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Nach der Dürre auf dem Feld droht die Dürre auf dem Konto: BLHV fordert verlässliche Dieselentlastung 

Mit einem Pressegespräch vor dem Haus der Bauern macht der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) am Dienstag, 22.09.2026, auf die angespannte wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe aufmerksam und bewertet die von der Bundesregierung angekündigten Entlastungen beim Diesel.  

Mitglieder des BLHV-Vorstands vor dem Haus der Bauern in Freiburg. Gemeinsam machen sie auf die angespannte wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe aufmerksam.

Der BLHV sieht die Senkung der Energiesteuer grundsätzlich positiver als andere diskutierte Instrumente wie eine Mehrwertsteuersenkung oder Direktzahlungen: “Der Tankrabatt ist ein Schritt in die richtige Richtung. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet die Entlastung von rund 17 Cent pro Liter brutto zwar eine kurzfristige Hilfe, aber die Maßnahme ist auf drei Monate begrenzt und schafft keine langfristige Planungssicherheit. Entscheidend ist, wie die Spritpreisbremse ab 2027 ausgestaltet wird. Die Landwirtschaft braucht wettbewerbsfähige und kalkulierbare Energiekosten statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen”, so BLHV-Präsident Bernhard Bolkart. 

BLHV-Präsident Bernhard Bolkart fordert langfristige Entlastungen beim Diesel für die Landwirtschaft.

Denkbar wäre dabei auch ein Agrardiesel-Modell nach französischem Vorbild, bei dem die Steuerentlastung direkt beim Bezug über den Händler abgezogen wird, statt erst nachträglich über eine Rückvergütung zu wirken. Das würde die Betriebe unmittelbar entlasten, Liquidität sichern und Bürokratie reduzieren.

Die Diesel-Belastung trifft die Betriebe in einer besonders schwierigen Phase. Nach Dürresommer und schwachen Erträgen beginnt nun das neue Anbaujahr: “Viele Betriebe müssen derzeit einen Spagat leisten, den man auf Dauer nicht halten kann. Nach schwachen Ernten fehlt Geld in der Kasse, gleichzeitig müssen sie jetzt schon die nächste Ernte vorfinanzieren. Diesel, Dünger, Futter und Maschinen bleiben teuer, während die Erlöse unsicher sind. Nach der Dürre auf dem Feld droht die Dürre auf dem Konto“, warnt Bolkart. 

Gleichzeitig macht der BLHV deutlich: Die Landwirtschaft will nicht dauerhaft in fossilen Abhängigkeiten bleiben. Gerade bei schweren Maschinen fehlen derzeit jedoch praxistaugliche Alternativen. Heimische Biokraftstoffe können deshalb eine wichtige Brücke sein, für mehr Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Diese seien politisch aber nicht gewollt, kritisiert der Verband. 

BLHV-Vizepräsident Martin Linser, BLHV-Präsident Bernhard Bolkart und BLHV-Vorstandsmitglied Stefan Leichenauer vor dem Haus der Bauern in Freiburg (v. l. n. r.).

„Ein Mähdrescher fährt heute nicht einfach mit Strom. Aber die Landwirtschaft kann mit Biokraftstoffen und nachwachsenden Rohstoffen selbst Teil der Lösung sein. Dafür braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen statt zusätzlicher Unsicherheit“, so Bolkart. 

Der BLHV fordert eine langfristige Strategie für wettbewerbsfähige und verlässlich kalkulierbare Energiekosten in der Landwirtschaft mit Technologieoffenheit und Förderung erneuerbarer Kraftstoffe, damit die Betriebe in Südbaden auch in Zukunft verlässlich Lebensmittel produzieren können. 

Wie sich diese Belastungen konkret auf den Höfen in Südbaden zeigen, machten BLHV-Vizepräsident Martin Linser und BLHV-Vorstandsmitglied Stefan Leichenauer anhand ihrer betrieblichen Erfahrungen deutlich.

BLHV-Vizepräsident Martin Linser erklärt, dass die Dieselbelastung in Südbaden eine besondere Dimension hat: „Unsere Betriebe wirtschaften in einer kleinstrukturierten Landschaft. Viele Flächen sind klein, zerschnitten oder unregelmäßig geformt. Das bedeutet mehr Wenden, mehr Rangieren, mehr Fahrten zwischen den Schlägen und damit auch einen höheren Dieselverbrauch pro Hektar. Zugleich ist genau diese Struktur gesellschaftlich ausdrücklich gewollt: Sie prägt unsere Kulturlandschaft, schafft Lebensräume, erhält Biodiversität und macht die Vielfalt Südbadens aus. Wer diese kleinteilige Landwirtschaft erhalten will, muss deshalb auch anerkennen, dass sie unter anderen Bedingungen arbeitet als Betriebe auf großen, ebenen Flächen.“

BLHV-Vizepräsident Martin Linser verweist auf die besondere Belastung der Betriebe in Südbaden.

BLHV-Vorstandsmitglied Stefan Leichenauer beschreibt, was die Kostenentwicklung auf den Höfen konkret bedeutet: „Dünger wird teurer, Pflanzenschutz wird teurer, Maschinenkosten steigen und irgendwo muss dieses Geld herkommen. Für viele Familienbetriebe ist das nicht nur eine betriebswirtschaftliche Frage, sondern auch eine Frage der Zukunft. Wenn man zwei Jungs hat, die Landwirt lernen und mit Leidenschaft dabei sind, ist es eine sehr schmerzhafte Zeit. Ich bin stolz drauf, dass sie es machen, aber es macht mir auch Bauchweh.“

BLHV-Vorstandsmitglied Stefan Leichenauer betont die Bedeutung langfristiger Lösungen für die nächste Generation.