BLHV-Präsident appelliert an Ministerin

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BLHV-Präsident appelliert an Ministerin

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Tags: Corona

In einem Brief an  Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner verweist BLHV-Präsident Werner Räpple darauf, dass  landwirtschaftlichen Betrieben wegen der Coronavirus-Epidemie schwere Schäden drohen.

Sehr heftig betroffen sind südbadische  Sonderkulturbetriebe. Auch Landesminister Peter Hauk wurde über den Brief in Kenntnis gesetzt.

Insbesondere ein Mangel an Saisonarbeitskräften würde zur Existenzvernichtung von Betrieben und Versorgungsengpässen der Bevölkerung führen, wenn arbeitsintensive Sonderkulturen wie Spargel, Beeren, Gemüse, Wein und Obst, wie sie in Südbaden weit verbreitet sind, nicht mehr gepflegt und geerntet werden könnten, erklärt Räpple. Der Präsident fährt fort: „Die Versorgung der Betriebe mit Saisonarbeitskräften ist bereits heute am Zusammenbrechen. Teilweise sind schon anwesende Saisonarbeitskräfte überstürzt abgereist, um noch ohne Kontrollen und Quarantäne ihr Heimatland zu erreichen. Die Großzahl der angeforderten Saisonkräfte aus Osteuropa, vornehmlich aus Rumänien und Polen, sollte innerhalb der nächsten zwei Wochen auf den Betrieben ankommen.“ Die Politik und die Diplomatie der Bundesrepublik Deutschland seien dazu aufgerufen, alles zu tun, um die Einreise dieser dringend für den systemrelevanten Sektor der Landwirtschaft benötigten Arbeitskräfte weiter zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass keine Reisebeschränkungen über das gebotene Maß hinaus verhängt werden. Hierzu sei es unbedingt erforderlich, darauf hinzuwirken, dass Transitländer wie Österreich und Ungarn weiterhin die Durchreise zwecks Arbeitsaufnahme in Deutschland zuließen beziehungsweise Direktflugstrecken oder Zugverbindungen offen blieben und eventuell Sonderflüge oder Sonderzüge mit Unterstützung  Deutschlands aus den Herkunftsländern kommen könnten. „Hilfreich könnte es in diesem Zusammenhang sein, eine Bescheinigung des deutschen Arbeitgebers über die Anforderung von Saisonarbeitern europaweit unbürokratisch anzuerkennen“, betont Räpple in dem Brief. Den Saisonkräften müsse  schnellstmöglich signalisiert werden, dass sie ohne große Einschränkungen anreisen und wieder zurückreisen könnten, um ihre Motivation zur Anreise  aufrechtzuerhalten. Zur Begründung macht Räpple in dem Brief darauf aufmerksam, dass Saisonarbeitskräfte oft aus abgelegenen ländlichen Gebieten stammt und daher in ihrer Heimat kaum einem Ansteckungsrisiko unterlägen. Auch in Deutschland würden sie sich praktisch nicht vom Betrieb fortbewegen. Räpple fordert zudem, dass Saisonkräfte, die bereits hier sind und jetzt länger bleiben wollen, problemlos weiterbeschäftigt werden können. Des Weiteren müssten zur ersatzweisen Gewinnung inländischer Arbeitskräfte Anreize und unbürokratische Vermittlungsstrukturen geschaffen werden, insbesondere für die zu erwartende hohe Zahl an Kurzarbeitern. Deutliche Freibeträge hinsichtlich der Anrechnung des Helferlohnes auf ihre Bezüge für Kurzarbeiter und auch für Flüchtlinge wären eine sehr gute Motivation und das richtige Signal, so Räpple. Die Aussetzung von Hinzuverdienstgrenzen für Rentner und Steuerfreibeträge für alle Hinzuverdiener würden ebenfalls motivierend wirken, ergänzt der Präsident des BLHV. „Insbesondere viele Sonderkulturbetriebe müssen während einer kurzen Ernte- und Vermarktungskampagne, die nun genau in die kritischste Corona-Phase fällt, ihren ganzen Betriebserlös erwirtschaften, ansonsten droht mangels Deckung der aufgelaufenen Kosten der schnelle Ruin“, verdeutlicht Räpple die sehr  kritische Lage. Der BLHV-Präsident fordert daher, diese  Betriebe in den Hilfsprogrammen der Regierung auf Bundes- und Landesebene besonders zu berücksichtigen. Die Zusage unlimitierter Kreditprogramme sei  hier um schnelle und unbürokratische Zuschüsse zu ergänzen. 

Red

 

Zusammenhalt und Solidarität wichtig

Liebe Bäuerinnen und Bauern,

nach Volksbegehren und Eckpunktepapier stehen der landwirtschaftliche Berufsstand, Sie, liebe Bäuerinnen und Bauern mit Ihrem Bauernverband, vor einer weiteren, noch größeren Herausforderung. Das Coronavirus ist eine Herausforderung für das Gesundheitswesen, die Politik, die gesamte Wirtschaft, ja für das ganze Gemeinwesen. Gefordert von allen sind verantwortungsvolles Handeln und auch Solidarität. Auch das Thema Versorgungssicherheit rückt immer stärker in das Blickfeld. Sehr beruhigend wirkt der Verweis auf einen hohen Selbstversorgungsgrad bei Getreide, Milch, Fleisch und Kartoffeln. Kritischer ist die Situation bei Obst und Gemüse im Zusammenhang mit der Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Erntehelferinnen und Erntehelfer aus osteuropäischen Staaten. Als Ihr BLHV wollen wir alles tun, um Ihnen auch in dieser schwierigen Zeit als Partner, Dienstleister und Interessenvertreter zur Verfügung zu stehen. An erster Stelle steht der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Bauernfamilien! Alle Versammlungen, Sitzungen und auch interne Besprechungen wurden abgesagt, um Kontakte und damit Verbreitungswege des Virus zu reduzieren. Ersetzt werden diese über Kommunikation per Telefon und Mail. Dies gilt möglichst auch für Kontakte mit den Mitgliedern. Sprechen Sie bitte mit Ihren Beraterinnen und Beratern das Vorgehen telefonisch ab. Auch Ihre Betriebe und Ihre Vermarktungsorganisationen sollen und müssen weiter funktionieren. Vermeiden Sie bitte unnötige Kontakte, halten Sie die bekannten Hygieneregeln ein. Aktuelle Informationen stellt Ihnen der BLHV auf seiner Homepage www.blhv.de zur Verfügung. Eine große Herausforderung haben die Sonderkulturbetriebe mit anstehender Ernte von Spargel, Erdbeeren und Frühgemüse. Auch im Weinbau beginnen schon Anfang Mai die arbeitsintensiven Pflegearbeiten. BLHV und Deutscher Bauernverband sind dabei, insbesondere Lösungen für die Einreise von Saisonarbeitskräften zu suchen und Erleichterungen bei der Beschäftigung einzufordern. Dies gilt auch für die Wahrscheinlichkeit notwendiger Beschäftigung von deutschen Arbeitskräften. Schließen möchte ich mit einem Appell an die Solidarität im Berufsstand. Stehen wir zusammen! Auch der BLHV als Ihre Standesorganisation steht mit all seinen Untergliederungen und Tochterorganisationen an Ihrer Seite.

Ich wünsche Ihnen und uns allen eine gute Gesundheit.

Ihr Werner Räpple