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Schweinehaltung in Baden-Württemberg vor gefährlichem Kipppunkt: BLHV und LBV fordern sofortiges Handeln von Politik und Handel

Die Lage am Schweinemarkt spitzt sich weiter dramatisch zu. Schweinehalter wirtschaften seit Monaten deutlich unterhalb der Kostendeckung, die Liquiditätslage vieler Betriebe ist existenzbedrohend. Mit einem gemeinsamen Forderungspapier wenden sich der Fachausschuss Vieh und Fleisch des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg (LBV) und des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) mit einem eindringlichen Appell an Politik, Lebensmitteleinzelhandel und Marktpartner.

„Wir stehen an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob die Schweinehaltung in Baden-Württemberg noch eine Zukunft hat. Unsere Betriebe verlieren derzeit mit jedem vermarkteten Tier Geld. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, werden weitere Familienbetriebe aufgeben mit gravierenden Folgen für die regionale Lebensmittelversorgung, den ländlichen Raum und die gesamte Wertschöpfungskette. Politik und Handel haben im Strategiedialog Verantwortung übernommen. Jetzt müssen den Zusagen endlich konkrete Taten folgen. Unsere Betriebe brauchen sofortige Liquidität, verlässliche Marktbedingungen und rentable Erzeugerpreise, die ihre Produktionskosten decken“, erklärt Hans-Benno Wichert, LBV-Vizepräsident und Vorsitzender des LBV-Fachausschusses Vieh und Fleisch.

Regionale Schweinehaltung sichern

Michael Fröhlin, stellvertretender Vorsitzender des BLHV-Fachausschusses Vieh und Fleisch, ergänzt: „Die aktuelle Krise betrifft längst nicht mehr nur die Schweinehalter. Fällt die heimische Schweinehaltung weg, gerät die gesamte regionale Wertschöpfungskette unter Druck: von der Ferkelerzeugung über Schlachtung und Verarbeitung bis hin zum Handel. Wer regionale Lebensmittel, kurze Transportwege und hohe Tierwohlstandards dauerhaft erhalten will, muss jetzt die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür schaffen. Ohne auskömmliche Erlöse gibt es keine Zukunft für die heimische Schweinehaltung.“ LBV und BLHV machen deutlich, dass es sich nicht um eine vorübergehende Marktschwäche handelt, sondern um eine akute Existenzkrise. Nur wenn Politik, Handel und alle Partner entlang der Wertschöpfungskette ihrer Verantwortung nachkommen, könne die Schweinehaltung in Baden-Württemberg erhalten und weiterentwickelt werden. 

Gemeinsame Forderungen an Politik und Lebensmitteleinzelhandel

Mit ihrem gemeinsamen Forderungspapier machen LBV und BLHV deutlich, welche Maßnahmen jetzt notwendig sind, um die heimische Schweinehaltung zu stabilisieren und ihr wieder eine Zukunftsperspektive zu geben. Politik, Lebensmitteleinzelhandel und Marktpartner stehen gleichermaßen in der Verantwortung, ihre Zusagen einzuhalten und die Betriebe wirksam zu unterstützen.

LBV und BLHV fordern insbesondere:

  • Sofortige Liquiditätshilfen für schweinehaltende Betriebe
  • Wirtschaftlich tragfähige Erzeugerpreise sowie einen dem süddeutschen Markt entsprechenden Auszahlungspreis
  • Strategiedialog Landwirtschaft umsetzen: Politik und Lebensmitteleinzelhandel müssen die im Strategiedialog eingegangenen Zusagen jetzt konsequent umsetzen und ihrer gemeinsamen Verantwortung für die heimische Tierhaltung gerecht werden.
  • Verlässliche Unterstützung durch Politik und Lebensmitteleinzelhandel entsprechend der Vereinbarungen aus dem Strategiedialog Landwirtschaft
  • Mehr Planungssicherheit und Investitionsperspektiven für die heimische Schweinehaltung
  • Langfristig verlässliche Vermarktungsprogramme und die vollständige Weitergabe von Tierwohlaufschlägen an die Erzeuger
  • Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Schweinefleisch – auch in Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung
  • Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsverfahren und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen

Hintergrundinformationen:

Das gemeinsame Forderungspapier des Fachausschuss Vieh und Fleisch des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg e. V. (LBV) und des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes e. V. (BLHV) zur aktuell schwierigen Situation auf dem Schweinemarkt finden Sie unten im Downloadbereich dieser Seite.

Die Entwicklung der Tierhaltung in Baden-Württemberg zeigt einen klaren Strukturbruch. Bei den schweinehaltenden Betrieben ist die Zahl von 2.420 Betriebe im Jahr 2016 auf 1.380 Betriebe im Jahr 2026 dramatisch gesunken, ein Rückgang um 43 %. Der Schweinebestand ging im selben Zeitraum von 1.796.500 auf 1.240.600 Tiere zurück, das entspricht einem Minus von 31% bzw. gut einer halben Million Tieren.

Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V. (LBV) vertritt rund 30.000 Landwirte aus Baden-Württemberg. 20 selbstständige Kreisbauernverbände nehmen auf regionaler Ebene die Interessen des bäuerlichen Berufsstandes wahr. Insgesamt ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Baden-Württemberg direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig. 

Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband e.V. (BLHV) vertritt rund 15.000 Land- und Forstwirte sowie Winzer und Obstbauern aus Südbaden. Satzungsmäßiger Auftrag des Verbandes ist die Bündelung und Vertretung der bäuerlichen Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Neben der Interessenvertretung ist der BLHV auch Dienstleister für die bäuerlichen Familien mit seinen sechs Geschäftsstellen.

Gemeinsames Forderungspapier von LBV und BLHV zur schwierigen Situation auf dem Schweinemarkt

Quelle: LBV