Das Hofübergabe-Plenum ist ein jährlich stattfindendes Vernetzungstreffen von Organisationen und Beraterinnen und Beratern, die sich mit Hofnachfolge und Hofübergabe in Südbaden beschäftigen. In diesem Jahr waren insgesamt 19 Organisationen vertreten, darunter der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV), das Bildungshaus Kloster St. Ulrich, die landwirtschaftliche Familienberatung Familie und Betrieb, die Bioland-Beratung, die Katholische Landbewegung (KLB) sowie die Landratsämter Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und Konstanz.
Nach der Begrüßung durch Angelika Pietschmann und einer kurzen Vorstellungsrunde stellte Jennifer Shuler die Arbeit der Vertrauensstelle für außerfamiliäre Hofübergabe vor. Die Stelle hat sich seit ihrem Start im Jahr 2022 als zentrale Anlaufstelle für das Thema außerfamiliäre Hofnachfolge etabliert. Derzeit stehen 93 Suchende rund 50 Betrieben gegenüber. Die Vertrauensstelle übernimmt dabei eine wichtige Filterfunktion. Sowohl für Betriebe als auch für Suchende bleibt der Prozess bis zu einem ersten Kennenlernen anonym.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die intensive Vermittlungsarbeit:
- 294 Hofprofile wurden an Interessierte verschickt.
- Zwölfmal kam es zu einer gegenseitigen Kontaktaufnahme.
- Fünf Paare befinden sich derzeit in vertieften Gesprächen.
- Acht Betriebe haben im Laufe der Zeit eine Nachfolgelösung gefunden, vier davon mit Unterstützung der Vertrauensstelle.
- Eine außerfamiliäre Hofübergabe konnte vermittelt und bereits vertraglich abgeschlossen werden.
Für das Jahr 2027 stellte Isabelle Kling beim Verbandsausschuss des BLHV Anfang Juli eine Finanzierung der Vertrauensstelle durch das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) in Aussicht.
Im Anschluss stellte Clara Wagner von der Technischen Universität München zentrale Erkenntnisse ihrer Forschung zu landwirtschaftlichen Familienbetrieben im Generationenwechsel vor. Ein Generationenwechsel in der Landwirtschaft unterscheidet sich grundlegend von Nachfolgeprozessen in anderen Branchen, da Arbeit, Familie und Wohnen auf engem Raum zusammenkommen und zahlreiche Familienmitglieder betroffen sind. „Ein Bewusstsein für die Situation der jeweils anderen Beteiligten sowie eine gute Kommunikation sind deshalb essenziell!“ so Wagner. Gerade daran scheiterten Übergabeprozesse jedoch häufig, da viele Erwartungen und Konflikte innerhalb der Familie unausgesprochen bleiben.
In ihrer Forschung untersuchte Wagner, welche Denk- und Verhaltensmuster erfolgreiche Hofübergeber und Hofnachfolger auszeichnen. Dabei zeigte sich, dass Hofübergaben seltener an fachlichen oder wirtschaftlichen Problemen scheitern als an zwischenmenschlichen Fragen wie Vertrauen, Kommunikation und unterschiedlichen Erwartungen zwischen den Generationen.
Erfolgreiche Übergeber zeichnen sich nach Wagners Untersuchungen dadurch aus, dass sie Verantwortung schrittweise abgeben können, Veränderungen im Betrieb zulassen, dem Nachfolger Vertrauen entgegenbringen, den Hof nicht ausschließlich als Teil ihrer eigenen Identität betrachten und offen über die Zukunft sprechen.
Erfolgreiche Nachfolger zeigen dagegen Eigeninitiative und Gestaltungswillen, Respekt gegenüber der Lebensleistung der Vorgängergeneration, Kommunikationsfähigkeit, die Bereitschaft, Konflikte konstruktiv anzusprechen, sowie eine klare Zukunftsvision für den Betrieb.
Ein wichtiges Ergebnis ihrer Forschung lautet, dass Hofübergaben nicht als einzelner Vertragstermin verstanden werden sollten. „Bei der Hofübergabe handelt es sich um einen mehrjährigen Entwicklungsprozess, in dem beide Generationen neue Rollen finden müssen“ so Clara Wagner. Der Übergeber wird vom Entscheider zum Begleiter, während der Nachfolger schrittweise Verantwortung übernimmt. Daher ist es wichtig, frühzeitig über die Zukunft des Betriebs ins Gespräch zu kommen und nicht erst dann, wenn gesundheitliche Probleme auftreten oder das Rentenalter unmittelbar bevorsteht.
