Politik

Kommentar: Schockierende Lebensmittelverluste

Wieviel das eigentlich ist, wird erst im Vergleich deutlich: Elf Millionen Tonnen Kartoffeln ernteten  die deutschen Landwirte im Jahr 2005. Elf Millionen Tonnen sind ungefähr ein Viertel der durchschnittlichen Getreideernte in Deutschland. Zum Glück verkaufen Landwirte ihr Erntegut, bevor es in der Tonne landet. Also könnte es ihnen eigentlich egal sein, ob damit die Biotonne oder ein Magen gefüllt wird. Ist es aber nicht:   Landwirte wollen Lebensmittel erzeugen, die satt machen und gesund sind. Dass tonnenweise Lebensmittel in der Tonne landen, trifft sie deshalb sehr. Hauptverursacher der Verluste ist der Verbraucher selbst, denn 60 Prozent der Lebensmittelabfälle entstehen in den Privathaushalten. Das Geld, das der Verbraucher für Lebensmittel ausgegeben hat, ist diesem aber scheinbar egal. Egal ist ihm auch, dass für die Lebensmittelerzeugung Betriebsmittel aufgebraucht wurden, die sich der Landwirt hätte sparen können. Scheinheilig wird es dann, wenn auf gesellschaftlichen Druck reagierend, die Politik von den Landwirten fordert, dass sie diese Mittel reduzieren sollen. Jegliche Reduktionsstrategien, die die Landwirtschaft treffen, betreffen aber nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft.
Die Reduktion der Lebensmittelverschwendung wird zwar von der Bundesregierung verfolgt. Es  gibt Aufklärungskampagnen, die auf den Verbraucher Einfluss nehmen sollen, indem sie erklären, wie Verluste vermieden werden können. Diese Kampagnen sind wirkungslos, wenn der Verbraucher keine Motivation hat, um Verluste zu vermeiden. Angesichts der schockierenden Lebensmittelverluste müsste die Regierung auf eine härtere Kommunikationsstrategie setzen, so wie sie es mit sogenannten „Schockkampagnen“ bei den Rauchern und Rasern schon getan hat.

Padraig Elsner

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