Kommentar: Perspektive ist kein Konjunktiv

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Kommentar: Perspektive ist kein Konjunktiv

| Politik
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Die Landwirtschaft braucht eine Perspektive, forderte BLHV-Präsident Werner Räpple unlängst in seinem Neujahrsgrußwort.

Mit diesem einfachen Satz  trifft Räpple den Kern des großen Unmuts in der Landwirtschaft, der sich in nicht enden wollenden Bauerndemonstrationen äußert. Perspektive spielt für den landwirtschaftlichen Mittelstand eine besondere Rolle, da hier Perspektiven in Generationen gedacht werden müssen und nicht in Wahlperioden oder gar in einzelnen Wirtschaftsjahren. Zwar stellt sich jeder Landwirt die Frage, ob er im nächsten Jahr einen ausreichend hohen Preis für sein produziertes Gut erhält;  denn  das ist letztlich entscheidend für seine wirtschaftliche Existenz. Noch bedeutender ist jedoch, ob sein Stall, Güllefahrzeug oder notwendige Pflanzenschutzmittel in den nächsten Jahren oder gar Jahrzehnten noch rechtlich konform sind. Zusicherungen der Politik, sich dafür einzusetzen, verdampfen schneller als ein Hitzegewitter im Hochsommer. Unsere Politik hat noch keinen echten Konsens zwischen den Forderungen nach einer unrealistischen Agrarwende und der landwirtschaftlichen Praxis gefunden, der beide Seiten langfristig zufrieden stellt. Das Eckpunktepapier für mehr Artenvielfalt kann ein Ansatz sein. Seine Bewährungsprobe, die praktische Umsetzung, steht ihm aber noch bevor. Entscheidend ist, ob es bei dem freiwilligen Ansatz bleiben wird. Das hängt nicht nur von der Naturschutzlobby und dem Finanzhaushalt, sondern auch von der Landwirtschaft ab. Freiwillige Maßnahmen sollten angenommen werden und wenn nicht, dann muss die Ablehnung gut begründet und  das Angebot entsprechend nachverhandelt werden. Sollte sich das bewähren und umsetzen lassen, hätten wir eine Perspektive. Die kann aber nicht auf einem Konjunktiv aufgebaut werden, sondern muss auf verlässlichen und realistischen Zielen fußen. Denn „hätte, würde, könnte“ schafft kein Vertrauen, schon gar nicht, wenn es um die Existenzsicherung der kommenden Landwirtschaftsgenerationen geht.

Padraig Elsner