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Die Vision einer neuen Bildungsarchitektur

Die Meinungsbildung des BLHV  im Bereich fachliche Aus- und Weiterbildung wird konkreter, auch wenn noch kein endgültiger Vorstandsbeschluss vorliegt.

In zahlreichen innerverbandlichen und weiteren Sitzungen mit Akteuren aus dem Regierungspräsidium Freiburg und dem Ministerium für Ländlichen Raum, deren Thema ebenfalls die Aus- und Weiterbildung in der Landwirtschaft ist, wurde intensiv erörtert, wie die Schullandschaft in Baden-Württemberg für die kommenden Generationen attraktiv und zukunftsgewandt gestaltet werden kann. Aus diesen Gesprächen heraus wurde ein Strategiepapier entwickelt, das in der kommenden Vorstandssitzung als Gesprächsgrundlage für eine Beschlussfassung dienen soll. „Ziel ist es, eine neue Bildungsarchitektur für Baden-Württemberg auf den Weg zu bringen“, so Friedbert Schill, Vorsitzender des BLHV-Bildungsausschusses.

Es habe sich gezeigt, dass bloße Veränderungen in den bestehenden Strukturen nicht die gewünschten Effekte erzielen. Daher müssten neue Wege beschritten werden. Landfrauenverband (LFVS), Landjugend (BBL) und BLHV ziehen hierbei am selben Strang. Um deutlich zu machen, warum neue Wege geboten sind, wurde aus dem momentanen Arbeitsstand heraus eine Vision entwickelt. So kann ein Bild davon entstehen, wo Stellschrauben nachgezogen werden oder ganz neue Bretter gebohrt werden müssen. Mit der Vision wird klar, wofür sich die Verbände  in den kommenden Monaten einsetzen wollen.

Danach gestaltet sich die südbadische Vision einer neuen Bildungsarchitektur in der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung in Baden-Württemberg  folgendermaßen:

Der Beruf Landwirt ist komplexer denn je. Die Urproduktion von Lebensmitteln steht zwar im Vordergrund, dahinter verbirgt sich jedoch ein hochkomplexes System, bei dem allerhand Wissen gefragt ist. Dennoch entscheiden sich immer mehr junge Menschen für diesen Beruf. Auch wenn sie selbst nicht auf einem Hof groß geworden sind. Das Arbeiten in und mit der Natur, das Produzieren von gesunden und nachhaltigen Lebensmitteln und die Vielfalt der Tätigkeiten – Landwirtschaft liegt voll im Trend, und das wird auch so bleiben. Dies liegt mitunter daran, dass die landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung in Baden-Württemberg zu einer Erfolgsgeschichte geworden ist. Die Qualität der beruflichen Bildung ist gleichbleibend auf einem hohen Niveau, die Schülerinnen und Schüler fühlen sich gut aufgehoben und für ihre zukünftigen komplexen Aufgaben gut aufgestellt. In der dreijährigen dualen Ausbildung wird sehr großer Wert darauf gelegt, dass sie sowohl schulisch als auch betrieblich breit gefächert ist, damit die Beteiligten von einem soliden Grundwissen profitieren können. Da dies die Betriebe nicht vollumfänglich leisten können, wird die überbetriebliche Ausbildung ausgebaut. Um den Einflüssen von außen entgegentreten zu können, werden die Themen Persönlichkeitsbildung und Agrarökologie in den Vordergrund gerückt. Um auf dem neuesten Stand der Dinge zu sein, bilden sich alle an der Ausbildung beteiligten Personen regelmäßig verpflichtend fort. Es ist genügend fachliches Lehrpersonal vorhanden, und die Berufsschulen bleiben wohnortnah in der Fläche. Damit sich die ausbildenden Betriebe nicht mehr zwischen der Wirtschaftlichkeit eines Azubis und einer qualitativ hochwertigen Ausbildung entscheiden müssen, werden diese Betriebe finanziell unterstützt.

Die berufliche Weiterbildung hat über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus einen sehr guten Ruf, sodass das grüne Landesbildungszentrum bundesweit Vorbildcharakter hat. Der attraktive Standort, die Vielfalt unterschiedlicher Einrichtungen, die eng zusammenwirken, und das Internat bieten für alle Schülerinnen und Schüler eine zukunftsorientierte und qualifizierte Fortbildung. Durch den zentralen Standort und Vollzeitunterricht sind die Lehrkräfte hoch motiviert und ganzjährig ausgelastet. Insgesamt wird eine kreative Grundhaltung gefördert und Weiterbildung als Investition in die Zukunft gesehen. Bei der Vermittlung und Entwicklung von Produktionsweisen steht eine nachhaltige Landwirtschaft im Mittelpunkt, ausgerichtet nach agrarökologischen Aspekten. Ökologische und konventionelle Ansätze werden gemeinsam gelehrt. Wahlfächer ergänzen die Pflichtfächer, somit können sich die Lernenden spezialisieren. Persönlichkeitsbildung ist neben den fachlichen Themen ein zentraler Bestandteil des Unterrichts. Durch den engen Kontakt zu den anderen Lernenden bildet sich ein starkes Netzwerk, von dem lebenslang profitiert wird. Digitale Formate runden das Schulprofil ab.

Michaela Schöttner

BiU: Andreas Deyer (links) und Friedbert Schill haben als Mitglieder des BLHV-Bildungsausschusses die südbadische Vision einer neuen Bildungsarchitektur in der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung in Baden-Württemberg mit entwickelt. (Bild: Michaela Schöttner)

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