig abgeschlossen. Das Getreide konnte die ergiebigen Niederschläge im Winter und Frühjahr für die Ertragsbildung gut nutzen. Beim Einsetzen der ersten Hitzeperiode war die Ertragsbildung in den Niederungen weitgehend abgeschlossen und die hohen Temperaturen haben eine zügige Abreife bewirkt. Die Gerste liegt mit Erträgen zwischen 5 und 8 Tonnen je Hektar in etwa im langjährigen Mittel. Die Hektolitergewichte sind in Ordnung. Beim Weizen melden viele Betriebe Erträge zwischen 7,5 und 8 Tonnen pro Hektar. Spätere Gebiete eher 6,5 bis 7t/ha. Hier war die Ertragsbildung noch nicht abgeschlossen, als die erste Hitzeperiode eingesetzt hat. Die Hektolitergewichte sind meist ordentlich, aber die Proteinwerte teilweise niedrig.
„Die Niederschläge im Frühjahr haben die Grundlage für eine insgesamt solide Getreideernte geschaffen. Die frühe Hitze hat jedoch gezeigt, wie schnell Ertragspotenziale verloren gehen können“, so Bolkart.
Raps mit uneinheitlicher Bilanz
Beim Raps liegen die Erträge zwischen 3 und 4 t/ha. Trotz größerer Anbaufläche im Jahr 2026 wurde weniger geerntet, Hitze und Trockenheit haben ihren Tribut gefordert. Je nach Region blieben die Hektarerträge 10 bis 20% unter den Erwartungen. Insbesondere in den Höhenlagen konnten die gewohnt hohen Hektarerträge nicht erzielt werden. Mit Blick auf die Qualität sind meist sehr trockene Partien, mit guten Ölgehalten zwischen 43 und 46 % zu verzeichnen.
Mais und Soja: große Ertragseinbußen sind vorgezeichnet
Besonders angespannt ist die Lage beim Mais. Die Maisbestände haben sich in Abhängigkeit vom Saatzeitpunkt und der Bodenqualität sehr heterogen entwickelt. Bestände auf Böden mit gutem Wasserhaltevermögen konnten sich trotz der Trockenheit ordentlich entwickeln. Die anhaltende Trockenheit hat jedoch mehrheitlich zu Kümmerwuchs, fehlender Kolbenausbildung und schlechter Befruchtung geführt. Die Trocken-
heit trifft nicht nur die Körnermaisanbauer, sondern auch die Saatmaisvermehrer, die trotz mehrmaliger Beregnung große Ertragseinbußen, vereinzelt auch Totalschäden, erwarten. Viele Maispflanzen sind längst abgestorben. Es werden bereits seit Wochen schlecht entwickelte Körnermaisbestände als Silomais geerntet, wobei auch bei dieser Nutzung eine geringe Futterqualität, beziehungsweise ein geringer Energiegehalt gegeben ist. Die reguläre Körnermaisernte wird voraussichtlich in KW 35 beginnen. Heftige Ertragseinbußen sind vorgezeichnet.
„Die Situation beim Mais ist vielerorts dramatisch. Nicht wenige Betriebe befürchten, ihre Lieferverträge nicht vollständig erfüllen zu können. Teilweise ist sogar fraglich, ob die Erträge die Druschkosten decken werden“, erklärt der BLHV.
Auch bei Soja werden bei anhaltender Trockenheit spürbare Ertragseinbußen erwartet.
Grünland: Futterversorgung unter Druck
Bei der Silagekonservierung brachte der erste Schnitt normale Erträge bei guten Qualitäten, allerdings waren bereits beim zweiten Schnitt erhebliche regionale Unterschiede zu verzeichnen. Der Ertrag beim Heu war meist auch in Ordnung. Nach dem zweiten Schnitt beziehungsweise der Heuernte gab es aufgrund der langanhaltenden Trockenheit praktisch kein Wachstum mehr und es bleibt weiter trocken, was die Lage verschärfen wird. Bereits seit Wochen ist kein Weidegang mehr möglich.Die ohnehin viel zu geringen Wintervorräte werden daher bereits jetzt verfüttert.
„Für viele rinderhaltende Betriebe wird die Futterversorgung zunehmend zu einer Existenzfrage. Es muss in den kommenden Wochen ausreichend regnen, damit im Herbst überhaupt noch nennenswerte Aufwüchse erzielt werden können“, so Bolkart.
Frühkartoffeln
Die Erträge und Qualitäten sind gut bis sehr gut, es gab keine Probleme mit Pilzbefall, keine gravierenden Probleme mit Drahtwurm oder Ähnlichem.
Obst und Gemüse: Gute Ansätze, deutliche Dürrespuren
Im Obstbau zeigt sich die Spannweite der diesjährigen Saison besonders deutlich: Während Erdbeeren, Spargel und Mirabellen zufriedenstellende Ergebnisse lieferten, verursachten Hitze und Trockenheit bei Kirschen, Beerenobst sowie bei Äpfeln und Birnen erhebliche Schäden. Der Spargel brachte eine etwas größere Menge als 2025, es war eine gute Saison. Bei den Erdbeeren waren gute Erträge bei stabiler Qualität zu verzeichnen. Auch bei den Kirschen war eigentlich eine gute Qualität und große Menge gegeben, aber leider sind viele Früchte bei der Hitze verbrannt.
Die Beerenfrüchte haben stärker unter der Hitze und Trockenheit gelitten, Ernteerträge und Qualitäten waren daher uneinheitlich. Bei den Zwetschgen muss die Ertragserwartung trockenheitsbedingt nach unten korrigiert werden. Die Mirabellen bringen aber eine gute durchschnittliche Ernte. Äpfel und Birnen weisen zwar einen guten Fruchtansatz auf, vielerorts fehlt jedoch die notwendige Fruchtgröße. Aufgrund von Trockenheit und Sonnenbrandschäden rechnen die Betriebe derzeit mit Ertragseinbußen von 20 bis 30 Prozent.
Betriebe brauchen jetzt Liquidität und langfristige Vorsorge
„Die diesjährige Ernte zeigt auf dramatische Weise, wie stark die Landwirtschaft von der Witterung abhängt“, betont BLHV-Präsident Bernhard Bolkart. Auf vielen Höfen brechen die Erlöse ein, während die Kosten weiterlaufen. Daraus entstehen Liquiditätsprobleme. Zwar investiert die Landwirtschaft seit Jahren in klimaangepasste Bewirtschaftungsverfahren, Bodenschutz, Humusaufbau und wassersparende Techniken. Doch auch diese Maßnahmen stoßen bei langanhaltenden Extremwetterlagen an ihre Grenzen.
„Die Betriebe brauchen jetzt schnelle und unbürokratische Unterstützung, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden und die nächste Ernte finanzieren zu können“, so Bolkart.
Vor diesem Hintergrund fordert der BLHV kurzfristig:
Gleichzeitig dürfe man die langfristigen Folgen zunehmender Wetterextreme nicht aus dem Blick verlieren. „Trockenperioden wie in diesem Jahr werden keine Ausnahme bleiben. Unsere Betriebe brauchen deshalb endlich wirksame Instrumente zur betrieblichen Risikovorsorge. Die steuerfreie Risikorücklage muss kommen. Gleichzeitig müssen Investitionen in Klimaanpassung und Resilienz stärker unterstützt werden. Wer die regionale Lebensmittelproduktion erhalten will, muss den Betrieben helfen, sich besser auf Wetterextreme einzustellen und in guten Jahren für schlechte Jahre vorzusorgen“, so Bolkart.
Herzliche Grüße aus Freiburg
Ihr Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband e.V.