News Forderungen Politik Verbandsarbeit

Vorsorgen statt Krisen verwalten

Bei zwei Gesprächen mit der CDU machte der BLHV deutlich, was Betriebe brauchen, um Dürre, Klimawandel und wirtschaftliche Krisen besser zu bewältigen.

Wie können landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg widerstandsfähiger werden und zugleich wirtschaftlich bestehen? Darüber tauschte sich der BLHV bei zwei Terminen mit der CDU aus. Am 14. Oktober ging es mit der agrarpolitischen Sprecherin Isabell Huber auf den Betrieben von Andreas Deyer in Mühlingen und Stefan Leichenauer in Tengen-Uttenhofen um aktuelle agrarpolitische Herausforderungen. Am 17. Oktober folgte beim Bezirksagrarausschuss der CDU in Bräunlingen auf dem Betrieb von Simon Frey der Austausch mit Ministerin Marion Gentges. Im Mittelpunkt standen Dürre, Wasserversorgung und Risikovorsorge ebenso wie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), erneuerbare Energien und die Verwaltungsreform. 

Die diesjährige Dürre hat aus Sicht des BLHV erneut gezeigt, wie wichtig widerstandsfähige Betriebe und schnelle politische Reaktionen sind. Das Hilfspaket des Landes und die Futtermittelbeihilfen über fünf Millionen Euro begrüßte der Verband. Gleichzeitig müsse aus den Erfahrungen gelernt werden. Die Politik müsse in Krisensituationen schneller reagieren und den Betrieben zugleich die Möglichkeit geben, kurzfristig zu handeln. Dazu brauche es mehr Flexibilität, etwa bei FAKT und bei der Freigabe von Stilllegungsflächen zur Futtergewinnung. 

Doch Vorsorge beginnt früher, waren sich die Beteiligten einig. Betriebe müssten grundsätzlich in die Lage versetzt werden, Rücklagen für Krisenzeiten zu bilden. „2026 war keine Ausnahme! Wir müssen unseren Betrieben ermöglichen, sich auf Klimaextreme und andere Krisen vorzubereiten. Neben der Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage brauchen die Betriebe vor allem Flexibilität in der Bewirtschaftung“, so BLHV-Präsident Bernhard Bolkart. Auch die Themen Wasserverfügbarkeit und Wassermanagement in der Landwirtschaft wurden diskutiert. Der Verband fordert bessere Rahmenbedingungen für Bewässerung, die Ertüchtigung von Quellfassungen und Wasserrückhalt sowie eine klare Priorisierung bei Nutzungskonflikten. Nach der Trinkwasserversorgung müsse im Ernstfall die Versorgung der Landwirtschaft Vorrang vor Industrie und Gewerbe haben. 

Neben der Frage, wie sich Betriebe selbst widerstandsfähiger aufstellen können, ging es um die Rahmenbedingungen der geplanten Verwaltungsreform. Mehr Digitalisierung und Beratung sowie einheitlichere Verwaltungsabläufe sollen künftig für Entlastung sorgen, erläuterte Gentges. In den kommenden Jahren solle die Beratung an den unteren Landwirtschaftsbehörden ausgebaut und im Gegenzug die Kontrollen verringert werden. Unterstützung und Vertrauen müssten im Mittelpunkt stehen, so die Ministerin. Im Falle einer Nichteinhaltung müssten dann allerdings die Sanktionen erhöht werden. Der Berufsstand wird in die Umsetzung der Verwaltungsreform eingebunden. 

Über die aktuellen Herausforderungen hinaus richtete BLHV-Präsident Bolkart den Blick auf die künftige GAP. Er forderte die Sicherung eines eigenständigen europäischen Agrarbudgets und betonte die besondere Bedeutung der ersten Hektare, des Zwei-Säulen-Modells mit Anreizkomponenten sowie einer starken Junglandwirteförderung. „Ernährungssouveränität kann ohne ein eigenständiges Agrarbudget nicht erreicht werden, schon gar nicht mit einer bäuerlichen, kleinteiligen und resilienten Landwirtschaft“, so Bernhard Bolkart. Gerade für die Strukturen in Südbaden seien verlässliche Agrarmittel entscheidend. Auch gegenüber Isabell Huber hatte der BLHV gefordert, Ernährungssouveränität politisch stärker zu verankern. 

Beide Gespräche machten denselben Handlungsbedarf sichtbar: Resiliente Landwirtschaft braucht nicht nur Unterstützung, wenn die Krise bereits da ist. Sie braucht Rahmenbedingungen, die es den Betrieben ermöglichen, selbst vorzusorgen, zu investieren und unternehmerisch zu handeln.