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Auf der Sonnenseite und auf der Schattenseite

Was tut sich an den landwirtschaftlichen Märkten?  Die Preisausschläge sind enorm und die Rahmenbedingungen ändern sich schnell, wurde bei den Vorträgen beim  BLHV-Verbandsausschuss vorige Woche in Denzlingen deutlich.

Den Anfang machte Andreas Schneider. Der Schwarzwaldmilch-Geschäftsführer beschrieb den Milchmarkt als im Moment geprägt durch ein knappes Angebot:  Die Milchanlieferung in Deutschland liege bis jetzt im Verlauf des Jahres rund 2,3 % unter der Vorjahreslinie. Das führe zu einer engen Marktversorgung. Molkereien „vom Stamme Primitiv“ zahlten in so einer Marktsituation vergleichsweise gut aus, weil sie einfach verkaufen und die Preiserhöhungen schnell umsetzen könnten, erklärte er. Wer wie die Schwarzwaldmilch im Markengeschäft unterwegs sei, habe Mengen in Kontrakten gebunden und profitiere erst mit Verzögerung.

Eher träge

Auf der Nachfrageseite sei der Markt 2021 im bisherigen Verlauf „schlecht fundiert und eher träge“. Problematisch seien Produkte wie Trinkmilch und Fruchtjoghurt. Wachstum komme von speziellen Sahneprodukten, der SB-Käsetheke, Bio und Weidemilch. Am dynamischsten wachse  der Absatz von Milchalternativen mit einem Plus von
40 % gegenüber dem Vorjahr – wovon auch die Schwarzwaldmilch mit ihrer Marke Velike profitiere. Jüngstes Erfolgsprodukt seien vegane Joghurts, die zu 2,49 Euro für das 500-Gramm-Glas im Laden stehen – die vergleichbaren Produkte der Schwarzwaldmilch aus Milch kosten 1,79 bis 1,99 Euro. „Wir haben für diese Produkte die größte Listungsbereitschaft vom Handel, die wir je hatten, und sofort Nachfragen aus ganz Deutschland“, berichtete Schneider. Aktuell sei der Markt auch durch die Verteuerung von Kunststoffen, Energie, Papier und weiteren Vorprodukten als Folge der Corona-Krise gekennzeichnet. Eine Fruchtdosage für Himbeer-Joghurt koste beispielsweise plötzlich 80 % mehr.  „Wir müssen im Moment Preiserhöhungen durchkämpfen“, stellte Schneider fest.

Auf der Nachfrageseite sei der Markt 2021 im bisherigen Verlauf „schlecht fundiert und eher träge“. Problematisch seien Produkte wie Trinkmilch und Fruchtjoghurt. Wachstum komme von speziellen Sahneprodukten, der SB-Käsetheke, Bio und Weidemilch. Am dynamischsten wachse  der Absatz von Milchalternativen mit einem Plus von
40 % gegenüber dem Vorjahr – wovon auch die Schwarzwaldmilch mit ihrer Marke Velike profitiere. Jüngstes Erfolgsprodukt seien vegane Joghurts, die zu 2,49 Euro für das 500-Gramm-Glas im Laden stehen – die vergleichbaren Produkte der Schwarzwaldmilch aus Milch kosten 1,79 bis 1,99 Euro. „Wir haben für diese Produkte die größte Listungsbereitschaft vom Handel, die wir je hatten, und sofort Nachfragen aus ganz Deutschland“, berichtete Schneider. Aktuell sei der Markt auch durch die Verteuerung von Kunststoffen, Energie, Papier und weiteren Vorprodukten als Folge der Corona-Krise gekennzeichnet. Eine Fruchtdosage für Himbeer-Joghurt koste beispielsweise plötzlich 80 % mehr.  „Wir müssen im Moment Preiserhöhungen durchkämpfen“, stellte Schneider fest.

