Machen, machen, machen

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Machen, machen, machen

| Verbandsarbeit
Tags: Schöttner

Jungunternehmertag - Vier ideenreiche Persönlichkeiten berichteten auf dem Jungunternehmertag von BLHV und Bund Badischer Landjugend (BBL) von ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Mehr als 50 junge Leute hörten ihnen am Freitag voriger Woche in der Stadthalle in Bräunlingen zu.

„Einfach mal machen!“ Obwohl jeder der vier Jungunternehmer aus der Region einen ganz eigenen Weg beschrieb, waren sie sich in dieser Sache doch einig. Man könne noch so gut planen, es tauchten immer Situationen auf, in denen Pläne wieder über den Haufen geworfen werden müssten. Yannick Wurth aus Neuried-Altenheim vertrat mit „Wurth’s Kartoffelkiste“ den klassischen Hofnachfolger. Gemeinsam mit seinem Vater baut er auf 120 Hektar Getreide, Sojabohnen und Feldgemüse an. Außerdem gehören 200 Mastschweine zum Bio-Hof.

„Komm, wir probieren das mal“
„Wenn ich meinen Betrieb vorstelle, muss die Kartoffel hängen bleiben“, erklärt Wurth. 2010 fing alles an: „30 Ar sind nicht viel. Komm, wir probieren das mal.“ Sein Ziel sei es, eine höhere Wertschöpfung aus den Feldern zu erzielen. Mittlerweile wachsen auf rund zehn Hektar sechs Kartoffelsorten. Seit 2016 vermarktet er die Knollen unter dem Namen „Wurth’s Kartoffelkiste“. In der Verkaufshütte vor dem Hof sei Selbstbedienung angesagt. „Hier fahren jeden Tag so viele Geldbeutel vorbei. Wir müssen es hinkriegen, dass die anhalten“, erzählt Wurth von seiner Vermarktungsidee. Die restlichen Kartoffeln werden an den Feinkosthandel verkauft, so Wurth. 2017 sei das Lager wegen einer Spitzenernte nicht leer geworden: Der Markt sei unter Druck gewesen. Aus dieser Krise sei die Idee der Vermarktung über den Lebensmittel-Einzelhandel entstanden. 2018 schloss Wurth sich mit  der Dachswanger Mühle in Umkirch und dem Schillhof in March-Buchheim zusammen: Sie schufen die Marke „Feldfrisch badisch“, mit der sie in den regionalen Edeka-Märkten der Firma Hieber vertreten sind. Ungewaschen und in Papier verpackt wird den Kunden die regionale Bio-Ware angeboten. Wurth gibt aber auch zu: „Wir haben es unterschätzt, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, so eine Marke in Gang zu bringen.“

Verkauft lieber selbst
Das Steckenpferd von Paula Roser – ebenfalls Junglandwirtin – ist der Käse. Sie kam 2016 auf den Hof ihrer Schwiegereltern in Freiamt. Diese waren von der Idee einer Bio-Hofkäserei schnell begeistert. „Ich habe das Wissen und die Kunden mitgebracht. Es war nur noch die Investition nötig“, erklärte Roser.  Sie habe das Käsen von ihrem Vater gelernt und war auf dem elterlichen Betrieb für die Vermarktung zuständig. Dreimal die Woche gehe sie seither mit ihrem Verkaufswagen auf Wochenmärkte. „Selber kann man am besten verkaufen“, ist sie überzeugt. Bei aller Freude an der Käserei betont Roser: „Ganz wichtig ist immer die Buchhaltung.“ Das habe sie gelernt, als sie auf dem elterlichen Betrieb die Lücken vergangener Jahre aufarbeiten musste. „Wenn man die Buchhaltung gut macht, läuft es besser und man kann das, was man gerne macht, noch besser machen“, zog sie Bilanz.

