Kommentar: Biene aufs Eis – am Ende muss ein Gesellschaftsvertrag stehen

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Kommentar: Biene aufs Eis – am Ende muss ein Gesellschaftsvertrag stehen

| Natur & Umwelt
Tags: Volksbegehren Artenschutz

Selten war die Agrarpolitik im Ländle so spannend wie von Dienstag auf Mittwoch. Vielleicht ist es sogar nur eine Frage der Zeit, bis ein findiger Regisseur aus dieser Geschichte einen ebenso spannenden Politthriller bastelt.

Aber bis wir das Geschehen in entspannter Atmosphäre bei einer Tüte Popcorn Revue passieren lassen, wird noch viel Zeit vergehen. Derart entspannt ist die politische Lage noch lange nicht, sie ist bitterernst. Und das, obwohl die brachiale Existenzgefährdung durch das Volksbegehren vorerst aufgehalten werden konnte.
Diesen kleinen Erfolg darf sich der Berufsstand auch auf die Fahne schreiben: Jedes  Grüne Kreuz, jede Versammlung, jedes Pressegespräch hat seinen Beitrag geleistet. Eines soll hier gesagt werden: Der BLHV hat nicht hinter verschlossenen Türen am Eckpunktepapier der Landesregierung mitgearbeitet. Er hat sich aber ebenso wenig rausgehalten. Gemeinsam mit dem Verbändebündnis der Weinsberger Runde hat man sich auf ein eigenes Eckpunktepapier geeinigt, das öffentlich eingereicht wurde, um der Landwirtschaft eine Stimme im Eckpunktepapier der Landesregierung zu geben. Und schon vor Wochen hat man mit dem Volksantrag „Gemeinsam Umwelt schützen in Baden-Württemberg“ die Richtung klar gemacht, die der Artenschutz gehen muss, wenn er die Landwirtschaft mitnehmen möchte. Im Ergebnis von Mitte dieser Woche, der Einigung der Landesregierung mit den Initiatoren von proBiene, finden sich alle Seiten wieder. Und darum ist es eine gute Grundlage für einen echten Kompromiss, der gemeinsam getragen werden kann.
Der BLHV wird jetzt seine Aufgabe ernst nehmen, um diesen Kompromiss auszuarbeiten, und am Ende muss ein Gesellschaftsvertrag stehen. Bis dahin ist es noch ein weiter und schwerer Weg, für den der Verband nichts mehr braucht als die Rückendeckung und das Vertrauen seiner Mitglieder. Vertrauen auch darauf, dass der BLHV auch „Nein“ sagen kann, wenn das Ergebnis die Existenzen seiner Mitglieder gefährdet.

Padraig Elsner