Kommentar: Echte Gesundheitsrisiken

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Kommentar: Echte Gesundheitsrisiken

| Natur & Umwelt

Haben Sie in Ihrer Tageszeitung schon einmal einen Artikel über Pyrrolizidinalkaloide (PA) oder Campylobacter gelesen? Ich vermute, eher nicht. Und das, obwohl Letztere die häufigsten Erreger von bakteriellen Darminfektionen in Deutschland sind.

Wahrscheinlich hatten Sie mit den Bakterien schon einmal das „Vergnügen“, ohne es zu wissen, und wissen deshalb auch nicht, woher das Bakterium kam und wie Sie sich künftig davor schützen können. PA werden von Pflanzen gebildet, um Fraßfeinde abzuwehren. Insbesondere Korbblütler, Raublatt- oder Borretschgewächse und Hülsenfrüchtler wappnen sich damit gegen unbeliebte Essensgäste. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurden hohe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees, zum Beispiel in Roibuschtee, in Honig und in Salat nachgewiesen und können bei Menschen Leberschäden verursachen oder krebserregend sein. Lediglich der NDR hat dem Pflanzengift in diesem Jahr Publizität verschafft und verschiedene Tees auf PA untersucht. Eines der untersuchten Produkte, ein Kamillentee, hatte einen so hohen Gehalt an PA, dass eine große Tasse davon ausreicht, um die vom BfR empfohlene Tageshöchstdosis einzunehmen. Zum Vergleich: Als die Grünen seinerzeit mit einer äußerst fragwürdigen Studie minimale Konzentrationen von Glyphosat in Bier nachwiesen, berichtete fast jedes Tagesblatt über den Fall. Und das, obwohl man hätte 1000 Liter Bier trinken müssen, um die Tageshöchstdosis aufzunehmen. Auch wurde kaum beachtet, dass Glyphosat für die Behandlung von Braugerste in Deutschland streng verboten ist. Medien sind zwar verpflichtet, über gesundheitliche Risiken zu informieren.  Sie scheinen dabei aber immer mehr die tatsächliche Relevanz aus den Augen zu verlieren – und das könnte wiederum ein echtes Gesundheitsrisiko sein.

 

Padraig Elsner, BLHV