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Kommentar: Der gemeinsame Nenner

Mit Kolleginnen und Kollegen, die eine andere Wirtschaftsweise betreiben, können die Diskussionen heftig werden. Es werden plötzlich Dinge vorgeworfen, die dem eigenen Selbstverständnis widersprechen. Sei es, dass mit der einen Wirtschaftsweise nicht genug Ertrag erzielt werden kann oder dass mit Pflanzenschutzmitteln Schäden angerichtet werden. Viele fühlen sich schnell angegriffen, wenn jemand anderes meint, den eigenen Betrieb besser zu kennen als man selbst. Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen 100 Jahren stark gewandelt und dieser Wandel wird mit Sicherheit weitergehen. Was jedoch konstant geblieben ist: der Wert des Bodens und der Wunsch, diesen in bestmöglichem Zustand weiterzugeben. Oft vergessen wird, auch unter Berufskollegen, dass jede Landwirtin und jeder Landwirt tut, was er oder sie für richtig hält. Ihnen ist bewusst, dass der Boden unser höchstes Gut ist. Warum soll man ihm absichtlich Schaden zufügen? Was konventionelle und ökologische Betriebe unterscheidet, ist nicht, dass die einen die Erde lieben und die anderen nicht, sondern schlicht ein unterschiedliches Verständnis von guter landwirtschaftlicher Praxis. Es ist wichtig, auf das eigene Wissen und die Intuition zu vertrauen, sich zu informieren und untereinander auszutauschen, insbesondere wenn man merkt, dass etwas anders ist als in den vergangenen Jahren. Essenziell ist auch, den Mut zu haben, Dinge zu ändern, wenn etwas nicht mehr funktioniert, obwohl es über viele Jahre geklappt hat. Und hoffentlich begreift dann über die Jahre auch der Rest der Gesellschaft, was für ein wesentliches Wissen Landwirtinnen und Landwirte in sich tragen: Denn sie sind diejenigen, die über Jahre hinweg ein gleiches Stück von der Erde beobachten und ganz individuell feststellen können, wie sich die Biodiversität verändert oder der Klimawandel auswirkt.

Jennifer Shuler

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