Nischenprojekte für Bauern und Natur

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Nischenprojekte für Bauern und Natur

| Verbandsarbeit

Wie jedes Jahr nutzte der BLHV bei der gemeinsamen Weihnachts-Pressefahrt mit ForstBW die Gelegenheit, mit Journalisten die jüngste Einkommensentwicklung der Bauern und weitere Themen zu erörtern, die Südbadens Landwirtschaft derzeit beschäftigen.

Exkursionsziele für die wiederum zahlreich im Bus mitgereisten Journalisten waren diesmal von Seiten der ForstBW das Naturschutzprojekt Wilde Wald-Weide in Kappel-Grafenhausen und von Seiten des BLHV die Demeter-Ziegenkäserei Monte Ziego in Teningen. Zusammen mit dem Schweizer Unternehmen Holle baby food entsteht dort gerade der Neubau einer Sprühtrocknungsanlage; Investitionsvolumen 26 Millionen Euro. Die Investoren sehen bei Ziegenmilch für Babynahrung einen sehr aufnahmefähigen Markt (die BBZ berichtete).

 

Große Ziele mit Ziegenmilch

Die Rohstoffversorgung für die Milchpulverproduktion soll über Zukauf unterschiedlicher Herkunft gesichert werden, wie  Udo Fischer, Geschäftsleitung Holle baby food, und Martin Buhl, Geschäftsführer von Monte Ziego, erläuterten. Martin Buhl bekundete, dass er seit Jahren um noch mehr regionale Milchziegenhalter werbe, aber nicht genügend finde, obwohl er seine Konditionen als attraktiv bezeichnet. Es gibt wohl noch reichlich emotionale Vorbehalte, sich auf Ziegenhaltung einzulassen, zu diesem Schluss kam man in einer Diskussionsrunde. Ebenfalls zur Sprache kam: Die Ziege ist ein Tier mit anderen Verhaltensweisen als eine Kuh. Und Ziege ist nicht gleich Ziege: Für die Milchproduktion steht die Leistung im Vordergrund und es besteht Bedarf an hochwertigem Grundfutter.

 

Fläche schonen

BLHV-Präsident Werner Räpple betrachtete Ziegenhaltung in seinem Fazit „als eine Alternative für den Schwarzwald, aber nicht als die eine Alternative“.

Von ähnlich interessantem Nischencharakter mit Bedeutung für die Landwirtschaft ist das Wald-Weide-Projekt in Kappel-Grafenhausen. 2015 wurde es auf Initiative von Bürgermeister Jochen Paleit gestartet.  Die  Tiere im Wald hält der ortsansässige Landwirt Tilman Windecker, bei dem so der Betriebszweig „Naturschutz“ hinzugekommen ist. „Wald-Weiden waren bis 1830 hier typisch“, informierte Paleit darüber, dass er nicht Erfinder dieser Haltungsform sei. Naturschutz-Ziel der Beweidung des Auwaldes ist ein lichter Wald mit Eichen und Ulmen. Der Landwirtschaft ist gedient, weil die Maßnahme mit reichlich Ökopunkten verbunden ist. Das heißt, man kann damit Naturschutzausgleich für Baumaßnahmen betreiben. „Solche Maßnahmen eignen sich, Landwirtschaftsfläche zu schonen“, hob BLHV-Präsident Werner Räpple anerkennend hervor. Für den ganzen Wald sei das aber keine Lösung, es müsse auch Wald aus wirtschaftlichen Gründen geben. Die Einkommensentwicklung im vergangenen Wirtschaftsjahr 2017/2018 (Stichtag 30. Juni 2018) und weitere aktuelle Herausforderungen und Probleme für die regionale Landwirtschaft wurden vom BLHV beim abschließenden Pressegespräch thematisiert.

Räpple machte angesichts des Dürrejahres 2018 grundlegende Schwierigkeiten mit dem Zahlenwerk deutlich, das von Juli 2017 bis Juni 2018 (Wirtschaftsjahr) reicht. Im konkreten Fall sind die wirtschaftlichen Folgen der Dürre noch gar nicht eingerechnet.

 

Durchwachsenes Wirtschaftsjahr

BLHV-Präsident Werner Räpple bilanzierte das Wirtschaftsjahr 2017/2018 für die landwirtschaftlichen Betriebe in Südbaden insgesamt als „durchwachsen“. Zwar seien die Milchviehbetriebe vorerst noch auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung, demgegenüber hätten die Veredlungsbetriebe ihren Aufschwung nicht fortsetzen können. Die Ackerbaubetriebe verharren weiterhin auf niedrigem Niveau. Im Obst- und Sonderkulturbereich zeige sich ein geteiltes Bild: Nicht vom Frost geschädigte Betriebe konnten demnach dank guter Preise ihre Unternehmensergebnisse steigern, bei denjenigen mit größeren Schäden konnte nur die staatliche Frosthilfe Verluste verhindern. Baden-Württemberg ist im bundesweiten Einkommensvergleich erneut Schlusslicht. Auch aus diesem Grund hält Räpple die Direktzahlungen der EU zur Existenzsicherung der Betriebe weiterhin für unerlässlich. 

 

enz