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Kommentar: „Davon kann man keine Familie ernähren…“

Im Moment dreht sich beim BLHV vieles um das Thema landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung. Auf der einen Seite werden Vorschläge für eine neue Bildungsarchitektur im Land erarbeitet, und auf der anderen Seite steht das Projekt „Dein erster Tag“ kurz vor der Vollendung. Hierbei geht es darum, Werbung in den allgemeinbildenden Schulen für den landwirtschaftlichen Beruf zu machen. Per VR-Brille können zukünftig Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland Jasmin und Georg in einem  Video bei ihrer Arbeit auf einem südbadischen Hof zuschauen. Für die dazugehörige Internetseite mussten zuvor Texte unter anderem zu dem Thema Zukunftsperspektiven in der Landwirtschaft geschrieben werden. Auch die Einleitung mit dem Abschnitt „Landwirtin und Landwirt: abwechslungsreich und zukunftssicher“ lässt davon ausgehen, dass eine gute Berufswahl getroffen wurde, wenn man sich dazu entscheidet, in die Landwirtschaft zu gehen. Ein Hofnachfolger braucht einen zukunftsfähigen Betrieb, um die nächste Generation ernähren zu können. Nun kommen aber bereits im Jahr 2021 über 50 Prozent der Auszubildenden nicht mehr von einem eigenen Betrieb. Sie sind darauf angewiesen, nach Aus- und Weiterbildung eine Festanstellung zu finden – und die finden sie auch. So weit, so gut. Und solange jung, Single und für sich allein sorgend gilt, reicht auch der Lohn noch. Sobald Kinder  dazu kommen, wird’s eng. Die beste Werbung für den Beruf nützt nur dann, wenn die Angestellten am Ende mit dieser Arbeit ihre Familien ernähren können. Wenn von Fachkräftemangel die Rede ist, müssen genau jene auch wie Fachkräfte bezahlt werden. Die Frage ist, ob dies eher ein Thema der kleinen Betriebe hier bei uns im Süden ist. Wie wir dieser Entwicklung entgegentreten, damit Unternehmer und Angestellte ein zuträgliches Einkommen haben, müssen alle Beteiligten in Zukunft auf dem Schirm haben.

Michaela Schöttner

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