Auch die Rolle der Frauen auf den Höfen, sei es als Mütter, Ehefrauen oder Schwiegertöchter, nahm Wagner in den Blick. Sie leisten einen großen Teil der emotionalen und kommunikativen Arbeit innerhalb der Familie und tragen oftmals eine hohe physische und psychische Belastung. Ihre Rolle ist häufig von Einsatzbereitschaft und Verantwortung geprägt, erfährt jedoch nicht immer die entsprechende Anerkennung. Dies wirkt sich auch auf Hofübergaben aus. So wünschen sich viele Bäuerinnen für ihre Schwiegertöchter bewusst andere Lebens- und Arbeitsmodelle, etwa die Möglichkeit, einen außerlandwirtschaftlichen Beruf beizubehalten.
Die Forschung von Clara Wagner und ihren Kolleginnen Sarah Köksal und Vera Bitschzeigt, dass Hofübergaben vor allem dort gelingen, wo Übergeber und Nachfolger miteinander sprechen, Vertrauen aufbauen und bereit sind, ihre Rollen neu zu definieren. Erfolgreiche Übergaben entstehen dort, wo nicht nur Vater und Sohn oder Tochter, sondern die gesamte Familie offen miteinander kommuniziert. Im Mittelpunkt steht weniger der notarielle Vertrag als vielmehr der oft jahrelange Prozess des Loslassens und Übernehmens.
Der Vortrag wurde von den anwesenden Beraterinnen und Beratern mit großer Zustimmung aufgenommen. Viele der vorgestellten Erkenntnisse deckten sich mit Erfahrungen aus der Praxis. Deutlich wurde einmal mehr, dass die größten Herausforderungen einer Hofübergabe häufig nicht im Steuerrecht oder in juristischen Fragen liegen, sondern in Kommunikation, Erwartungen und der Suche nach einem guten Platz für beide Generationen.
Zum Abschluss moderierte Bernhard Nägele eine Gruppenarbeit, in der aktuelle Themen und Herausforderungen vertieft diskutiert wurden. Angelika Pietschmann bedankte sich bei den Teilnehmenden für den Austausch und gab einen kurzen Ausblick auf das Hofübergabe-Plenum im kommenden Jahr.
Das Hofübergabe-Plenum ist ein jährlich stattfindendes Vernetzungstreffen von Organisationen und Beraterinnen und Beratern, die sich mit Hofnachfolge und Hofübergabe in Südbaden beschäftigen. In diesem Jahr waren insgesamt 19 Organisationen vertreten, darunter der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV), das Bildungshaus Kloster St. Ulrich, die landwirtschaftliche Familienberatung Familie und Betrieb, die Bioland-Beratung, die Katholische Landbewegung (KLB) sowie die Landratsämter Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und Konstanz.
Nach der Begrüßung durch Angelika Pietschmann und einer kurzen Vorstellungsrunde stellte Jennifer Shuler die Arbeit der Vertrauensstelle für außerfamiliäre Hofübergabe vor. Die Stelle hat sich seit ihrem Start im Jahr 2022 als zentrale Anlaufstelle für das Thema außerfamiliäre Hofnachfolge etabliert. Derzeit stehen 93 Suchende rund 50 Betrieben gegenüber. Die Vertrauensstelle übernimmt dabei eine wichtige Filterfunktion. Sowohl für Betriebe als auch für Suchende bleibt der Prozess bis zu einem ersten Kennenlernen anonym.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die intensive Vermittlungsarbeit:
Für das Jahr 2027 stellte Isabelle Kling beim Verbandsausschuss des BLHV Anfang Juli eine Finanzierung der Vertrauensstelle durch das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) in Aussicht.
Im Anschluss stellte Clara Wagner von der Technischen Universität München zentrale Erkenntnisse ihrer Forschung zu landwirtschaftlichen Familienbetrieben im Generationenwechsel vor. Ein Generationenwechsel in der Landwirtschaft unterscheidet sich grundlegend von Nachfolgeprozessen in anderen Branchen, da Arbeit, Familie und Wohnen auf engem Raum zusammenkommen und zahlreiche Familienmitglieder betroffen sind. „Ein Bewusstsein für die Situation der jeweils anderen Beteiligten sowie eine gute Kommunikation sind deshalb essenziell!“ so Wagner. Gerade daran scheiterten Übergabeprozesse jedoch häufig, da viele Erwartungen und Konflikte innerhalb der Familie unausgesprochen bleiben.
