Kommentar: Offene Worte

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Kommentar: Offene Worte

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Wie konnte den großen LEH-Playern nur so die Hutschnur platzen, dass sie sich veranlasst sahen, einen derartigen offenen Brief an die Bundeskanzlerin schreiben zu müssen?

Für viele Landwirtinnen und Landwirte ist die Reaktion nicht verständlich, vor allem für diejenigen, die bisher selbst unter unlauteren Praktiken der Handelspartner leiden mussten. Mehr Verständnis kann man da für Bundesministerin Julia Klöckner aufbringen, die endlich einmal Klartext sprach und solche Praktiken als „Standards zulasten von Erzeugern“ bezeichnete. Eben diese Worte waren es, die technisch gesehen zum offenen Brief der „CEO“ von Edeka, Aldi und Co. führten. Die Handels-Chefs sahen darin einen „massiven Angriff auf die Reputation ihrer Unternehmen“ und fühlten  sich sogar „persönlich diskreditiert“. Die Einkommen der Chief Executive Officers von Handelsriesen sollten eigentlich ausreichen, um in einer solchen Lage etwas Trost zu spenden. Aber das ist nur wieder ein Beweis dafür, dass Geld allein nicht glücklich macht. Nichtsdestotrotz hat Klöckner wohl einen wunden Punkt bei den LEH-Vertretern getroffen und so den großen Handelsriesen zumindest einmal ein offenes Wort aus den Rippen geleiert. Solche Worte hören wir nämlich sonst sehr selten. Unzählige Male wurden Einladungen zu Podiumsdiskussionen des BLHV an Vertreter von größeren Lebensmittelhändlern nicht angenommen. Jede dieser Diskussionsrunden wäre eine gute Möglichkeit gewesen, um einmal die Luft rauszulassen, und das hätte für beide Seiten eine Erleichterung bedeutet. Die Frage sollte darum nicht sein, warum wurde dieser Brief geschrieben, sondern hat man daraus gelernt und kommt endlich an den Tisch, um gemeinsam mit den Erzeugern eine Lösung zu finden.

 

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