In der PM des BÖLW zur BioFach heißt es, dass die steigende Nachfrage zu Knappheiten bei Bio aus Deutschland führt. Eine erfreuliche Nachricht auf den ersten Blick, schließlich scheint der Markt zu boomen und die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu steigen. Doch was steckt wirklich dahinter?
Der Bio-Anteil wächst vor allem im Discounter-Segment. Damit stellt sich die Frage, ob die Knappheit von Bio aus Deutschland vielleicht nicht an der Umstellungswilligkeit der Betriebe liegt, sondern auch daran, was der nachgelagerte Bereich bereit ist zu bezahlen? Bio aus Deutschland hat seinen Preis, nicht nur aufgrund der Standards sondern auch aufgrund der Lohnkosten, Energiekosten, Baukosten etc. Und so stellt sich die entscheidende Frage: Wird der Handel hier bereit sein, langjährige Verträge einzugehen und Preise zu zahlen, die nicht nur den Handelsmarken guttun, sondern auch den Erzeugerbetrieben in Deutschland? Nur festzustellen, dass „Bio aus Deutschland knapp wird“, ist zu kurz gedacht und sagt wenig aus. Für die Umstellung von Betrieben braucht es Planungssicherheit, wirtschaftlich und politisch.
Langfristige Abnahmeverträge und faire Preise sind die eine Seite. Auf der anderen Seite braucht es eine verlässliche agrarpolitische Grundlage. Gerade im Stallbau brauchen Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen über viele Jahre hinweg. Das Beispiel der über 400 rinderhaltenden Betriebe in Deutschland, die im vergangenen Jahr aufgrund der Weidepflicht rückumstellten, zeigt, wie schnell Vertrauen verloren gehen kann.
Die Tierhaltung im Ökobereich wird zunehmend komplexer. Dabei ist gerade sie essenziell für geschlossene Nährstoffkreisläufe und den Humusaufbau. Ohne ausreichend Tierhaltung drohen Nährstoffdefizite eine Entwicklung, vor der DBV- Generalsekretärin Sabet, im Zuge der BioFach gewarnt hatte.
Trotz der Herausforderungen war die Stimmung auf der BioFach-Messe optimistisch. Die Bio-Branche lebt von Zusammenhalt und Idealismus. Viele Betriebe zeigen, dass sich ökologische Wirtschaftsweise und unternehmerisches Denken nicht ausschließen, sondern zusammen gehen. Nebenbei überhöht: der fünfte von sieben Bayrischen Bauernverband Bezirkspräsidenten ist aktuell in der Umstellung auf Bio! Bio ist heute nicht mehr „Vollkornbrotromantik“, sondern ein Teil einer modernen, marktorientierten Landwirtschaft. Ebenso wie die konventionelle Landwirtschaft ökologischer geworden ist, hat auch der Öko-Bereich Elemente der Professionalisierung und Effizienz integriert.
Wer heimisches Bio will muss mehr in die Strukturen vor Ort investieren. Dafür ist essenziell, dass die Politik Planungssicherheit bietet aber auch, dass der Handel die Ansprüche an Tierwohl und Nachhaltigkeit auch finanziell trägt und nicht nur werblich ausschlachtet.
Jennifer Shuler
In der PM des BÖLW zur BioFach heißt es, dass die steigende Nachfrage zu Knappheiten bei Bio aus Deutschland führt. Eine erfreuliche Nachricht auf den ersten Blick, schließlich scheint der Markt zu boomen und die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu steigen. Doch was steckt wirklich dahinter?
Der Bio-Anteil wächst vor allem im Discounter-Segment. Damit stellt sich die Frage, ob die Knappheit von Bio aus Deutschland vielleicht nicht an der Umstellungswilligkeit der Betriebe liegt, sondern auch daran, was der nachgelagerte Bereich bereit ist zu bezahlen? Bio aus Deutschland hat seinen Preis, nicht nur aufgrund der Standards sondern auch aufgrund der Lohnkosten, Energiekosten, Baukosten etc. Und so stellt sich die entscheidende Frage: Wird der Handel hier bereit sein, langjährige Verträge einzugehen und Preise zu zahlen, die nicht nur den Handelsmarken guttun, sondern auch den Erzeugerbetrieben in Deutschland? Nur festzustellen, dass „Bio aus Deutschland knapp wird“, ist zu kurz gedacht und sagt wenig aus. Für die Umstellung von Betrieben braucht es Planungssicherheit, wirtschaftlich und politisch.
Langfristige Abnahmeverträge und faire Preise sind die eine Seite. Auf der anderen Seite braucht es eine verlässliche agrarpolitische Grundlage. Gerade im Stallbau brauchen Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen über viele Jahre hinweg. Das Beispiel der über 400 rinderhaltenden Betriebe in Deutschland, die im vergangenen Jahr aufgrund der Weidepflicht rückumstellten, zeigt, wie schnell Vertrauen verloren gehen kann.
Die Tierhaltung im Ökobereich wird zunehmend komplexer. Dabei ist gerade sie essenziell für geschlossene Nährstoffkreisläufe und den Humusaufbau. Ohne ausreichend Tierhaltung drohen Nährstoffdefizite eine Entwicklung, vor der DBV- Generalsekretärin Sabet, im Zuge der BioFach gewarnt hatte.
Trotz der Herausforderungen war die Stimmung auf der BioFach-Messe optimistisch. Die Bio-Branche lebt von Zusammenhalt und Idealismus. Viele Betriebe zeigen, dass sich ökologische Wirtschaftsweise und unternehmerisches Denken nicht ausschließen, sondern zusammen gehen. Nebenbei überhöht: der fünfte von sieben Bayrischen Bauernverband Bezirkspräsidenten ist aktuell in der Umstellung auf Bio! Bio ist heute nicht mehr „Vollkornbrotromantik“, sondern ein Teil einer modernen, marktorientierten Landwirtschaft. Ebenso wie die konventionelle Landwirtschaft ökologischer geworden ist, hat auch der Öko-Bereich Elemente der Professionalisierung und Effizienz integriert.
Wer heimisches Bio will muss mehr in die Strukturen vor Ort investieren. Dafür ist essenziell, dass die Politik Planungssicherheit bietet aber auch, dass der Handel die Ansprüche an Tierwohl und Nachhaltigkeit auch finanziell trägt und nicht nur werblich ausschlachtet.
Jennifer Shuler