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Licht, Schatten und Nachbesserungsbedarf

Bei den Naturschutztagen in Radolfzell zogen Naturschutzverbände eine erste Zwischenbilanz zum Biodiversitätsstärkungsgesetz.

Vom 3. bis 6. Januar fanden die alljährlichen Naturschutztage von NABU und BUND in Radolfzell statt. Innerhalb eines breit gefächerten Programms wurde in der Auftaktveranstaltung eine von NABU, BUND, Landesnaturschutzverband und proBiene in Auftrag gegebene Studie anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Biodiversitätsstärkungsgesetzes (BioDivStG) vorgestellt. Mittels Befragungen beteiligter Akteure wurde das bisherige Erreichen der ausgegebenen Ziele bewertet.

Ein sehr gutes Zeugnis stellten die Verbände lediglich der ökologischen Pflege landeseigener Flächen aus. Hier würden doppelt so viele Flächen wie im Landesnaturschutzgesetz festgelegt ökologisch gepflegt. Die Ziele des Biotopverbundes, die Umsetzung des Verbotes von Pflanzenschutzmitteln in Naturschutzgebieten und die Erstellung eines Kompensationsverzeichnisses, seien bisher weitestgehend erreicht, wobei Letzteres nur unzureichend durch das Land gesteuert werde. Mit dem Erhalt der Streuobstbestände in Baden-Württemberg zeigen sich die Verbände nur mäßig zufrieden. Die Rodung von Streuobstbeständen für neue Baugebiete sei bislang zu schnell genehmigt worden. Mittlerweile werde in der Ausgestaltung von Flächennutzungsplänen verstärkt auf den Streuobstschutz geachtet.

Die bisherigen Fortschritte bei den für die Landwirtschaft wichtigsten Zielen des  BioDivStG sind laut der Studie unzureichend. Vor allem die Ausweisung von Refugialflächen bleibt hinter den Erwartungen zurück: Auf Ackerland liegt der Anteil bei nur drei Prozent, in Sonderkulturen bei zwei Prozent. Lediglich im Grünland wurden die Vorgaben bereits übertroffen.

Johannes Enssle, Landesvorsitzender des NABU, hob den hohen Anteil der Fördergelder, die das Land für den ökologischen Landbau mobilisiert, hervor. Diese scheinen  jedoch nicht auszureichen, um eine Umstellungswelle loszutreten. Ebenso ist man mit den bisher erreichten 12 % Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes unzufrieden. Zwar erkennt man die zahlreichen Unternehmungen im Land an, um die anvisierten 40 bis 50 Prozent bis im Jahr 2030 zu erreichen, seien erhebliche Anstrengungen nötig. Zudem fordert man die Veröffentlichungen von Ergebnissen zur Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes. Der BLHV verweist darauf, dass man sich beim Ökolandbau auf einen marktorientierten Ausbau verständigt habe und die Märkte mit Fördergeldern kaum zu beleben seien. Zudem sehe man die Herausforderungen bei der Pflanzenschutzmittelreduktion und die weit entfernte Zielmarke, dennoch setze man auf die Innovationskraft des Berufsstandes und mahnt eine umfassende fachliche Betrachtung der Umstände an.

Patrik Heizmann