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Biobetrieb aus Südbaden ausgezeichnet

Insgesamt 6000 Euro an Preisgeld für die „besten Biobetriebskonzepte in Baden-Württemberg“ waren ausgelobt. Gewinner ist der Reyerhof in Stuttgart Möhringen (3000 Euro), Rang zwei belegte der Bio-Gemüsehof Hörz in Filderstadt (2000 Euro) und auf den dritten Platz kam Sonners Heinehof in Bollschweil-St. Ulrich (1000 Euro).
Auf dem Heinehof fand auch die Preisverleihung statt, bei der Landwirtschaftsminister Peter Hauk den Wettbewerb als einen Baustein der Ausbaustrategie des Landes für die Biolandwirtschaft benannte. „Wir wollen mit dem Wettbewerb Demonstrationsbetriebe finden, die den anderen Betrieben Wege aufzeigen“, sagte Hauk. Es gehe darum, regionale Bioprodukte sichtbar zu machen mit Menschen, die zu ihren Produkten stehen. 34 Betriebe hatten ihre Betriebskonzepte eingereicht. „Wir wollen bodenfreundlich und menschenfreundlich wirtschaften“, beschrieb Anna Laura Hübner vom Reyerhof ihre Philosophie. Die Bodenbearbeitung werde – falls vom betrieblichen Ablauf her möglich – spät am Tag gemacht, weil sich dann die Regenwürmer in tieferen Schichten aufhalten. Die Beschäftigten sollen gut bezahlt werden, bei der Gehaltsstruktur gehe man auf besondere Lebensumstände ein und es sollen viele Menschen ausgebildet werden.

Der Demeter-Betrieb mit rund 40 Hektar Fläche liegt mitten in Stuttgart-Möhringen. „Da gibt es todschicke Autos und wenig Platz, aber gleichzeitig ist bei uns auch der Hof voller Menschen, die Kälber streicheln wollen“, beschrieb sie die Besonderheiten des Standorts .Die kuhgebundene Aufzucht der Kälber und der Einsatz von Hühnern
der Zweinutzungsrassen Coffee und Cream sind Besonderheiten in der Tierhaltung.

Der Hof ist als Kommanditgesellschaft organisiert, Anna Laura Hübner und Lukas Dreyer sind die Komplementäre, daneben gibt es rund 60 Kommanditisten. Dieses Modell wurde als besondere Form der außerfamiliären Hofübergabe schon vor über 30 Jahren gewählt. Hübner und Dreyer sind schon die zweite Generation Komplementäre. Auch eine Genossenschaft mit mittlerweile rund 120 Mitgliedern ist unter den Kommanditisten. Über die Genossenschaft soll Kapital für Investitionen in den Betrieb kommen.
Ein erheblicher Teil der Produkte wird über eine Solidarische Landwirtschaft mit über 500 Mitgliedern vermarktet. In einer Versammlung im Herbst werden in einer Bieterrunde Kostenzusagen der Mitglieder eingeworben, die dann über das Jahr hinweg wöchentlich beliefert werden. Bisweilen arbeiten die Mitglieder auch auf dem Acker mit. Für die
Belieferung der Solidarischen Landwirtschaft werden nur samenfeste Sorten angebaut.
Ebenfalls in der Region Stuttgart wirtschaftet der Bio-Gemüsehof Hörz. Über 80 Kulturen stehen auf dem Bioland-Betrieb in Filderstadt-Bonlanden im Anbau und werden über Hofladen, Wochenmarkt und Lieferkisten vermarktet. Eine Kühlzelle für Selbstabholer ermöglicht die Versorgung rund um die Uhr. „Wir sind mit über 1000 Kunden
für unsere wöchentliche Lieferkiste auch ein Versorger für die Region Stuttgart“, berichtete Beate Hörz. Mit Hoffesten,
Kochkursen und Konzerten sei man auch ein Teil der kulturellen Landschaft in der Region.
„Letztlich sind es die Menschen, es braucht ein starkes Team und ein gutes Netzwerk“, so ihre Erfahrung in der Leitung des Betriebes mit über 50 Beschäftigten. Als „gelebte Nachhaltigkeit“ bezeichnete sie die Zweite-Wahl-Vermarktung,
das Energiekonzept mit Photovoltaik-Nutzung und Elektrofahrzeugen sowie den plastikfreien Einkauf im Hofladen und an den Wochenmarkt-Ständen.
Auch der Heinehof ist ganz nah an den Verbrauchern dran, berichtete Valentin Sonner. Über die hofeigene Gastronomie und über die Direktvermarktung per Fleischpakete wird das auf dem Hof produzierte Fleisch vermarktet. Alle Nachkommen der 40 Mutterkühe, vorwiegend Limousin, daneben einige Hinterwälder, werden gemästet.

Dazu kommen auf dem Betrieb mit 90 Hektar teils steilem Grünland 30 Schweine im Außenklimastall, 400 Weidemastgänse und 300 Legehennen im Mobilstall. Eine Brennerei und eine Hofbackstube gibt es auch – zusammengenommen ergibt das auf der idyllisch gelegenen Hofstelle eine Vielfalt, die von der Gesellschaft gewünscht wird, wie Sonner betonte: „Hier entstehen die Fotos für die Werbung, welche die Politik braucht.“ Die Stalltüren im 2017 neugebauten Mutterkuhstall sind ständig offen, das schafft Vertrauen beim Verbraucher. Trotz Bio brauche man die Direktvermarktung an einem solchen Standort, sagte er. Dass der Bioland-Betrieb seit kurzem auch seine Gastronomie von dem Anbauverband zertifizieren ließ, soll Bodenständigkeit und Qualitätsführerschaft unterstreichen, betonte Sonner. Nun muss er beispielsweise auf Nitritpökelsalz bei der Wurst verzichten.
Sonner setze gesellschaftliche Erwartungen eins zu eins um, stellte BLHV-Präsident Werner Räpple fest. Erzeuger und Verbraucher müssten wieder enger zusammenrücken, gab er als Devise aus. Und Biobetriebe und konventionelle Betriebe müssten voneinander lernen. René Bossert

Bild: Landwirtschaftsminister Peter Hauk (ganz rechts) übergab in St. Ulrich die Urkunden für die drei Preise an (von links): Beate und Jörg Hörz; Samuel, Valentin und Barbara Sonner sowie Lukas Dreyer und Anna Laura Hübner (Bild René Bossert)


www.reyerhof.de

www.heinehof.de

www.gemuesehofhoerz.de

Artikel aus der Badischen Bauernzeitung (www.badische-bauern-zeitung.de) von René Bossert

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