Insgesamt sieht er seine Molkerei im laufenden Jahr auf gutem Kurs, macht sich aber mit Blick auf die kommenden Jahre Sorgen: Der Markt und sein Umfeld verändere sich so schnell, dass viele landwirtschaftliche Betriebe damit überfordert seien. Die Molkerei müsse in dieser Situation Schritte klar einleiten, „wir können nicht auf jede Stimme hören“, sagte Schneider. Mit Blick auf den Klimawandel sei es schlicht so, dass Milchprodukte eine schlechtere CO2-Bilanz aufwiesen als vegane Ersatzprodukte auf Haferbasis. Bis Ende 2022 wolle die Molkerei klimaneutral produzieren. Auch Milchprodukte aus dem Labor seien in der Pipeline: Ein solchermaßen produzierter Camembert soll 2022 auf den Markt kommen.

Bedenklich sei auch  die Entwicklung beim Thema Tierwohl. Die Haltungsstufe 1 – sprich die ganzjährige Anbindehaltung –  komme unter Druck. Aldi wolle ab 2025 solche Produkte nicht mehr, ab 2030 nur noch Haltungsstufe 3 und 4. „Wir könnten als Molkerei auf diese Milchmenge verzichten, aber die Struktur des Schwarzwalds würde brutal leiden“, sagte Schneider und erinnerte daran, dass die Molkerei Milchprodukte und Kulturlandschaft gleichermaßen verkaufe.

Motivation

Eine getrennte Erfassung könne und wolle die Molkerei nicht machen. Mit einer Anhebung der Prämie für Weidemilch um 0,5 Cent auf 2 Cent/kg reagiere man beim Auszahlungspreis. Die Mengenstaffel werde zurückgenommen, für Laufstall und Auslaufmöglichkeiten mit je 0,25 Cent/kg kleine Prämien gezahlt, die motivieren sollen. „Die Kosten werden hochgetrieben und wir bekommen das schwer am Markt umgesetzt“, stellte BLHV-Präsident Werner Räpple in der Diskussion fest. Dass man sehenden Auges in einen Strukturbruch hineingehe,  beklagte ein von der Politik enttäuschter Eckhard Schmieder als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft für Höhenlandwirtschaft.  

Auf der Sonnenseite stehen die Anbieter von Getreide und Ölsaaten, berichtete der für den Agrarbereich zuständige ZG-Vorstand Dr. Holger Löbbert. Er erwartet zumindest bis Mitte 2022 eine Fortsetzung der Preisrallye bei Getreide. Er erinnerte an die nun schon über Jahre hinweg defizitäre Welt-Getreidebilanz und die schwache Weizenqualität der diesjährigen Ernte. Außerdem stützten Investmentfonds die Kurse, die sich damit allerdings ein Stück weit von den physischen Märkten abkoppelten.

Die Körnermaisernte in Baden sei zu einem Drittel eingebracht. Gute Erträge, hohe Feuchtewerte und bisher unter den Grenzwerten liegende Mykotoxin-Werte zeichnen die Ernte aus. „Die Trockner sind der Engpass“, beschrieb Löbbert den Fortgang der Ernte.

Den aktuellen Rapspreis hält Löbbert allerdings trotz hoher Rohöl- und Gaspreise für überbewertet, wobei das Trockenheitsgespenst La Niña mit Tilda in Südamerika noch für Überraschungen sorgen könnte.

Er riet zur Nutzung der guten Preise über Vorkontrakte und Kontrakte mit Preisabsicherung (PAP), bei denen die Erzeuger von möglichen weiteren Preissteigerungen profitieren könnten.

Allerdings gebe es auch eine Schattenseite: „Die Düngerpreise schießen durch die Decke.“ Auch hier erwartet er weitere Preissteigerungen, insbesondere für N-Dünger. Trotz der hohen Preise sollte man sich mit Ware für die erste Gabe im Frühjahr eindecken. Die ZG werde die Versorgung irgendwie hinbekommen – Löbbert sprach von einem Drahtseilakt – aber die Landwirte müssten rechtzeitig ordern. Mitglieder würden zuerst bedient. Über den Anbau von stickstoffärmeren Kulturen wie Braugerste und Körnerleguminosen müsse man nachdenken.