Dass Büroarbeit einen großen Teil der Selbstständigkeit ausmacht, das weiß auch Johannes Wehrle aus St. Märgen. An zwei von sechs Arbeitstagen widme er sich dieser Tätigkeit. Gemeinsam mit seinem Freund, Daniel Schätzle, ist er „d’ Baumschubser“. Unter diesem Namen erledigt das Unternehmen hauptsächlich Spezialbaumfällungen und Baumpflegearbeiten in Privatgärten und besetzt damit eine Nische in der Forstwirtschaft. Die Kletterausrüstung gehöre dabei genauso zum Handwerkszeug wie die Motorsäge. Häufig kämen sogar Kräne zum Einsatz. Was anfangs nur ein Zuverdienst am Wochenende war, entwickelte sich bald zu einem eigenen Unternehmen. „Am Anfang sind wir gerannt, damit wir Arbeit haben. Jetzt rennen wir, weil wir Arbeit haben“, blickt Wehrle zurück.

Geht nicht gibt’s nicht
Der ausgebildete Forstwirt arbeitete zuvor im Forstunternehmen seines Vaters.  2018 entschied er sich für die Selbstständigkeit. Da er selbst eine junge Familie habe, sei es ihm wichtig gewesen zu wissen, dass das Unternehmen Zukunft hat. „Ich bin froh, dass ich nicht mehr am Anfang stehe. Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, wäre ich vielleicht im Wald geblieben“, erzählt Wehrle von den Schwierigkeiten, die mit der Arbeit in Siedlungsgebieten einhergingen. „Aber unser Motto ist: Geht nicht gibt’s nicht.“ Zum Team gehören 35 Subunternehmer. Das Durchschnittsalter schätzt Wehrle auf unter 30. Als junger Chef sei ihm die Kameradschaft wichtig: „Der Kunde möchte ein gut gelauntes Team.“ Dass die Arbeit im Wald gefährlich bleibe, sei dem Forstwirt aber immer bewusst. Ein guter Freund und vor einem Jahr sein Vater seien bei einem Arbeitsunfall verunglückt.

Thema Tod nicht auf die lange Bank schieben
Beim Vortrag von Birgit Aurelia Janetsky der Firma Semno Consulting ging es um das Thema Tod. „Digitaler Nachlass für Jungunternehmer“ lautete der Titel ihres Vortrages, der zum Rahmenprogramm gehörte. Sie sensibilisierte die Zuhörer dafür, für einen Todes- oder Notfall vorzusorgen. Zum digitalen Nachlass gehören laut Janetsky Hardware, digitale Kontakte, Verträge sowie Werte und Guthaben. Diese würden im Todesfall genauso vererbt wie analoge Gegenstände. Um den Erben eine aufwendige und teure Nachsorge zu ersparen, sollte man das Thema nicht auf die lange Bank schieben. Auf Nachfrage des Publikums empfahl Janetsky professionelle Nachlassmanager wie das Unternehmen Columba.

Als fachfremder Gast war der Fotograf Sebastian Wehrle aus Freiamt eingeladen. Er ist seit sechs Jahren selbstständig und über die Grenzen der Region hinaus bekannt für seine Bilderreihe „Facing Tradition“, in der moderne Frauen traditionelle Schwarzwaldtrachten tragen. Er weiß: „Eine gute Idee macht noch lange keinen guten Künstler.“ Es zähle die Umsetzung und ob man einen Plan habe.

Selbstbestimmung durch Engagement
Der Vortrag von Friedbert Schill aus March-Buchheim über seinen Betrieb und seine Ämter im BLHV bildete den Abschluss der Veranstaltung. Als Vorsitzender des Kreisverbandes Freiburg und Mitglied des Vorstands des BLHV sei es ihm wichtig, dass sich auch junge Leute  politisch engagierten. „Entweder wir bestimmen mit oder wir werden bestimmt“, gab er dem Publikum zu denken. Neben Schill nahm vom BLHV auch Vizepräsident Bernhard Bolkart  am Jungunternehmertag teil.

 

Maria Wehrle

Mehr als 50 junge Leute trafen sich beim Jungunternehmertag zum Austausch mit den Referenten und untereinander. Fotograf Sebastian Wehrle stellte seine Bilder der neuen Reihe „Facing Tradition Q“ aus.

Paula Roser war die Vierte im Bunde. Buchhaltung mache sie nicht gerne, sie sei ihr trotzdem wichtig.

Friedbert Schill, Biolandwirt aus March-Buchheim, stellte seinen Hof und sein Engagement im BLHV vor.

Drei der vier Hauptreferenten waren Yannick Wurth, Johannes Wehrle und Sebastian Wehrle (von links).