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Bio-Pioniergeist und Vernetzung: Exkursion zu Vorzeigebetrieben

Am 2. Juni trafen sich die Fachausschüsse Ökologischer Landbau des Landesbauernverbands (LBV) und des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands auf Einladung des LBV zu einer Exkursion auf zwei Vorzeigebetrieben. Im Fokus standen dabei innovative Ansätze, Herausforderungen und die Bedeutung von Vernetzung im ökologischen Landbau.

Bio-Hotel Mohren: Tradition und Moderne im Einklang

Die erste Station führte auf den landwirtschaftlichen Betrieb des Bio Hotel & Restaurant Mohren, bewirtschaftet von Markus und Corinna Decker. Seit den 1980er-Jahren wird hier biologisch gewirtschaftet – auf rund 90 Hektar, verteilt auf Wald, Acker und Dauergrünland. Mit 75 Angus-Rindern, die direkt auf dem Betrieb geschlachtet werden (über Fairfleisch mit mobiler Schlachteinheit), setzt der Hof auf kurze Wege und vollständige Verwertung: Alle zwei bis drei Wochen wird ein Rind geschlachtet, inklusive Altkühe, und komplett in der eigenen Gastronomie verarbeitet. Auch Feldgemüse, Zwetschgen, Äpfel, Bärlauch, Walnüsse und selbst Hackschnitzel für die Heizung stammen aus eigenem Anbau.

Besonderes Augenmerk liegt auf der tiergerechten Haltung: Saisonale Abkalbung im Winter, reines Raufutter (kein Mais oder Getreide, außer als Lockmittel) und die Kastration der Bullen mit etwa zwei Monaten vor dem Weideauftrieb, so können alle Tiere in einer Herde bleiben. Auf den Weiden gibt es Witterungsschutzräume wie Wald, Streuobst und Hecken. Über diese tauschten sich die Mitglieder der Fachausschüsse lange aus, denn Landschaftselemente müsse man sich leisten können. Die Bürokratie sei überbordend – Agroforst-Anträge seien „umständlich bis abschreckend“. Statt Vorgaben brauche es mehr Freiraum und Anreize, um Schutzstreifen oder Agroforst attraktiv zu gestalten, besonders auf Pachtflächen, denn oftmals scheuen sich die Landwirtinnen und Landwirte davor, da die Konsequenzen schlecht absehbar sind oder bereits klar ist, dass beispielsweise eine neu angelegte Streuobstwiese nicht wieder rückgängig gemacht werden darf.

Die Verbindung von Landwirtschaft und Gastronomie ist ein Erfolgsmodell: Die Kulisse und Geschichte des Hofes bereichern das Hotel, auch wenn die Interaktion mit den Gästen heute weniger häufig und direkt ist. „Die Gäste haben sich verändert, aber die Aufklärungsarbeit bleibt wichtig“, so die Mohrens. Die monatliche Abrechnung zwischen Betrieb und Gastronomie sorgt für klare Strukturen.

David Gutjahr, Vorsitzender des LBV-Fachausschusses, selbst erst seit sechs Jahren im Ökolandbau aktiv, zeigte sich beeindruckt: „Es ist toll, einen so eingesessenen Biobetrieb zu sehen!“

Bio-Obsthof Glocker: Innovation und Vernetzung

Nach einem vorzüglichen Mittagessen im Bio-Hotel Mohren führte die zweite Station zum Bio-Obsthof Glocker in Horgenzell, Preisträger des Bundespreises Ökologischer Landbau. Nikolaus Glocker, Betriebsleiter und Mitglied im Fachausschuss des LBV sowie Vorstandsmitglied der FÖKO (Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau,), führte durch den Betrieb. Seit 1975 gibt es hier Obstanlagen, 1992 wurde auf reinen Obstbau umgestellt und im Jahr 2000 folgte die Bio-Umstellung. Heute werden Sauerkirschen, Äpfel, Schwarze Johannisbeeren und Birnen angebaut – stets mit Fokus auf Biodiversität und Bodenleben.

Glockers Ansatz ist experimentell und ganzheitlich: In den Obstreihen werden beispielsweise abwechselnd die Mitten und Seiten gemäht, um immer einen hohen Grasstreifen als Lebensraum zu erhalten. Auf ehemaligen Anbauflächen wachsen Klee und Luzerne, deren Heu später als Nahrung für das Bodenleben in bestehenden Anlagen ausgebracht wird. Ausgediente Obstanlagen werden gerodet, gehäckselt und als Kompost wiederverwertet. Ein Bewässerungsteich, 2019 nach langem Genehmigungsmarathon fertiggestellt, versorgt nun mehrere Anlagen über eine unterirdische Bewässerungsanlage.

Für Glocker ist der Bundespreis eine Anerkennung für die gesamte Branche: „Der Preis ist für uns alle. Zusammen sind wir stark, und die Vernetzung zwischen Erzeugern und Verarbeitern ist entscheidend.“ Die Arbeit bei der FÖKL sieht er als zentral an, um den Dialog zwischen allen Akteuren zu fördern, von Erzeugern bis hin zu Verarbeitern, Vermarktern und Forschung.

Austausch und Ausblick

Der Tag war geprägt vom fruchtbaren Austausch zwischen den Landwirtinnen und Landwirten der beiden Fachausschüsse. Passend zum Wetterumschwung fand zum Abschluss eine kurze Sitzung im Trockenen statt. Michelle Lumpe, Geschäftsführerin des LBV-Fachausschusses, wies auf den Tag des Ökologischen Landbaus beim Landwirtschaftlichen Hauptfest (2. Oktober 2026) hin und ordnete den baden-württembergischen Koalitionsvertrag in Bezug auf den ökologischen Landbau ein. Zudem stellte sie das neue Positionspapier des DBV vor: „Die Zukunft des Ökolandbaus sichern: Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für nachhaltige Bodenfruchtbarkeit stärken“, an dem die beiden  Fachausschüsse mitgewirkt hatten (DBV-Positionspapier_Die_Zukunft_des_OEkolandbaus_sichern.pdf).

Jennifer Shuler (BLHV) sprach über die aktuelle Situation von Ökobetrieben auf Gemeinschaftsweiden und Adrian Grieshaber (LBV) berichtete über Neuerungen in der GAP und im Gemeinsamen Antrag. Eva Regel, die Koordinatorin des ÖkoNetz BW stellte sich und ihre Arbeit vor, mit vielen spannenden Veranstaltungen auf landwirtschaftlichen Betrieben, für Bio- und konventionelle Betriebsleiter offen sind (mehr Infos hier: ÖkoNetzBW – Bio-aus-BW)

Johannes Schwörer, Vorsitzender des Fachausschusses des BLHV, bedankte sich im Namen des BLHV bei Michelle Lumpe und David Gutjahr für die Organisation und lud bereits für 2027 zu einer weiteren Exkursion ein. „Der gemeinsame Fachausschuss und der Austausch sind eine Bereicherung für alle“, so Schwörer.

Die Exkursion zeigte: Ökologischer Landbau lebt von Pioniergeist, Innovation und Vernetzung. Ob beim Bio-Hotel Mohren mit seiner ganzheitlichen Verwertung oder beim Bio Obsthof Glocker – Erfolg stellt sich ein, wenn Betreiber mutig neue Wege gehen und sich untereinander austauschen.

Jennifer Shuler