In ihrer Forschung untersuchte Wagner, welche Denk- und Verhaltensmuster erfolgreiche Hofübergeber und Hofnachfolger auszeichnen. Dabei zeigte sich, dass Hofübergaben seltener an fachlichen oder wirtschaftlichen Problemen scheitern als an zwischenmenschlichen Fragen wie Vertrauen, Kommunikation und unterschiedlichen Erwartungen zwischen den Generationen.
Erfolgreiche Übergeber zeichnen sich nach Wagners Untersuchungen dadurch aus, dass sie Verantwortung schrittweise abgeben können, Veränderungen im Betrieb zulassen, dem Nachfolger Vertrauen entgegenbringen, den Hof nicht ausschließlich als Teil ihrer eigenen Identität betrachten und offen über die Zukunft sprechen.
Erfolgreiche Nachfolger zeigen dagegen Eigeninitiative und Gestaltungswillen, Respekt gegenüber der Lebensleistung der Vorgängergeneration, Kommunikationsfähigkeit, die Bereitschaft, Konflikte konstruktiv anzusprechen, sowie eine klare Zukunftsvision für den Betrieb.
Ein wichtiges Ergebnis ihrer Forschung lautet, dass Hofübergaben nicht als einzelner Vertragstermin verstanden werden sollten. „Bei der Hofübergabe handelt es sich um einen mehrjährigen Entwicklungsprozess, in dem beide Generationen neue Rollen finden müssen“ so Clara Wagner. Der Übergeber wird vom Entscheider zum Begleiter, während der Nachfolger schrittweise Verantwortung übernimmt. Daher ist es wichtig, frühzeitig über die Zukunft des Betriebs ins Gespräch zu kommen und nicht erst dann, wenn gesundheitliche Probleme auftreten oder das Rentenalter unmittelbar bevorsteht.
Auch die Rolle der Frauen auf den Höfen, sei es als Mütter, Ehefrauen oder Schwiegertöchter, nahm Wagner in den Blick. Sie leisten einen großen Teil der emotionalen und kommunikativen Arbeit innerhalb der Familie und tragen oftmals eine hohe physische und psychische Belastung. Ihre Rolle ist häufig von Einsatzbereitschaft und Verantwortung geprägt, erfährt jedoch nicht immer die entsprechende Anerkennung. Dies wirkt sich auch auf Hofübergaben aus. So wünschen sich viele Bäuerinnen für ihre Schwiegertöchter bewusst andere Lebens- und Arbeitsmodelle, etwa die Möglichkeit, einen außerlandwirtschaftlichen Beruf beizubehalten.
Die Forschung von Clara Wagner und ihren Kolleginnen Sarah Köksal und Vera Bitschzeigt, dass Hofübergaben vor allem dort gelingen, wo Übergeber und Nachfolger miteinander sprechen, Vertrauen aufbauen und bereit sind, ihre Rollen neu zu definieren. Erfolgreiche Übergaben entstehen dort, wo nicht nur Vater und Sohn oder Tochter, sondern die gesamte Familie offen miteinander kommuniziert. Im Mittelpunkt steht weniger der notarielle Vertrag als vielmehr der oft jahrelange Prozess des Loslassens und Übernehmens.
Der Vortrag wurde von den anwesenden Beraterinnen und Beratern mit großer Zustimmung aufgenommen. Viele der vorgestellten Erkenntnisse deckten sich mit Erfahrungen aus der Praxis. Deutlich wurde einmal mehr, dass die größten Herausforderungen einer Hofübergabe häufig nicht im Steuerrecht oder in juristischen Fragen liegen, sondern in Kommunikation, Erwartungen und der Suche nach einem guten Platz für beide Generationen.
Zum Abschluss moderierte Bernhard Nägele eine Gruppenarbeit, in der aktuelle Themen und Herausforderungen vertieft diskutiert wurden. Angelika Pietschmann bedankte sich bei den Teilnehmenden für den Austausch und gab einen kurzen Ausblick auf das Hofübergabe-Plenum im kommenden Jahr.