Während die Winzer in Deutschland annähernd eine Normalernte eingebracht haben, fehlen in Baden rund 20 %, sagte Rainer Zeller, Präsident des Badischen Weinbauverbandes. Er erinnerte daran, dass die geplante  Mindestlohn-Anhebung auch Winzer betreffe. Die Arbeitszeiten im Weinberg müssten überdacht werden, aber immer in Abhängigkeit davon, für welches Marktsegment produziert werde. Das nationale Insektenschutzgesetz stelle den Steillagenanbau in Wasserschutzgebieten in Frage. Hier brauche es Lösungen für 2022. Zeller erinnerte daran, dass die Imagekampagne des Weinbauverbandes („Baden – der Garten Deutschlands“) auch für andere landwirtschaftliche Produkte offenstehe.

Der Corona-Hype mit extremer Nachfrage nach regionalem Obst und Gemüse habe sich abgeflacht, berichtete Ute Bader vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband. Sie geht von einem massiven Trend in Richtung geschütztem Anbau aus. Sorgen bereiten den badischen Genossenschaften die schwieriger werdenden Rahmenbedingungen, als Stichworte nannte sie neben dem Mindestlohn Regulatorik, Klimawandel und  Pflanzenschutz. Dies könne zu einer Beschleunigung des Strukturwandels und möglicherweise zu einem Rückgang des Selbstversorgungsgrades mit deutschem Obst und Gemüse führen. 

Strukturbruch

Timo Schumann, Referent beim Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW), ging auf die Lage am Schweinemarkt ein, wo Sauenhalter im Moment rund 20 Euro pro verkauftem Ferkel drauflegen. „Unsere Viehhändler erwarten einen Strukturbruch auch bei größeren Ferkelerzeugern“, sagte Schumann. Ende 2022 dürften süddeutsche Ferkel sehr knapp werden. Er erinnerte an die Diskussion um Kastration und die Haltungsformen. Deckzentren müssten angepasst werden, Spalten werden kritisch gesehen: „Wir reden dann über eine ganz andere Produktion“, resümierte er. Für die Haltungsstufen 3 und 4 seien fundamentale bauliche Veränderungen nötig. Das Thema Haltungsformen habe die Politik verschlafen, es gebe nun nicht deckungsgleiche Vorgaben innerhalb einer Vielzahl von Markenprogrammen für die Haltungsstufen 3 und 4, der Lebensmittel-Einzelhandel gebe den Takt vor. Die Zahl der „freien“ Schweine nehme ab, es gehe in Richtung einer vertragsgebundenen Landwirtschaft – was Chancen, aber auch Risiken biete. Viehhändler müssten sich die Frage stellen, ob sie nur noch Spediteure bei Vertragsprogrammen seien. Der  Rindfleischmarkt sei im Moment ausgeglichen. Bei den Rindern werde die Haltungsstufe 2 mehr oder weniger übergangen und der Handel strebe die Haltungsstufen 3 und 4 mit Offenfrontställen und GVO-freier Fütterung an. Problematisch sei, dass es in Baden-Württemberg zu viele Kälber gebe. Er erinnerte an den politisch ausgelösten Marktschock wegen der Diskussion um Kälbertransporte nach Spanien und in die Niederlande. Kalbfleisch sei in Deutschland ein schwieriges Produkt und Kälbermastbetriebe aufzubauen gehe nicht schnell. Aus dem Publikum kam die Anregung, dass aus der Milchkuhhaltung aussteigende Betriebe oder auch Mutterkuhhalter Kälber der Milchviehhalter mästen könnten. Die Mutterkuhhaltung verschärfe das Problem noch, weil  Mutterkühe zusätzliche Kälber erzeugten.

René Bossert

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