Hoftor auf für Schwalben!

weiter

Hoftor auf für Schwalben!

| Natur & Umwelt

Aktion: Die Bauernverbände in Baden-Württemberg rufen gemeinsam mit dem NABU dazu auf, Höfe schwalbenfreundlich zu gestalten. Ein Flyer informiert über die Möglichkeiten, Gebäude mit Nistplatzangeboten erhalten Plaketten.

 

In diesen Tagen machen sich die ersten Schwalben auf den Weg ins Winterquartier südlich der Sahara. Eine gute Reise wünschen ihnen der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV), der Landesbauernverband (LBV) und der NABU. Sie hoffen auf eine sichere Rückkehr der Glücksboten – und auf viele Höfe, die sie dann willkommen heißen werden. Gemeinsam werben die drei Verbände  dafür, den Tieren Nistmöglichkeiten zu bieten, und der NABU zeichnet Gebäude als „schwalben-freundliches Haus” aus, wenn unter Dächern Schwalben brüten dürfen. An mindestens 370 Stalltüren und Bauernhäusern in Baden-Württemberg  hängt bereits eine Plakette und damit jede dritte an einem landwirtschaftlichen Betrieb.
Auf eine lange Schwalbentradition blickt beispielsweise das Haupt- und Landgestüt Marbach bei Münsingen. Hier finden Schwalben auf naturnah bewirtschafteten Wiesen und Koppeln ausreichend Insekten, an vielen Plätzen auf dem Hof und in den Pferdeställen kleben die halbrunden Lehmnester. Das Baumaterial dazu finden die Vögel rundherum.
„Impulse durch das Volksbegehren 'Rettet die Bienen' und bundesweite Agrarproteste zeigen die Dringlichkeit, mit der zukunftsfähige politische Lösungen für Landwirtschaft und Artenvielfalt gesucht werden müssen, von denen auch die Schwalben profitieren”, betont der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Die Zahl der Mehl- und Rauchschwalben nimmt seit Jahren ab. „Immer seltener sieht man in den Dörfern Misthaufen, die früher mit ihren Fliegen ein reich gedecktes Buffet für die wendigen Flugkünstler waren. Wege und Hofeinfahrten sind oft asphaltiert, und es fehlen  lehmige Pfützen, die Baumaterial für die  Nester unter Dachvorsprüngen und an Balken bieten”, erklärt NABU-Schwalbenexperte Rudi Apel. Oft würden – obwohl es verboten sei – Schwalbennester bei einer energetischen Sanierung entfernt. Ersatzweise müssten danach Kunstnester angebracht werden. Manche Häuslebesitzer störten sich zudem an den Ausscheidungen. Hier könne ein Kotbrett unterhalb des Nests das Problem lösen. Auf ihrem Flug ins Winterquartier und zurück lauerten weitere Gefahren, so Apel.

Bauernhöfe gesucht 
Ziel des NABU ist es, noch mehr Höfe in Baden-Württemberg als schwalbenfreundlich auszuzeichnen. Deshalb freut sich der Verband über die Unterstützung durch den BLHV und LBV. „Mit dem neuen Infoflyer wollen wir gezielt landwirtschaftliche Familien ansprechen, auf deren Höfen Schwalben brüten und die dies fördern”, so Johannes Enssle. 
Der Flyer „Hoftor auf für Schwalben!” informiert über die Lebensweise der Kulturfolger und gibt Tipps zum guten Miteinander. Die Broschüre  räumt zudem mit Vorurteilen in Bezug auf die Hygiene im Stall auf: „Wenn ein Landwirt Schwalben im Stall hat, ist das aus amtstierärztlicher Sicht zu begrüßen. Wenn Hygienemaßnahmen in Milchkammer, Futtergang und Futterlager eingehalten werden, ergeben sich wegen der Nester keine Probleme”, stellt Dr. Christian Bretzinger, Amtstierarzt des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald, klar. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Schwalben für Nutztiere relevante Krankheiten übertragen. Im Gegenteil: Die flinken Jäger halten als Hygienepolizei die  Fliegen in Schach – ein Schwalbenpaar frisst während der etwa dreimonatigen Brutzeit über ein Kilogramm Insekten. 

Der Flyer ist beim NABU erhältlich und Sie können ihn hier herunterladen.
 

Schwalben-Hotline: Tel. 07754/7139, E-Mail: Schwalben@NABU-BW.de

 

Rauchschwalben nehmen Nistangebote unter Dachvorsprüngen gerne an (Bild: NABU/Bianka Brobeil).