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Aufruf zur aufmerksamen Beobachtung der Asiatischen Hornisse

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) breitet sich seit ihrem ersten Nachweis 2014 in Waghäusel in rasantem Tempo über Baden‑Württemberg aus. In den vergangenen drei Jahren stieg die Zahl gemeldeter Nester deutlich an.  2022 wurden noch 75 Nester registriert, im Jahr 2024 waren es bereits rund 1.450. Die Herkunft der Art liegt in Südostasien. In Europa kam sie 2004 über Warentransporte nach Frankreich an und breitete sich seitdem über mehrere EU‑Länder aus. In Deutschland erfolgte 2025 die Umstufung von „neu auftretend“ zu „weit verbreitet“, was ihre weite Verbreitung in der Umwelt unterstreicht.

Lebensweise

Der jährliche Zyklus der Asiatischen Hornisse beginnt im Frühjahr, wenn die überwinternden Jungköniginnen aus ihrer Winterstarre erwachen und nach einem Ort für den Nestbau suchen. Aus einem nicht entfernten Nest können erfahrungsgemäß etwa 300 Jungköniginnen zum Überwintern ausschwärmen. Von diesen beginnen im kommenden Jahr etwa 10 % mit einem neuen Nestbau. Eine Königin baut zunächst ein kleines Gründungs- oder Embryonalnest, häufig in Hecken, Sträuchern, unter Dachvorsprüngen oder in Gartenhäusern, oftmals in geringer Höhe unter zwei Metern. Diese frühen Nester haben die Größe eines Golf- oder Tennisballs und werden ausschließlich von der Königin versorgt. Bei einer Entwicklungszeit der Arbeiterinnen von etwa 48 Tagen ist also zunächst keine Eile geboten. Zudem konkurrieren Königinnen oftmals um die besten Nistplätze. Revierkämpfe enden meist für eine der Beteiligten tödlich.

Es wird empfohlen das Gründungsnest zunächst nur zu beobachten und die Natur arbeiten zu lassen. Erst mit dem Schlupf der ersten Arbeiterinnen ist es an der Zeit das Nest samt Königin zu entfernen, bevor es ab Mitte April bis Juni zu einem sogenannten Primärnest heranwächst. Die Primärnester sind rund 20 bis 25 Zentimeter groß und können meist über 200 Individuen beherbergen. Die Tiere reagieren bei Störungen am Nest sehr sensibel und sind angriffsbereit. Daher sollte die Entfernung durch einen geschulten Nestentferner in entsprechender Schutzausrüstung vorgenommen werden, um den Lebenszyklus nachhaltig zu unterbrechen. Von einer eigenständigen Entfernung in diesem Stadium wird dringend abgeraten!

Unterscheidung zwischen der Asiatischen und der Europäischen Hornisse

Wesentlich für eine erfolgreiche Eindämmung ist die sichere Unterscheidung zur heimischen Europäischen Hornisse, die streng geschützt ist. Die Asiatische Hornisse ist insgesamt dunkler gefärbt, besitzt eine schwarze Brust, schwarzen Kopf, der ebenfalls schwarze Hinterleib hat eine gelbe Binde mit einem orangefarbenen Ende, sowie markant gelb gefärbte Beine. Sie ist zudem etwas kleiner als die Europäische Hornisse, die sich durch rot-braune Zeichnungen an Kopf und Brust auszeichnet. Der gelb‑schwarz gemusterte Hinterleib und ihre rotbraunen Beine unterscheiden die heimische europäische Hornisse deutlich von der Asiatischen Hornisse. Nester der europäischen Hornisse befinden ausschließlich in geschützten Hohlräumen, wobei ihre Einflugöffnung stets nach unten zeigt.

Sekundärnester im Sommer

Ab Juli gründen die Völker Sekundärnester, die meist frei hängend in Baumkronen in Höhen von 10 bis 30 Metern zu finden sind. Diese Nester erreichen beeindruckende Dimensionen von 60 bis 100 Zentimetern und können bis zu 5.000 Tiere beherbergen. Charakteristisch ist ein seitliches Einflugloch. Solche Nester sind kaum zugänglich und werden mitunter aggressiv verteidigt. Ihre Entfernung ist ausschließlich geschultem Fachpersonal vorbehalten, da derartige Einsätze aufgrund der Höhe, der Nestgröße und der Wehrhaftigkeit der Tiere äußerst gefährlich sind.

Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, Landwirtschaft und Imkerei

Der Einfluss der Asiatischen Hornisse ist vielfältig und schadet sowohl der Biodiversität als auch der Landwirtschaft, zudem gefährdet sie die menschliche Gesundheit. Ihr Wirken kann schwerwiegende Folgen für die Ökologie haben. Sie ist eine ausgezeichnete Jägerin, die ihre Beute im Flug fängt und sogar vor Bienenstöcken in einer Art Schwebeflug lauert. Dadurch kann sie die Aktivität ganzer Bienenvölker erheblich beeinträchtigen. Neben Honigbienen verzehrt die Asiatische Hornisse auch Wildbienen, Hummeln und viele weitere Insektenarten und -Gruppen. Untersuchungen zeigen, dass die Jägerin wenig wählerisch ist und ein breites Nahrungsspektrum hat. Ein Volk verzehrt jährlich etwa 11 kg Insektenmasse.

Auch für die Landwirtschaft ergeben sich spürbare Folgen. Berichte von Fraßschäden in Obst- und Weinbau nehmen zu. In Frankreich beläuft sich der wirtschaftliche Schaden bereits auf etwa 30 Millionen Euro jährlich. Neben wirtschaftlichen Schäden droht zudem eine erhöhte Gefahr von Stichereignissen. Obwohl Hornissen grundsätzlich weniger aggressiv sind als Wespen, reagiert die Asiatische Hornisse sehr empfindlich auf Störungen in Nestnähe. Bei Annäherung unter fünf Metern können sie aktiv angreifen. Stiche verursachen schmerzhafte Schwellungen und können bei empfindlichen Personen oder Allergikern lebensbedrohliche Anaphylaxien auslösen. Für Imkereien wird die Situation im Spätsommer und Herbst kritisch, wenn die Asiatischen Hornissen systematisch Bienenstöcke attackieren.

Verstärkte Beobachtung

Um die rasante Ausbreitung der Asiatischen Hornisse und Gefahren durch deren Nester einzudämmen, ist es äußerst sinnvoll das Flugverhalten der Asiatischen Hornisse zu beobachten. Die sogenannte Locktopfmethode ist hierfür eine der praktikabelsten Methoden, um Jungköniginnen zu sichten, abzufangen und nach einer Verifizierung zu entnehmen. Fallen, auch sogenannte Lebendfallen, sind per Gesetz verboten, da sie nicht selektiv sind und hohe Beifangraten bei heimischen Arten verursachen.

Bei Sichtungen von Asiatischen Hornissen an Locktöpfen ab Mai kann anhand eines Monitorings mit Erfassung von Flugrichtung und Rückkehrzeit der Sitz des Nestes ermittelt und eine Beseitigung des Nestes durchgeführt werden.

Meldung von Beobachtungen

Da die Asiatische Hornisse als invasive Art in Baden-Württemberg keine natürlichen Feinde hat, ist weiterhin von einer starken Ausbreitung auszugehen. Die Reproduktionsrate liegt zwischen 4 bis 5 Folgenestern pro Jahr. Die Schäden und Gefahren für Mensch und Umwelt werden dabei entsprechend wachsen. Die Eindämmung dieser invasiven Art ist daher als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu werten. Vorrangig liegt es an den hauptsächlich betroffenen Gruppen, den Imkern, Landwirten und auch ehrenamtlich im Naturschutz Tätigen, aktiv zu werden. Eine gesteigerte Aufmerksamkeit für eine beiläufige Beobachtung im Alltag und die Meldung von Sichtungen über das Meldeportal des Landes können in der Breite viel bewegen. Deshalb ist es auch wichtig weitere Personen für die Problematik zu sensibilisieren. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, Verdachtsfälle umgehend über die offizielle Meldeplattform der LUBW zu melden, damit Experten schnell reagieren können.

Liste der geschulten Nestentferner: Liste_Nestentferner260311.pdf

Weitere Informationen: Die Asiatische Hornisse – Vespa velutina: Landesanstalt für Bienenkunde

Meldeplattform LUBW: Asiatische Hornisse melden – Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg

Locktopfmethode

Um die Ausbreitung und die kostenintensive Nestentfernungen im Herbst auszubremsen, können mithilfe von Locktöpfen in den Frühlingsmonaten Jungköniginnen angelockt werden. Die Locktöpfe können auf das Fensterbrett gestellt werden. Bei Verdacht auf eine Asiatische Hornisse kann das Tier lebend abgefangen und durch ein Foto bei der Meldeplattform oder eine Sachkundige Person verifiziert werden.

Einen Locktopf herstellen ist einfach: Schraubglas, Loch in den Deckel, Docht aus gefaltetem Küchentuch oder Leinen durch das Loch ziehen, er sollte bis auf den Boden reichen.

Lockstoff zur Befüllung des Glases: 1/3 Bier, 1/3 lieblichen Wein, 1/3 Himbeersirup oder Ähnliches

Quelle: Handlungsempfehlung: Landesanstalt für Bienenkunde