Auch der Gesellschaftsvertrag wurde thematisiert

weiter

Auch der Gesellschaftsvertrag wurde thematisiert

| Verbandsarbeit

Kulturlandschaftsrat: Das erste Treffen zur Einrichtung eines Kulturlandschaftsrates war auch aus Sicht von BLHV-Präsident Werner Räpple ein gelungener Auftakt.

Dies  erklärte er in einem Video-Interview, das im Youtube-Kanal des BLHV und rechts zu sehen ist.

Zwar seien die Gespräche und Diskussionen am Rande der Veranstaltung aufgrund der Corona-Maßnahmen zu kurz gekommen, aber die Vorträge der Experten und die Ansprache des Ministers hätten viel Verständnis für die Landwirtschaft offenbart, resümiert Räpple. Insbesondere die Rede von Minister Hauk wird von Räpple gelobt, da er die Bedeutung einer multifunktionalen Landwirtschaft hervorgehoben habe, die bei unseren klimatischen Bedingungen auch eine Verantwortung für die Welternährung mittrage. 
„Da viele gesellschaftliche Gruppen dabei waren“, erklärte Räpple, „ist der Kulturlandschaftsrat dazu geeignet, mehr Verständnis für die Landwirtschaft zu schaffen, Zusammenhänge zu verdeutlichen und Zielkonflikte anzusprechen. So können wir die Anliegen und Sorgen der Landwirtschaft in der Gesellschaft wieder besser platzieren.“ 
Das war einer der tragenden Bewegründe, weshalb die Initiatoren des Volksantrags den Kulturlandschaftsrat eingefordert haben. Denn um mehr Umwelt- und Artenschutz in die Landwirtschaft integrieren zu können, muss man die Zusammenhänge in der Landwirtschaft verstehen. Neben natürlichen Zusammenhängen wie Klima und Boden sind diese auch ökonomisch sowie  bürokratisch bedingt. „Darum war besonders gut, dass Hauk nicht nur die Bedeutung der kleinen und mittelgroßen Betriebe hervorhob, sondern auch erklärte, dass gerade diese mit bürokratischen Auflagen zu kämpfen haben, weil es dort  im Gegensatz zu den größeren Betrieben keine Verwaltungsebene gibt, die sich um die Bürokratie kümmert“, erklärte Räpple.

Auch  die betriebswirtschaftliche Situation wurde thematisiert. Darauf ging Professor Enno Bahrs von der Universität Hohenheim ein, der zum einen forderte, dass die vielfältigen Umweltleistungen der Landwirtschaft besser entlohnt werden müssten und dass die Bereitschaft in der Bevölkerung gefördert werden müsse, mehr Geld für regionale Produkte auszugeben. Dies seien laut Räpple bekannte Wege, die aber mit dem Hintergrund der offenen Märkte nicht zufriedenstellen würden. „Höhere Erzeugerpreise durch mehr Regionalität, das ist ein Weg, aber es ist nur ein Weg, und wir brauchen natürlich noch andere Wege“, so Räpple. „Auch wenn wir wissen, dass Regionalität ein Pfund in der Vermarktung ist. Aber wir sehen auch, das 60 bis 70 Prozent unserer Produkte in der großen Schiene vermarktet werden, und dort ist der Marktdruck, dort ist der Wettbewerb“, erklärte Räpple im Interview.

Auch das Thema Gesellschaftsvertrag spielte beim ersten Zusammentreffen für den Kulturlandschaftsrat eine Rolle. Für Räpple ist sogar ein formulierter Gesellschaftsvertrag „in greifbare Nähe gerückt“. Minister Hauk sehe Ähnlichkeiten mit dem Grundlagenvertrag, der vor der Wende mit Osteuropa abgeschlossen worden sei und den Fall des Eisernen Vorhangs eingeläutet habe. Der erste Schritt sei laut Hauk, eine Präambel zu formulieren, die ein Einstieg in den Gesellschaftsvertag sein könnte. „Die Präambel klärt dann, wie wir in dieser Gesellschaft zusammenschaffen, welche Landwirtschaft wir wollen und wie wir diese dann am Leben halten können“, erklärte Räpple. „Und daraus könnten weitere Grundlagenverträge gebildet werden, so wie wir sie schon in der zweiten Säule haben. Hier schließt auch die Gesellschaft mit der Landwirtschaft Verträge. So könnten wir die Präambel Stück für Stück mit Leben füllen“, ergänzte er. 
Für Räpple ist das ein realistischer Weg.  Unrealistisch wäre nach seinem Dafürhalten hingegen, jetzt gleich ein großes Vertragswerk zu formulieren, das alle Probleme lösen könne.

Elsner

 

Im Volksantrag gefordert 
Forderung Nr. 9 aus dem Volksantrag „Gemeinsam unsere Umwelt schützen“: Die Landesregierung wird aufgefordert, einen Kulturlandschaftsrat zum Erhalt von Landwirtschaft und Artenvielfalt einzurichten, der die verschiedenen Interessen aus Umweltschutz, Landnutzung, Wirtschaft und Handel sowie die Erkenntnisse aus der Forschung bündelt und voranbringt.

 

"Höhere Erzeugerpreise durch mehr Regionalität, das ist eine Weg, aber es ist nur ein Weg, und wir brauchen natürlich noch andere Wege", so Räpple. (Bild: Littner)