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Bauern nicht unter Generalverdacht stellen

Zu dem laufenden Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Union gegen Deutschland aufgrund von Verschlechterung der FFH-Mähwiesen in FFH-Gebieten erklärt der BLHV, dass die Landwirtschaft hierfür nicht pauschal verantwortlich gemacht werden kann.

Der BLHV ist sich mit dem Umweltministerium des Landes einig, dass eine nicht angepasste Bewirtschaftung nicht einfach als Hauptursache für die Verschlechterung unterstellt werden kann. Diese müsse im Wege der Amtsermittlung dem einzelnen Betrieb konkret nachgewiesen werden. Dieser Grundsatz gewinne aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt zunehmend an Bedeutung, erklärt der BLHV und verweist auf den Abschlussbericht der Klimopass-Studie für den Naturpark Südschwarzwald, die auf der Verbandswebsite heruntergeladen werden kann.

Auf Freiwilligkeit und Dialog setzen

„Die Untersuchungen zeigen, dass der Klimawandel für Naturschutz und Landwirtschaft neue Schutz- sowie Nutzungskonzepte mit dynamischen Ansätzen erfordert“, so BLHV-Vizepräsident Bernhart Bolkart. „In der Landwirtschaft müssen wir uns immer wieder an neue Bedingungen anpassen, und die werden unter anderem von den klimatischen Veränderungen vorgegeben.  Es ist daher allerhöchste Zeit, dass wir den Naturschutz nicht mehr statisch betrachten und unter die Käseglocke stellen, sondern auf Freiwilligkeit und Dialog setzen.“ Die grundsätzliche Bereitschaft der Landwirte, Bund und Land bei der Wiederherstellung verloren gegangener FFH-Lebensräume zu unterstützen, um so ihren Verpflichtungen gegenüber der EU nachzukommen, erfordere einen partnerschaftlichen und transparenten Umgang, der die Praktiker mitnehme, so Bolkart weiter.

Auf Augenhöhe begegnen

Bezugnehmend auf die Kartierung wiederholt der BLHV seine Forderung: „Das Land muss den Landwirtinnen und Landwirten auf Augenhöhe begegnen.“ Dazu sollte das zuständige Umweltministerium bereit sein, mit den Landwirtinnen und Landwirten den Dialog zu suchen. Insbesondere von den Kartierern und der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) erwartet der BLHV, dass Informationsgespräche vor und nach der Kartierung angeboten werden. Eine vertrauensvolle Dialogebene würde bei beiden Seiten zu einem besseren Verständnis über die komplexen Zusammenhänge von regionaler Tierhaltung und Naturschutz führen, so der BLHV.

Dramatischer Rückgang der Tierhaltung

Aus Sicht des Verbandes liegt die eigentliche Gefahr für die Artenvielfalt im Grünland im Rückgang der Tierhaltung, der insbesondere auf Grenzertragsstandorten dramatische Ausmaße angenommen hat. Diese Entwicklung könne nur durch eine zielorientierte Förderpolitik des Landes gestoppt werden. Dazu gehört auch, dass die Politik für die allgemeinen schlechten Rahmenbedingungen in der Viehhaltung Verantwortung übernimmt und nicht nur hohe Standards zu niedrigen Weltmarktpreisen einfordert, so der BLHV. Was die Landwirtinnen und Landwirte dringend brauchen, ist nach Überzeugung des BLHV eine verlässliche Unterstützung beim Bau neuer, moderner Ställe, zusätzliche finanzielle Anreize für den Erhalt der extensiven Viehhaltung und die Wertschätzung ihrer Leistungen durch Politik und Gesellschaft.    

Elsner

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